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Borussia Mönchengladbach weiß, wie der FC Bayern München zu packen ist

Sieg von 2019 doppelt lehrreich : Borussia weiß, wie die Bayern zu packen sind

Im Duell am Freitag können sich die Fohlen selbst ein Vorbild sein. Beim Sieg am 7. Dezember 2019 zeigten sie eine Halbzeit lang, wie es nicht funktioniert gegen den FC Bayern. Dann drehten die Gladbacher an einem denkwürdigen Tag das Spiel.

Die Bundesliga ist in Torlaune im 80er-Jahre-Stil. Mit 47 Toren in Spielen mit ihrer Beteiligung ist Borussia überdurchschnittlich unterwegs, doch keine Mannschaft treibt die Trefferzahl derart nach oben wie der FC Bayern. 44 selbst erzielte Tore nach 14 Spieltagen lassen aufhorchen, die 21 Gegentore aber ebenso. Zuletzt hatte der Rekordmeister zu diesem Zeitpunkt im Jahr 2008 unter dem damaligen Trainer Jürgen Klinsmann so viele kassiert. Da schießt nicht nur engen Beobachtern der Bayern ein „Oha!“ durch den Kopf.

„Wir gucken schon hin“, sagte Gladbachs Trainer Marco Rose, der allerdings genau weiß, dass er sich gerade vor einem direkten Duell mit defensiv bezwingbaren Bayern nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte. Und: Rose verwies darauf, dass seine Mannschaft ja ein Tor mehr gefangen habe als die Münchner. 19 eigene Treffer weniger sorgen für zwölf Punkte und sechs Tabellenplätze Rückstand. 2019 hatten die Fohlen nach 14 Spieltagen – und dem 2:1-Sieg gegen Bayern – schier unvorstellbare sieben Zähler Vorsprung, waren selbst Tabellenführer und die Bayern nur Siebter.

Auch, wenn ihm allzu forsche Aussagen im Nachgang auf die Füße fallen könnten, übertreibt es Rose nicht mit dem Respekt und der Demut. „Jedem ist bekannt, dass die Bayern sehr gerne sehr hoch verteidigen, weil es ihnen auch oft hilft, ihre Dominanz mit dem Ball zu unterstreichen“, sagte der 44-Jährige.

Die Chancen, die sich dadurch bieten, will er nutzen. Besonders mit Breel Embolo in vorderster Front hat Borussia Geschwindigkeitsvorteile. Werden die ausgenutzt, haben die Borussen aber immer noch Manuel Neuer vor sich, der aktuell zwar nie zu Null spielt, oftmals aber verhindert, dass sich seine Mannschaft drei oder vier Tore fängt. Gegen Mainz 05 am vergangenen Spieltag fror Neuer die Gegentorzahl mit starken Paraden bei zwei ein, im zweiten Durchgang machten die Bayern so aus einem 0:2 noch ein 5:2. Acht Rückstände in Folge haben die Münchner gedreht, ein Rekord.

Hansi Flicks Team wirkt verwundbar und unbesiegbar zugleich. Und bekommt es nun mit Gladbachern zu tun, die nach Führungen die meisten Punkte verspielt haben, aber auch schon zwölfmal geführt haben. Das ist Liga-Bestwert. Auf der einen Seite also die Verwundbaren und scheinbar Unbesiegbaren, auf der anderen die Fohlen, die jedem Gegner wehtun können und sich oft Schmerzen zufügen lassen in der Schlussphase.

Da wirkt ein Spielverlauf wie am 7. Dezember 2019 prädestiniert. Die Bayern gingen im Borussia-Park, der seine letzte Sternstunde vor Publikum erleben sollte, nach der Pause in Führung, verloren aber durch Ramy Bensebainis Elfmetertor in der Nachspielzeit. „In der ersten Halbzeit waren die Bayern sehr dominant und wir haben sehr wenig von dem auf den Platz bekommen, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben dann aber eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt“, erinnerte sich Rose. Die zweiten 45 Minuten waren von Mut geprägt, dem Lieblingswort des Trainers, wenn es gegen große Mannschaften geht, mit denen die Gladbacher sich messen.

In der Liga gab es gegen Borussia Dortmund und RB Leipzig eine Niederlage und einen Sieg, die größten Herausforderungen hatte die Champions League mit den vier Duellen mit Inter Mailand und Real Madrid zu bieten. „In drei Spielen haben wir es sehr ordentlich gemacht, in zwei waren wir kurz vor einem Sieg. In Madrid waren wir, das muss man zugeben, chancenlos“, sagte Rose. „Das kann dir gegen solche Mannschaften immer passieren, wenn du nicht die richtige Haltung findest, nicht frech genug bist und nicht mit dem Wissen auftrittst, dass du jeden Meter gehen musst.“

Welchen Unterschied der richtige Angang gegen den FC Bayern machen kann, hat Borussia sich vor gut einem Jahr selbst vorgemacht. Inklusive des ganz späten Siegtreffers durch Bensebaini in der 92. Minute, der ein Comeback der Comeback-Könige fast unmöglich machte. Sicher ist sicher.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So könnte Borussias Startelf gegen Dortmund aussehen