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Borussia Mönchengladbach: Yann Sommer hält

Borussia Mönchengladbach : Sommer hält

Borussias Torwart trägt nicht mit seinen Kochkünsten zum Aufschwung der Borussen bei, sondern mit starken Leistungen. Seine Paraden-Quote liegt bei 80 Prozent. Trotzdem kann er mit HSV-Keeper Adler mitfühlen.

Die Geheimnisforscher wähnten sich auf der richtigen Spur. Yann Sommer, mithin Inhaber eines Food-Blogs, hat am Wochenende ein Rezept gepostet. "Energyballs" aus Datteln und Haselnüssen preist Borussias Torwart darin an, und er versichert: "Die sind gut." Doch sind die Dinger nicht der Ursprung der neuen Energie, mit der Sommer und die anderen Borussen derzeit unterwegs sind. "Ich habe sie noch keinem Kollegen aus der Mannschaft zu probieren gegeben", sagt Sommer. Ibo Traoré, der aktuell verletzte Borusse, bestätigt das. "Nein, er hat uns nichts gekocht", sagt Traoré, und vermutet auch keinen Zusammenhang zwischen dem Genuss der Energie-Bällchen und Sommers derzeitiger Hochleistungs-Phase. "Er ist einfach gut, das ist die Erklärung", sagt Traoré.

Wie gut Sommer ist, das zeigte er in Ingolstadt, als er zunächst Marvin Matips Kopfball und später den Schuss von Almog Cohen glänzend abwehrte. Bei seiner ersten Glanztat stand es noch 0:0, bei der zweiten verhinderte er das 1:1. "Wichtig" seien seine Torverhinderungen gewesen, befand Sommer gestern nach dem Auslaufen, vor allem die erste. "Es war ein schwieriges Spiel, wir haben das Europapokalspiel in Florenz vom Donnerstag noch gemerkt und der Gegner war sehr viel unterwegs. Wenn wir in Rückstand geraten wären, wäre es schwer geworden", sagt Sommer, der eine Einser-Leistung ablieferte.

Sommer hält auch wieder die Problem-Bälle

Doch wie am Donnerstag in Florenz war er da und hielt. Gegen die Fiorentina sorgte er einer Doppelparade dafür, dass die Borussen im Spiel blieben und nicht noch höher zurücklagen. Sommer hält jetzt auch wieder die Problem-Bälle, jene, an die er in der Hinrunde nicht herankam. Weswegen sein Paraden-Schnitt auf unter 65 Prozent absackte. Inzwischen hat er sich in der Gesamtrechnung auf 69 Prozent hochgearbeitet - mit einer aktuellen Quote von rund 80 Prozent. Der Schweizer ist keiner, der ständig Statistiken wälzt, doch seine Bilanz des Jahres 2017 macht ihm Freude. Fünf der neun Pflichtspiele des Jahres endeten für ihn ohne Gegentor, kein Bundesligateam hat weniger Gegentore bekommen. "Wir stehen sehr stabil, das hilft mir auch, es fühlt sich gut an", sagt Sommer.

Er weiß indes, wie sich die andere Seite des Torwartelebens anfühlt. Wegen seiner persönlichen Hinrunde, an deren Ende er sagte: "Sie war nicht gut." Aber auch wegen eines Champions-League-Spiels beim FC Bayern, mit dem FC Basel. 0:7 verloren die Schweizer nach dem 1:0-Triumph im Hinspiel und es war eines der schlimmsten Debakel in seiner bisherigen Karriere. Weswegen er mitfühlen kann mit dem Kollegen René Adler, Keeper des HSV. Acht Gegentore bekam dieser bei den Bayern am Samstag. "Wenn sich die Münchner in einen Rausch spielen, kann das passieren, ich habe es selbst erlebt. Du fährst motiviert dahin, dann steht es nach 20 oder 30 Minuten 0:2 und die spielen wie vom anderen Stern", sagt Sommer.

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Vom 0:8 des HSV aber abzuleiten, dass die Borussen morgen (18.30 Uhr) in Hamburg ins Halbfinale des Pokalwettbewerbs durchgewinkt werden, davor warnt Sommer. "Als wir in der Hinrunde bei uns nicht lief, haben auch alle gemeckert. Aber die Qualität war trotzdem noch da. Und auch der HSV hat Qualität", sagt Sommer. Gleichwohl fahren die Borussen an die Elbe, um ihren Auswärtslauf fortzusetzen (fünf Siege in Folge). Für Sommer könnte es beim spannendsten Verlauf des Spiels (mit Elfmeterschießen) nebenbei die Gelegenheit geben, mit einem anderen leidigen Thema aufzuräumen: die ungehaltenen Elfmeter. Nur einen von 27 hat er als Borusse abgewehrt. Derzeit aber sind die Borussen dabei, mit einigen Traumata aufzuräumen (Auswärtsangst, Rückstandsangst etc.). Da Sommer sehr aktiv dazu beiträgt, ist die Gelegenheit günstig, auch bei den Elfmetern anzusetzen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Yann Sommer

(kk)