Borussia Mönchengladbach: Yann Sommer wird von den eigenen Fans beschimpft

Borussia-Keeper im Fokus : Sommer wird von den eigenen Fans beschimpft

Bei Borussia lief es in der Bundesliga zuletzt mäßig. Einige Anhänger haben nun offenbar Torwart Yann Sommer als Verantwortlichen für die jüngsten Ergebnisse ausgemacht. Borussias Torhüter ist bei Heimpielen im Borussia-Park von den eigenen Fans verbal angegangen worden.

Torwart Yann Sommer freut sich auf das Heimspiel der Mönchengladbacher Borussen gegen den VfL Wolfsburg am Freitag. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er offenbar einen Fanklub der anderen Art hat. Darauf wies nun Cheftrainer Dieter Hecking während der Mitgliederversammlung des Bundesligisten hin. "Yann wird schon beim Warmmachen von einer kleinen Gruppe am Zaun mit unappetitlichen Ausdrücken beschimpft", sagte Hecking. "Erstmalig ist das im Januar gegen Augsburg passiert." Auch Torwarttrainer Uwe Kamps war Ohrenzeuge. "Er hat mir davon berichtet, dass es sehr unappetitliche Ausdrücke waren", sagte Hecking. "Das ist natürlich auch ein Thema in der Kabine." Warum sich die Fangruppe ausgerechnet Sommer ausgesucht hat, darauf hat niemand im Verein eine Antwort. Dass der Schlussmann sicher nicht seine beste Saison spielt, spielt wohl keine Rolle.

Laut Hecking gab es häufiger derartige Vorfälle, Sommer selbst relativierte das im Gespräch mit unserer Redaktion. "Es ist einmal passiert, das war vor dem Spiel gegen Augsburg im Januar. Da ging es gegen mich persönlich", sagte Sommer. Der Schweizer Nationaltorwart hat für sich aber einen Strich unter die Geschichte gemacht. "Das gehört sich nicht, aber für mich hat sich die Sache erledigt", sagte Sommer. Eine Aussprache hat es jedoch nicht gegeben mit den betreffenden Fans.

Auch nicht, als Sommer und andere Spieler nach dem 2:1-Sieg gegen Hertha BSC im letzten Heimspiel eine Debatte mit den Fans an der Bande hinter dem Tor vor der Nordkurve führten. Sommer hatte nach dem Abpfiff gestenreich auf die Rufe der Fans reagiert, die trotz des Sieges nicht in Feierlaune waren und ihren Unmut zum Ausdruck brachten. In der Diskussion mit einem Fan ging es um die "Art und Weise, wie wir gespielt haben", berichtete Kapitän Lars Stindl.

Dass Torhüter von gegnerischen Fans beschimpft oder beleidigt werden, ist unschöne Sitte in den Stadien. Das hatte unter anderem Stuttgarts Torhüter Ron-Robert Zieler zuletzt in einem Interview beklagt. Dass aber Fans Spieler des eigenen Klubs derart attackieren, eher nicht. Dass Spieler mit der Anhängerschaft aneinandergeraten, gab es indes auch schon in Gladbach. Anfang April 2013 hatte sich Oscar Wendt beim 1:0-Sieg gegen Fürth mal mit den Fans angelegt, jedoch mit denen auf der Gegengeraden. Nach einem Einwurf gab es Pfiffe, Wendt, der Luuk de Jong später den Siegtreffer auflegte, reagierte mit einer abfälligen Geste darauf. Danach entschuldigte er sich aber bei den Fans. "Das war ein Fehler von mir", räumte der Schwede ein.

Auch vor fünf Jahren waren unterschiedliche Ansichten über die Spielweise der Borussen der Auslöser des Streits. Wie jetzt spielte Borussia eine holprige Saison, hatte nach 28 Spielen 41 Punkte und wurde am Ende Achter. Sommers Vorgänger Marc-André ter Stegen zeigte kein Verständnis für den Unmut der Fans. "Ich finde es unverschämt. Das macht mich ein bisschen traurig", sagte ter Stegen, während de Jong feststellte: "Fußball ist nicht immer schön." In der Gegenwart hofft Sommer auf eine Erneuerung der guten Beziehungen zur Kurve. "Es ist wichtiger als zuvor, dass wir in diesen Tagen mit unseren loyalen Fans zusammenstehen und wieder eine Einheit bilden. Wir sehen uns am Freitag in unserem tollen Stadion zum Spiel gegen Wolfsburg", schrieb er bei Twitter.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussia-Profis diskutieren mit den Fans

(kk)
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