Borussia Mönchengladbach: Yann Sommers Geschichte bei Gladbach

Borussias Vize-Kapitän bleibt bis 2023 : Wie Sommer zu „einem der besten Torhüter Europas“ wurde

Mit der Vertragsverlängerung von Yann Sommer fixiert Borussia ihren Torwart-Ansatz für die nächsten Jahre.

Yann Sommer umklammerte den Ball, als wolle er ihn nie wieder hergeben, schützend legte Borussias Torhüter seinen Körper über die Kugel, als sei er eine Löwenmutter, die ihr Junges schützt. Über dem Schweizer  beugte sich sein Teamkamerad Oscar Wendt hinab und brüllte lauthals auf ihn ein. Der Schwede war ob des Zupackens des Torhüter recht begeistert. Ein „Jaaaaaa, Yann!“ oder etwas Ähnliches können selbst im Lippenlesen ungeübte Menschen herausdeuten aus der Szenerie. Sommer hielt im Europa-League-Spiel  beim Wolfsberger AC (1:0) die Null fest, wettbewerbsübergreifend gelang ihm das zum fünften Mal in dieser Spielzeit. Es war extrem wichtig, denn mit diesem Sieg wurde ein großer Schritt richtig Zwischenrunde gemacht, das ist ein Ziel, das unter anderem Sommer klar formuliert hat.

Er sorgte dann am Freitag gleich für die nächste gute Nachricht. Er verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2023. „Das war nötig. Seine Leistungen haben dazu beigetragen, dass auch andere Vereine auf ihn aufmerksam wurden. Unter gewissen Umständen hätten sie vielleicht eine Chance gehabt“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Nun hat sich Sommer langfristig Gladbach verschrieben. Erfüllt er den Kontrakt, wird er neun Jahre Borusse gewesen sein.

Wer die Geschichte von Yann Sommer und Borussia erzählt, muss indes am 10. April 2011 beginnen. Da war Sommer noch beim FC Basel in der Schweiz angestellt. Doch in Gladbach gab es an diesem Tag eine  Zäsur. Marc-André ter Stegen feierte beim 5:1-Sieg gegen den 1. FC Köln sein Debüt und damit begann eine neue Ära des Torwartspiels: Ter Stegen ist ein typischer Vertreter des modernen Torwarts, ja sogar einer der Prototypen. Und die Borussen setzen seither ganz bewusst auf den elften Mann, der nicht nur Tore verhindert, sondern auch das Spiel initiieren kann. Als ter Stegen 2014 entschied, zum FC Barcelona zu gehen, sollte sein Erbe bei Borussia fortgeführt werden.

Oliver Baumann, jetzt 1899 Hoffenheim, war einer der Kandidaten, vor allem aber Sommer. Es klappte mit dem Deal, für neun Millionen Euro wechselte er vom damaligen Schweizer Serienmeister Basel ins Gladbacher Tor. „Für mich war es eine tolle Chance, in einer der größten Ligen Europas zu spielen – und eine Herausforderung, zu zeigen, dass ich ein Nachfolger für Marc-André ter Stegen sein kann“, sagte Sommer.

Schnell hatte er sich akklimatisiert und ist, wie nun ter Stegen in Barcelona, die unumstrittene Nummer eins Borussias. Beide gelten als mit das Beste, was es in der Torhüter-Branche fußballerisch gibt, doch auch das klassische Torhüter-Handwerk beherrschen sie ausgezeichnet. Generell darf  Gladbach als ein Standort beschrieben werden, an dem das hochmoderne Torwartspiel sogar in der Philosophie für diese Position festgeschrieben ist. „Wir haben vier Hauptschwerpunkte: die Torverteidigung, die Eins-gegen-eins-Situationen, die Raumverteidigung und das Fußballerische. In diesen Bereichen versuchen wir unsere Torhüter technisch und taktisch top auszubilden“, sagten die Torwart-Trainer Uwe Kamps und Steffen Krebs zuletzt im Interview mit unserer Redaktion. Eigengewächs ter Stegen war der Ursprung dieses Torwart-Gedankens, Sommer setzt diesen Ansatz weiter fort, nun ist er für die nächsten Jahre weiter an Gladbach fixiert.

Gleich in seiner ersten Saison blieb Sommer, der gerade erstmals Vater geworden ist, in 20 von 48 Pflichtspielen ohne Gegentor, insgesamt hielt er in 226 Pflichtspielen 56-mal sein Tor sauber. Mit Sommer erreichte Borussia zweimal die Champions League, wurde zweimal Neunter und spielt nun in seiner Zeit zum dritten Mal international. „Yann hat sich in den vergangenen fünfeinhalb Jahren zu einem der besten Torhüter Europas entwickelt. Er hat mit seinen herausragenden Leistungen großen Anteil an unseren Erfolgen der vergangenen Jahre“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

Sommer, der seit der vergangenen Spielzeit Vize-Kapitän ist, will weiter erfolgreich sein mit Gladbach. „Die Mannschaft hat großes Potenzial – wir haben als Mannschaft noch einiges vor“, sagte er. Zunächst mal steht ein Heimsieg gegen den SC Freiburg auf der To-do-Liste. „Wenn man Erster ist, will man diesen Platz auch verteidigen – dafür arbeiten wir täglich hart“, sagte der Torhüter.

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