Borussia Mönchengladbach: Zu viele und zu leichte Gegentore

Borussias Defensive: Zu viele und zu leichte Gegentore

Borussia ließ in Köln einige Chancen aus, kassierte aber auch zwei Tore, die sicherlich zu verteidigen waren. Vor allem der Treffer zum 1:2 zeigte, dass zu einer sortierten Defensive im Gladbacher Team alle beitragen müssen.

Wenn in Zukunft ein Trainer des 1. FC Köln sein Team auf das Derby gegen Borussia vorbereiten will, kann er den Seinen ein phänotypisches Derby-Siegtor zeigen. Eines, das es seit Sonntag in zweifacher Ausführung gibt. Ein Kölner flankt den Ball von der linken Angriffsseite in den Strafraum der Borussen und dort wischt der zentrale Stürmer den Ball mit der Stirn in die lange Ecke des Tores. 2015 war es Anthony Modeste, 2018 Simon Terodde.

Dass Letzterer seine Heldentat in der 95. Minute des 88. Derbys vollbringen durfte, konnten die Gladbacher auch einen Tag später nicht fassen. "Man muss bis zur letzten Sekunde verteidigen und klarmachen: Hier passiert nichts mehr", stellte Vize-Präsident Rainer Bonhof klar. "Köln war effektiv - aber wir müssen solche Bälle verteidigen, müssen wacher sein", sagte Patrick Herrmann.

Genau genommen gab es drei ernsthafte Abschlüsse der Kölner auf das Gladbacher Tor, zwei landeten im Netz. Erst durfte Frederik Sörensen ungehindert den Ball ins Tor lenken nach der Freistoß-Flanke von Milos Jojic, dann war Terodde beim 2:1 nicht weniger unbedrängt. In beiden Fällen kam Jannik Vestergaard zu spät. Und Yann Sommer bestätigte den gefühlten Trend, dass er sich in dieser Saison schwertut, Punkte festzuhalten. Auf der anderen Seite konnte sich Timo Horn doch mehrmals auszeichnen und war damit neben Terodde einer der Kölner Matchwinner.

Das Tor zum 1:2 zeigte aber auch, dass zu einer sortierten Defensive alle beitragen müssen im Gladbacher Team. Denn weit vorne erlaubte sich Thorgan Hazard einen Hackentrick, der zum Ballverlust führte, danach gab es reichlich Gelegenheiten, den Ball zu ergattern. "Es war ein leichter Ballverlust, allerdings im gegnerischen Strafraum, 80 Meter von unserem Tor weg, ich glaube, das kann man immer noch verteidigen", sagte Trainer Dieter Hecking.

Doch passierte das nicht. Borussia war letztlich zu offen und gedanklich vielleicht zu sehr auf das 2:1 aus, als der Ball zum eingewechselten und sehr einsamen Rausch kam und das Unheil seinen Lauf nahm. "Wir kamen außen zu spät und waren in der Mitte nicht nah genug dran", befand Hecking. Das 30. Gegentor im 18. Saisonspiel bedeutete die dritte Auswärtsniederlage in Serie. "So etwas sollte nicht passieren. Es ist ärgerlich, dass wir die einzige Flanke der Kölner nicht verteidigt bekommen", gab Verteidiger Matthias Ginter zu.

Fehler, die nicht passieren dürfen, wenn man nach Europa will

Nico Elvedi gab Rausch den entscheidenden Freiraum bei der Hereingabe - doch war es im Grunde eine gesamtmannschaftliche Fehlerkette. Einem Team, das nach Europa will, sollte so etwas nicht passieren. Es sollte in der Lage sein, in so einem Spiel zumindest den einen Punkte einzusammeln oder aber den psychologischen Vorteil nach dem Ausgleich zu nutzen, um die Geschichte komplett zu kippen. "In der Phase des Spiels hätte ich mir gewünscht, dass wir mehr Ballkontrolle haben, aber es wurde richtig wild, es ging nur noch hin und her", sagte Hecking. Borussia bekam das Geschehen nicht in den Griff, konnte keine Ruhe reinbringen und wurde letztlich auch durch die eigene Hektik besiegt. Dabei sollte genau das abgestellt werden.

Sicherlich wurden in Köln zu viele Chancen ausgelassen. 7:3 lautete die Bilanz des Derbys. 86 Prozent der Möglichkeiten wurden somit vertan. Doch führten 67 Prozent der Kölner Gelegenheiten zu Toren. "Es hat vorne und hinten gehapert. Vorne haben wir die Tore nicht gemacht und hinten nicht aufgepasst", sagte Patrick Herrmann nach seiner ersten Derby-Niederlage als Profi.

Das Ziel muss sein - das war einer der Vorsätze, die wir jüngst in Richtung der Borussen formuliert hatten - die Gegentorzahl mindestens unter 50 zu halten. Die zwei Gegentreffer zum Rückrundenauftakt sind da eigentlich schon zu viel. 1,67 Gegentore gibt es derzeit im Schnitt, wenn "unter 50" der Ansatz ist, darf es nun im Schnitzt nur noch 1,19 Gegentore im Schnitt geben. In einem Spiel wie in Köln, in dem der Gegner offensiv kaum existent ist, darf aber auch mal die Null stehen. Dreimal gab es das bisher in 18 Ligaspielen, da ist ebenfalls notwendiges Steigerungspotenzial da für die letzten 16 Spiele der Saison. Frei nach der alten Fußballweisheit: Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr muss den Weg nach Europa ebnen.

(kk)