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Borussia Mönchengladbach: Weitschuss-Tore von Plea und Kramer können Vorbild sein

Plea und Kramer machen es vor : Borussias seltenes Glück aus der Distanz darf gerne anregen

Gegen Schachtjor Donezk waren die Borussen zweimal aus der Distanz erfolgreich. Das sollte ihnen Mut machen, es auch in Zukunft weiter aus der Ferne zu probieren. Denn Weitschuss-Tore haben in Gladbach mittlerweile echten Seltenheitswert.

Borussias Geschichte des Fernschusses im Europapokal hat zwei Prunkstücke. Rainer Bonhofs gnadenloser 22-Meter-Freistoß, der Liverpools Torhüter Ray Clemence knapp am Ohr vorbeisauste, war im März 1978 das „Tor des Monats“. Das Kunststück von Harald Nickel, der am 7. November 1979 in Mailand aus 30 Metern traf, lag auch bei dem Wettbewerb der ARD-Sportschau vorn und war später sogar das „Tor des Jahres“.

Alassane Plea ist mit seinem feinen Distanz-Treffer beim 6:0-Sieg gegen Schachtjor Donezk aktuell einer, der sich Hoffnung machen darf auf derlei Meriten. Mindestens aber hat er sich in eine gute Gladbacher Tradition gestellt, mit dem wohlplatzierten Schuss, dem eine ganz starke, fast gesamtmannschaftliche Kombination über 13 Stationen vorausging. Wie auch Christoph Kramer, der ebenfalls aus der Ferne traf, indes mit einem abgefälschten Ball. Kramer wie Plea haben schon in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Borussia in der Kategorie „Außerhalb des Strafraums“ Tore zugeschrieben bekam.

Aber: Tore aus der Ferne, für die es in Gladbach früher ausgesprochene Fachmänner gab, sind ein seltenes Vergnügen in der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart. In der Bundesliga-Saison 2015/16 gab es zehn Tore dieser Art, dann sieben, fünf, sieben – und in der vergangenen Spielzeit nur zwei: Pleas Freistoß in Mainz und Florian Neuhaus’ 40-Meter-Schuss gegen Mainz, das „Tor des Monats“ in diesem Januar. Weswegen zwei Fernschuss-Treffer in einem Gladbach-Spiel wie nun in Kiew ein statistischer Sonderfall sind.

Dass die Uefa Kramer das Tor nicht zugesteht, sondern als Eigentor wertet, wurmt ihn, doch seine Tat war dennoch wichtig. Denn mit Kramers und Pleas Treffern war das Spiel entschieden, sie brachten „aus dem Nichts“ das 2:0 und das 3:0 und entmutigten Donezk vollends, während sie Borussia regelrecht entfesselten. Das „Einfach-mal-draufhalten“, für das der einstige Viel-Fernschießer Bonhof stets plädiert, zahlte sich aus.

Dass das Stilmittel Fernschuss etwas zu kurz kommt in der borussischen Torproduktion der vergangenen Jahre, hat damit zu tun, dass die Gladbacher sich eher in den Strafraum kombinieren, um dann abzuschließen. Gerade bei Marco Rose ist die Präsenz in der „Box“ immer groß. Aber: In Donezk gab es ein kleines Fernschuss-Revival, das gerne ein wenig anregen darf für die Zukunft.

Dass den Fans Tore dieser Art gefallen, belegt die Tatsache, dass sie, wenn sie dann mal fallen, meist zum Borussen-Tor des Monats gewählt werden. Nun ja, und die Tor-Videos eines Juan Arango, dem letzten großen Weitschuss-Experten bei Borussia, schauen sich Gladbach-Freunde nach wie vor mit Hingabe an.