Hrgotas Latten-Lupfer im Pokal Borussias letzte Erstrunden-Blamage war Darmstadt 2013

Mönchengladbach · Borussia Mönchengladbach hat in der ersten DFB-Pokalrunde mit dem BSC Hastedt einen Fünftligisten erwischt. Zumindest auf dem Papier haben die Bremer keine Chance. Doch die Erinnerung an Darmstadt 2013 mahnt: kein Anlass zur Arroganz.

Branimir Hrgota (rechts) nach seinem entscheidenden Lupfer an die Latte im Elfmeterschießen gegen Darmstadt.

Branimir Hrgota (rechts) nach seinem entscheidenden Lupfer an die Latte im Elfmeterschießen gegen Darmstadt.

Foto: Dieter Wiechmann

So langsam wird man Lucien Favre wieder ansprechen können auf den 4. August 2013, aber ganz vorsichtig! Der Kern jener Elf, die damals in der ersten Runde des DFB-Pokals am Drittligisten SV Darmstadt scheiterte, sollte knapp zwei Jahre später auf Platz drei in der Bundesliga landen. Aber am Böllenfalltor nahm sie, wenn man so will, noch einmal Anlauf, um später durchzustarten. Es war ein wirklich gruseliger Auftritt der Borussen in Darmstadt, den Branimir Hrgota als sechster Schütze im Elfmeterschießen mit einem Lupfer an die Latte im negativen Sinne krönte. Trainer Favre war außer sich.

In den fünf Jahren danach hat Borussia immer irgendwie die zweite Runde erreicht, das „irgendwie“ war mal mehr, mal weniger zu betonen: 3:1 beim FC Homburg, 4:1 beim FC St. Pauli, 1:0 bei der SV Drochtersen/Assel, 2:1 bei Rot-Weiss Essen. Bei neun der aktuellen Bundesligisten liegt die letzte Erstunden-Blamage länger zurück als bei Gladbach, aber nur bei vier davon mehr als zehn Jahre. Borussia Dortmund scheiterte 2005, Hertha BSC 2002, der FC Bayern 1994 und Fortuna Düsseldorf 1983 zum letzten Mal zum Auftakt. Wobei die Fortunen in dieser Zeit auch deutlich seltener als Erstligist in die erste Runde gegangen sind.

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Gladbach hat bei seinen 55 Teilnahmen nie ein Weinheim, Eppingen oder Vestenbergsgreuth erlebt. Jene Orte haben sich als Synonyme für Pokalblamagen in die Geschichte eingebrannt. Bis 1997 war für Borussia der Wettbewerb nur viermal schnellstmöglich beendet, zweimal gegen einen Zweit- und zweimal gegen einen Erstligisten. Nach dem Titelgewinn gleich im ersten Anlauf 1960 war sogar dreimal in Folge in der ersten Runde Schluss. Damals führte der Weg ins Hauptfeld noch über den Westdeutschen Pokal. Zwischen den Spielzeiten 1966/67 und 1988/89 hielt sich Borussia dann schadlos.

Anschließend widerfuhr ihr das Erstrunden-Aus noch viermal: stets zu Gast bei einem Drittligisten, stets im Elfmeterschießen. 1997 hieß der Gegner Hannover 96, dort spielten Borussias heutiger Trainer Dieter Hecking und ihr Talentetrainer Otto Addo. 1999 scheiterte Borussia als Bundesliga-Absteiger am SC Verl, für den der spätere Leverkusen-Trainer Roger Schmidt einen Elfmeter verwandelte. Auf der Bank saß Gladbachs ehemaliger Keeper Uli Sude. 2004 passierte etwas, was heutzutage nicht mehr möglich ist: Die Zweitvertretung des FC Bayern kegelte Gladbach raus. Und dann kam 2013 Hrgotas Lupfer in Darmstadt, die einzige Erstrunden-Blamage der vergangenen 14 Jahre.

Hochmütig sollte Borussia die Aufgabe beim BSC Hastedt am Sonntag (Anpfiff 18.30 Uhr) auf keinen Fall angehen. Der Fünftligist hat nur eine Chance, weil es da diese banale Pokal-Weisheit gibt, die in einem Text über den Pokal auf keinen Fall mehr zitiert werden sollte.

Noch nie ist Borussia im Pokal an einem Viertligisten gescheitert, geschweige denn an einem Fünftligisten. Aber: Sie hat in den vergangenen Jahrzehnten auch nur äußerst selten so richtig hoch gewonnen. Seit 1987 und einem 9:2 im Viertelfinale gegen Bayer Uerdingen gab es lediglich drei Siege mit mindestens vier Toren Unterschied: 5:1 gegen Waldhof Mannheim in der ersten Runde im Jahr 1998, 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern in der 2. Runde im Jahr 2000 und 8:1 gegen den VfB Fichte Bielefeld im Jahr 2008. Der Landesligist war vor zehn Jahren auch Borussias letzter Pokalgegner unterhalb der Viertklassigkeit.

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Auf dem Papier wird es am Sonntag also ein einseitiges Duell wie lange nicht in einem Pflichtspiel für Gladbach. Hinzu kommt, dass Borussia im Pokal sieben Auswärtsspiele in Folge gewonnen hat – Vereinsrekord. Ihr „Spiel des Lebens“ hat jedoch nur eine Mannschaft, und das ist der BSC Hastedt. Für Arroganz wie einst bei Hrgotas Lupfer ist demnach kein Platz.