Borussia Mönchengladbach: Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Vor Spiel in Hannover : Borussias schwieriger Spagat zwischen Gegenwart und Zukunft

Borussia bereitet schon jetzt das nächste Jahr vor. Nach vielen Investitionen in Infrastruktur wird jetzt das Team verstärkt. Erst einmal zählen aber nur die letzten Saisonspiele.

Es ist ein seltsames Knäuel aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in das Borussia Mönchengladbach derzeit verstrickt ist. Es sind noch sechs Spiele in dieser Saison, das erste davon ist am Samstag bei Hannover 96 (15.30 Uhr). Und für die Borussen ist, das stellte Abwehrmann Matthias Ginter zuletzt fest, „noch alles möglich“. Die Champions League, auch wenn es schwer wird angesichts der Konkurrenten RB Leipzig und Eintracht Frankfurt. Und natürlich die Europa League. Was die Variante angeht, sind die Borussen als Fünfter in der Pole Position.

Doch fühlt sich die Gegenwart schon an wie eine Vergangenheit, es ist ein bisschen so, als wolle mancher am liebsten vorspulen. Die Zukunft strahlte in diesen Tagen extrem durch im Borussia-Park. Es wurde offiziell gemacht, dass Marco Rose neuer Trainer wird anstelle Dieter Heckings. Mit Hecking geht Co-Trainer Dirk Bremser. Auch Otto Addo, der junge Spieler im Übergang zur ersten Mannschaft betreut, verlässt nach Informationen unserer Redaktion den Klub und wechselt zu Borussia Dortmund. Derweil wird Rose René Maric und Alexander Zickler als Co-Trainer mitbringen. Athletik-Trainer Patrick Eibenberger kommt ebenfalls aus der Mozartstadt an den Niederrhein. Borussia setzt auf eine Spezialisierung im Trainerteam. Auch im Managementbereich wird es Zuwachs geben.

In den vergangenen Jahren haben die Borussen viel in die Infrastruktur investiert. Der Umsatz lag 2017 bei 180 Millionen Euro. Das dürfte für 2018 ähnlich sein, obwohl es ein Jahr ganz ohne Europa war. Es gibt ein Hotel, ein hochmodernes Reha-Zentrum, ein nagelneues Jugendleistungszentrum, auch das Profiteam wird bald ein neues Gebäude bekommen, Anfang Mai eröffnet das Vereinsmuseum. Zudem hat Borussia seit 2018 ein Büro in China, vom 19. bis 26. Mai wird die Mannschaft ein Spielreise ins Reich der Mitte machen. Bei der Mitgliederversammlung am 29. April wird der Klub daher eine infrastrukturelle Erfolgsgeschichte erzählen. Und sich wohl auch positionieren, wohin es sportlich gehen soll mit Marco Rose. Der 42-Jährige soll das Team weiterzuentwickeln.

Typisch für Gladbach waren die Entwicklungen der vergangenen Wochen nicht. Wer Borussia als „Wohlfühloase“ einsortiert hatte, der wird geschluckt haben. Heckings Vertrag war erst verlängert worden im November, dann dachte Sportdirektor Max Eberl um, weil die Chance kam, Rose zu holen. Dieser ist sehr angesagt, es ist ein Coup, ihn bekommen zu haben. Niemand bei Borussia wird das in Tabellenplätzen ausdrücken, auch künftig nicht. Doch es ist nun mal so: Hecking ist aktuell Fünfter und wird ausgetauscht. „Das wäre auch auf Platz drei passiert“, stellte Eberl klar. Trotzdem ist klar: Rose soll Gladbach weiter oben stabilisieren. Borussia ist gewachsen und will nun alles dafür tun, auch sportlich voran zu kommen.

Genau genommen beginnt das „nach vorn“ der Zukunft aber in der Gegenwart. Borussia will möglichst als Europa-Teilnehmer den neuen Weg einschlagen. Dafür braucht es einen Sieg beim Tabellenletzten Hannover zum Auftakt der letzten sechs Akte der Saison. „Wir sind in einer wichtigen Phase“, sagte Christoph Kramer. Es ist ein Satz, der für Gladbachs Gegenwart ebenso gilt wie für die Zukunft, an der Borussia wieder baut. Das Knäuel zu entwirren, fällt in diesen Tagen schwer.

Mehr von RP ONLINE