Borussia Mönchengladbach: Zurecht in Europa League ausgeschieden

Kommentar nach dem Aus : Borussia hat es in der Europa League schlichtweg verbockt

Während Borussia in der Bundesliga begeistert, tat sie sich in der Europa League unheimlich schwer. Schon jetzt muss das Ziel sein, sich wieder für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren und es nächste Saison besser zu machen.

Was nach der Auslosung, vor allem aber am Donnerstag vor dem Anpfiff des Spiels gegen Basaksehir FK kaum jemand für möglich gehalten hat, ist passiert: Borussia ist in der Europa League ausgeschieden. Nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal ist das zweite Saisonziel passé. Während das Aus im nationalen Wettbewerb beim 1:2 in Dortmund sehr unglücklich war, muss man insgesamt aber sagen, dass das internationale Scheitern nicht unverdient war und die Folge von Leistungen, die wenig mit der Borussia zu tun hatten, die man bislang in der Bundesliga bestaunen durfte.

Gladbach ist es nie gelungen, in der Europa League mit der Klasse aufzutreten, mit der sie in Deutschland für Furore sorgen. Dort lief zuletzt gerade im heimischen Stadion alles rund, am vergangenen Wochenende gab es den Last-Minute-Sieg gegen Bayern München (2:1), zuvor spektakuläre Erfolge gegen Eintracht Frankfurt (4:2), Werder Bremen (3:1) und SC Freiburg (4:2). Diese Stärke in der Liga beschert Borussia nun schon seit über zwei Monaten die Tabellenführung – und das völlig verdient. National ist Gladbach ein Titelkandidat. Auf internationalem Parkett war davon aber nichts zu sehen.

Natürlich ging es für Gladbach mit dem 0:4 gegen den Wolfsberger AC im ersten Spiel denkbar schlecht los in der Europa League, und es ist lobenswert, wie sich das Team von Trainer Marco Rose zurück in den Wettbewerb gekämpft hat und sich nach dem 1:0 im Rückspiel in Graz gegen die Österreicher sogar ebenfalls auf dem ersten Platz wiederfand. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass dies keineswegs überzeugend gelungen ist.

Vier von sieben Punkten holte Borussia durch Tore, die tief in der Nachspielzeit fielen. Wiederum positiv anzumerken ist dabei, dass die Treffer von Patrick Herrmann zum 1:1 in Istanbul gegen Basaksehir FK im Hinspiel und das 2:1 von Marcus Thuram im Borussia-Park gegen AS Rom wirklich erzwungen und eine tolle Willensleistung waren. Das Elfmetertor von Lars Stindl zum 1:1 in Rom war aber die Folge eines großen Fauxpas’ des Schiedsrichters. Insgesamt war Glück also der größte Faktor dieser Punkterfolge.

Nach dieser Abfolge lag die Annahme nah, dass diese Erfolgserlebnisse dazu führen, dass die Brust der Borussen auch in der Europa League ganz breit werden würde. In Graz gegen Wolfsberg war das jedoch kaum erkennbar, bis zu Stindls goldenem Tor war der WAC die bessere Mannschaft, hatte mehrmals die Führung auf dem Fuß. Auch gegen Basaksehir FK im Rückspiel enttäuschte Borussia. Der Vierte der türkischen Liga fokussierte sich einzig auf die Defensive – und das reichte, um es den Gladbachern schwer zu machen. Selbst das 1:0 durch Thuram brachte keinerlei Bundesliga-Selbstverständis. Weil es dem Team erneut nicht gelang, das Rose-Spiel mit Vertikalität, Dynamik und Schnelligkeit auf den Platz zu bringen.

Zu häufig spielte Borussia quer, zu langsam kamen die Pässe oder zu ungenau. Ähnlich war es auch im Hinspiel. Da war auch zu erkennen, dass Basaksehir den Gladbachern unterlegen ist, wenn diese ihre Leistung abrufen können. Es wird jetzt ein Teil der Analyse der Borussen im Winter sein, warum das im Großteil des Europa-League-Geschehens einfach nicht gelungen ist. Und das in einer Gruppe mit den Gegnern AS Rom, Basasksehir FK und dem Wolfsberger AC, vor denen man, wie vor jedem Kontrahenten, Respekt haben muss, aber die sicher nicht angsteinflößend sind.

Nun ist die Bundesliga nicht nur der Wettbewerb, in denen die Borussen am besten zurechtkommen, im nationalen Vergleich müssen sie nun auch das wieder gut machen, was sie in der Europa League schlichtweg verbockt haben. Für alle im und um den Verein war es eine großartige Sache, dass Gladbach wieder international vertreten war. Was dann dort passiert ist, war äußerst ernüchternd.

Jetzt kann es für Borussia und Rose nur ein Ziel geben: Sich in der Bundesliga wieder für Europa qualifizieren und in der nächsten Saison zeigen, dass es Gladbach besser kann. Das Ausscheiden wird aber zunächst ein dunkler Fleck des ersten Rose-Jahres bei Borussia sein.

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