Borussia Mönchengladbach: Was Yann Sommer über seine Beförderung sagt

Borussias Vize-Kapitän : Sommer und der neue, alte Anspruch

Borussias Trainer Dieter Hecking hat seinen Torwart zum neuen Stellvertreter von Kapitän Lars Stindl ernannt. Dazu hat der Mannschaftsrat zwei neue Mitglieder – und ist im Schnitt fast 30 Jahre alt.

Niemand käme auf die Idee, Tobias Strobl als „Küken“ zu bezeichnen. Von den sechs Spielern im neuen Mannschaftsrat bei Borussia ist er mit 28 Jahren jedoch der jüngste – und einer von zwei Neuen. „Es ist natürlich schön, wenn man innerhalb der Mannschaft akzeptiert wird. Aber ich glaube nicht, dass sich für mich dadurch jetzt so viel verändern wird“, sagt Strobl zur Wahl seiner Mitspieler. „Schon zuvor habe ich Verantwortung innerhalb der Mannschaft übernommen.“

Das zweite neue Mitglied ist Ibrahima Traoré, der bislang aber auch nicht den demokratischen Vertrauensbeweis aus dem Kreis der Kollegen benötigte, um eine besondere Rolle im Kader einzunehmen. Der 30-Jährige gilt als Integrationsbeauftragter und Führungsfigur der zahlreichen französischsprachigen Borussia-Profis. „Alles muss von Respekt geprägt sein, in beide Richtungen. Ich kann nicht alles machen, was ich will, sondern muss die Jungen vielleicht noch etwas mehr respektieren“, sagte Traoré im Interview mit unserer Redaktion mal über seinen sozialen Stil.

Hände hoch, Mannschaftsrat! Tobias Strobl ist neu im Gremium. Foto: Dirk Päffgen

Manches ist Symbolik, manches ist vergleichbar mit der Klassensprecher-Wahl in der Schule. Doch es lässt sich auch etwas ablesen aus der leicht veränderten Zusammensetzung des Mannschaftsrates. Da wären zuerst die beiden, die nicht mehr dabei sind: Fabian Johnson und Christoph Kramer. In gewisser Weise ist Strobl der Johnson-Ersatz, vermutlich derjenige, den unter den Borussia-Fans die wenigsten richtig benennen würden bei der Frage nach den Mitgliedern des Mannschaftsrates. Strobl scheint aus der Rolle des Unterschätzten Kraft zu ziehen. Schließlich gehört er zu den Gewinnern der Vorbereitung. Kramer als Verlierer zu bezeichnen, wäre wohl zu viel gesagt. Eine Parallele zum Sportlichen, wo der Weltmeister von 2014 nach wie vor wichtig ist, sich aber strecken muss, gibt es dennoch. In der vergangenen Saison war Kramer als Nachfolger Christofer Heimeroths in den Mannschaftsrat gerückt.

Demokratisch gewählt ist der nur zu zwei Dritteln. An der Spitze hat Trainer Dieter Hecking entschieden. Dass Lars Stindl, 2016 noch von André Schubert bestimmt, im dritten Jahr in Folge Kapitän sein würde, hatte niemand bezweifelt. Auch sein neuer Stellvertreter, Yann Sommer, ist keine Überraschung, sondern logisch. „Yann ist ein Spieler, der noch mehr Verantwortung für die Mannschaft übernehmen soll“, sagt Hecking. „Das wollte ich zum Ausdruck bringen, indem ich ihm zum zweiten Kapitän ernannt habe.“ Ein weiteres Argument seien die starken Leistungen der Torhüters in der Bundesliga-Rückrunde und bei der WM gewesen.

Sommer selbst sieht die Entwicklung im Stile Strobls. Der Schweizer sagt: „Ich freue mich darüber. Viel wird sich nicht ändern, weil ich vorher schon probiert habe, ein Leader zu sein. Es ehrt einen, wenn man in so einem Klub die Binde tragen kann. Ich werde versuchen, Lars bis zu seiner Rückkehr gut zu vertreten.“ Am Sonntag im DFB-Pokal beim BSC Hastedt (Anpfiff 18.30 Uhr) kann er damit beginnen. Mindestens in den ersten beiden Bundesligaspielen dürfte Sommer die Borussen ebenfalls aufs Feld führen.

Trainer Hecking hat damit wohl auch die letzten Zweifel ausgeräumt, dass der Keeper bleibt, das „Stand jetzt“ kann weg. Sommer hat die Wechselgerüchte nach eigenen Angaben sowieso nicht groß beachtet. „Ich habe immer gesagt, dass das Sachen waren, über die man nicht sprechen musste“, beteuert er. „Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Ich bin hier, wir trainieren hart und bereiten uns auf die neue Saison vor.“

Im Schnitt ist der sechsköpfige Mannschaftsrat, dem zusätzlich Tony Jantschke und Oscar Wendt angehören, 29,9 Jahre alt. Youngster wie Nico Elvedi, Denis Zakaria oder Florian Neuhaus sieht Sommer noch nicht so sehr in der Pflicht, voranzugehen. „Wenn das einer der Jungen macht, ist es sehr willkommen. Aber wir machen ihnen keinen Druck“, sagt der 29-Jährige. „Sie sollen sich auf ihre Leistung konzentrieren können, und wir erfahrenen Spieler sind dafür verantwortlich, dass das auf und neben dem Platz funktioniert.“ Denn an der Fähigkeit, ständig die Qualität abzurufen, habe es Borussia in den vergangenen beiden Jahren gemangelt. „Natürlich gewinnst du dann nicht jedes Spiel. Aber wenn du es schaffst, immer nah an deine Leistungsgrenze heranzukommen, ist die Chance groß, dass du eine konstante Saison spielst“, sagt Sommer – und untermauert mit solchen Aussagen direkt mal seinen neuen, alten Anspruch.

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