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Borussia Mönchengladbach: Wissenswertes über den AC Florenz

Borussias Gegner Florenz : Die Farbe Lila

Die Trikots des AC Florenz stechen seit Jahrzehnten ins Auge. Wir stellen den Klub aus der Toskana vor.

Wer meint, dass Borussia Mönchengladbach zwischenzeitlich sehr komplizierte 15 Jahre mit Abstiegen, Fast-Abstiegen und Fast-Pleiten erlebt hat, der wird sein Urteil angesichts der jüngeren Geschichte des AC Florenz ein wenig revidieren. Beim Thema Pleite konnten die Italiener im Jahr 2002 die Vorsilbe "Fast" sogar streichen.

Mit Glück durfte der insolvente Klub in der Viertklassigkeit einen Neustart unternehmen, mit noch mehr Glück gelang binnen zwei Jahren die Rückkehr in die Serie A. Nach den Regularien hätte der Klub noch tiefer eingestuft werden müssen. Dann wurde die Serie B vergrößert und Florenz aufgrund seiner Verdienste eingegliedert. Die Rückkehr in die Erstklassigkeit gelang über die Relegation nach einem sechsten Platz in der regulären Saison.

Seitdem bewegt sich die Fiorentina in der Regel in der Einstelligkeit und belegte in den vergangenen vier Spielzeiten je zweimal den vierten und zweimal den fünften Platz. Das zu wiederholen, wird in der laufenden Saison schwierig. Umjubelte Erfolge wie gegen Juventus Turin wechseln sich ab mit glücklichen Siegen wie einem 2:1 in letzter Minute beim Tabellenletzten Pescara und ernüchternden Niederlagen wie dem 0:4 beim AS Rom vergangene Woche. Es fehlt die Konstanz, und auch die aktuelle Form ist überschaubar. Borussia winken zwei Duelle auf Augenhöhe.

  • Der Trainer

Die Mähne des Profis Paulo Sousa war schwarz und wallend. Mit Juventus Turin und Borussia Dortmund gewann der Mittelfeldspieler aus Portugal in aufeinanderfolgenden Jahren die Champions League. Mittlerweile sind die Haare grau meliert, Sousa ist 46 Jahre alt und bereits im fünften Land als Trainer aktiv. Über England, Ungarn, Israel und die Schweiz führte sein Weg im Sommer 2015 nach Florenz. Erst ein paar Tage vorher war sein Vertrag beim FC Basel aufgelöst worden.

So richtig warm geworden sind sie mit Sousa noch nicht in Florenz, trotz des fünften Platzes in der vergangenen Saison. Das liegt zum einen an seiner Juventus-Vergangenheit, kein Klub ist verhasster bei den Tifosi der Fiorentina. Zum anderen sagen ihm Kritiker nach, dass er das Team mit ständigen Systemwechseln verwirre. 4-2-3-1, 3-4-3 — Sousa hat viele Ideen. International ist sein Standing gut, vor Kurzem wurde er als Juventus- Trainer der Zukunft gehandelt.

  1. Die Mannschaft

Vor 30 Jahren wäre es noch ein Vergleich von Äpfeln und Birnen gewesen, im datenlastigen und internationalisierten Fußballzeitalter ist es nur noch ein Vergleich von Boskopp und Braeburn: Hat der AC Florenz oder hat Borussia Mönchengladbach die bessere Mannschaft? Beide gegeneinander antreten zu lassen, ist eine schlaue Idee, nur sollte eine seriöse Einschätzung eben schon vor dem Duell erfolgen.

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Der Marktwert eines Kaders hat sich als Index etabliert. 165 Millionen Euro ist der teuerste 18er-Kader der Florentiner wert, Borussia kommt auf 146 Millionen. Weltweit trifft die Nummer 31 auf die 36, womit sich beide in einer Region bewegen, zu der auch Klubs wie der FC Schalke, Benfica Lissabon, Stoke City und Athletic Bilbao zu zählen sind. Das Halbfinale der Champions League wäre für die meisten utopisch, ein Finaleinzug in der Europa League aber jederzeit vorstellbar. Als bester Mann in Paulo Sousas Mannschaft gilt Federico Bernardeschi, mit neun Ligatoren ist er auf jeden Fall der treffsicherste. Gerne wird der 22-Jährige mit Roberto Baggio verglichen, womöglich vollzieht er irgendwann denselben Wechsel wie die italienische Legende — von Florenz ins verhasste Turin.

  1. Die Historie

Nur vier Klubs liegen in der Ewigen Tabelle der Serie A vor Florenz — Juventus Turin, Inter Mailand, AC Mailand, AS Rom. Während Borussia ihre beste Zeit in den 70ern und 80ern erlebte, müssen die Fans der Fiorentina noch weiter zurückblicken. Die beiden Meisterschaften stammen aus den Jahren 1956 und 1969, der Erfolg im Europapokal der Pokalsieger aus dem Jahr 1961. Bei der überhaupt erst zweiten Auflage des Landesmeister-Pokals im Jahr 1957 verlor Florenz im Endspiel unglücklich gegen Real Madrid.

Der Schwede Kurt Hamrin, eine der größten Vereinslegenden, ist inzwischen 82 Jahre alt. In den 90ern wurde Gabriel "Batigol" Batistuta zur Ikone. Auch seine langen Haare in Verbindung mit den lilafarbenen Trikots im damaligen Hauptsacheauffallen- Stil sind im Gedächtnis geblieben. Als er Florenz verließ, hatte er 207 Tore erzielt — nur eines weniger als Hamrin. In vielen Belangen ist die Erinnerung an die Vergangenheit auch in Florenz größer als die Gegenwart. Wie Borussia hat sich der Klub jüngst aber ganz ordentlich dabei angestellt, seine Fans zu erfreuen.

  1. Das Stadion

Beinahe war das "Sommermärchen" vorüber, bevor überhaupt jemand wusste, dass es jemals beginnen würde. Am 1. März 2006 verlor die deutsche Nationalmannschaft 1:4 in Italien. Gespielt wurde im Stadio Artemio Franchi in Florenz, weshalb die Stadt seitdem eng mit einem schwarzen Tag in der DFB-Geschichte verbunden ist. Klinsmann und Co. werden demnach kein Auge gehabt haben für die besondere Architektur des Stadions, das etwa 47.000 Zuschauer fasst. Das Artemio Franchi hieß bei seiner Eröffnung 1931 noch Stadio Comunale Giovanni Berta, benannt nach einem italienischen Faschisten, was zu einer baulichen Besonderheit passt, die aus der Luft zu erkennen ist: Das Stadion hat zu Ehren des faschistischen Führers "Duce" Benito Mussolini die Form eines "D".

Lange hieß es einfach nur Comunale, seit 1993 trägt es den Namen des ehemaligen Uefa-Präsidenten Artemio Franchi. Eine durchgestylte Arena ist das Stadion des AC Florenz beileibe nicht. Es wirkt sogar etwas baufällig, wofür ganze der Beton verantwortlich sein dürfte, der nach außen sichtbar ist. Wer weiß, wie es dem Borussia-Park einmal ergehen wird. Jedenfalls kann der nicht behaupten, ein bekannter Vertreter des Rationalismus zu sein. Architekt Pier Luigi Nervi hat auch das berühmte Pirelli-Hochhaus in Mailand entworfen.

Hier geht es zur Infostrecke: Der AC Florenz im Kurz-Porträt

(jaso)