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Borussia Mönchengladbach vor wichtigem Heimspiel gegen Hertha BSC.

Nach vier Punkten zum Auftakt : Hertha definiert Borussias Start richtig

3:1 gegen Hoffenheim, 2:2 auf Schalke – vier Punkte zum Auftakt sind in Ordnung für die Borussen. Doch wird erst das Spiel am Freitag gegen Hertha BSC den Start der Gladbacher in die neue Bundesliga-Saison richtig einsortieren.

Geht es nach Manager Roland Virkus und Routinier Christoph Kramer, dann machen die Borussen einfach so weiter wie bisher. „Ich bin mit dem Auftakt sehr zufrieden. So kann es weitergehen“, sagte Virkus nach dem 2:2 auf Schalke. 3:1 daheim gegen 1899 Hoffemheim, nun das Remis in Gelsenkirchen – Kramer hatte flugs errechnet, dass es „ein Zweierschnitt ist, das ist gut“.

Borussia ist nach drei Pflichtspielen unbesiegt, ist im Pokal eine Runde weiter und hat in der Liga zweimal nach einem Rückstand gepunktet. Auf Schalke indes war sie nach dem 2:1-Führungstor auf dem Weg zur Bundesliga-Tabellenführung, zumindest über Nacht. Diese Option war dahin, als Marius Bülter in letzter Minute per Elfmeter zum 2:2 für die Schalker traf. Ein Remis bei einem Aufsteiger nach später Führung – im Kontext der vergangenen Saison wäre das weit anders bewertet worden als jetzt. Aktuell ist die Stimmung aber eine andere, da wird eher erst mal das Positive gesehen.

„Perfekt wäre der Start mit sechs Punkten gewesen. So haben wir vier Punkte nach zwei Spielen. Für ein Team, das vergangene Saison länger im Abstiegskampf war, ist das eine gute Situation. Darum fahren wir trotz des späten Ausgleichs mit einer guten Stimmung nach Hause“, sagte Farke am Samstag.

Es ist indes anzunehmen, dass er und Virkus die vier Punkte als das Minimum dessen ansehen, was die beiden Startspiele hätten bringen sollen. Hoffenheim ist zwar ein unberechenbarer Gegner, doch sollte es der Anspruch Borussias sein, daheim gegen das Fußballprojekt aus dem Kraichgau zu gewinnen. Was schließlich auch souverän gelang. Dass ein Spiel beim Aufsteiger Schalke mit all seinen Emotionen seine Tücken hat, war zu erwarten, der Spielverlauf bestätigte das.

Nun kommt Hertha BSC. Wie 2019 nach einem Auswärtsspiel auf Schalke. Damals war Gladbach gerade der Darling der Liga, hatte sich mit dem neuen 4-3-3-System von Trainer Dieter Hecking und großem Mut in den Höhenlagen der Tabelle eingenistet. Hertha war gerade nach 120 Minuten gegen die Bayern aus dem Pokal geflogen, Borussia hatte neben dem sportlichen Hoch noch das klubeigene Hotel am Tag vor dem Spiel eingeweiht und konnte mit dem 13. Heimsieg in Serie einen neuen Vereinsrekord aufstellen. Doch die „alte Dame“ gab den Spielverderber und siegte 3:0 im Borussia-Park, es war ihr erster Sieg in Gladbach seit 2008. Gladbach brach hernach ein und verspielte die sicher geglaubte Champions-League-Teilnahme, landete aber immerhin noch in der Europa-League.

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Eine Niederlage gegen die Hertha, dafür aber eine Europa-Tour, wäre das ein fixer Deal, würden sie es in Gladbach vermutlich nehmen. Doch niemand garantiert, dass es so kommt, im Gegenteil. Vor drei Jahren war es der 21. Spieltag, nun ist es der dritte. Und wie die Hertha ist Borussia trotz des Vier-Punkte-Starts noch in der Findungs- und Stabilisierungsphase. Niederlagen gab es bisher nicht für Farke und sein Team, die Erfahrung nebst des Umgangs damit stehen noch aus. Es gerade gegen Hertha zu erleben, wäre womöglich gefährlich, zumal danach die Reise zu den Bayern ansteht. Dort haben die Gladbacher seit 2011 dreimal gewonnen, aber auch zweimal hoch verloren. Und mit einer Heimpleite im Kopf und Gepäck nach München zu kommen, das wäre noch fordernder als es sowieso sein wird.

Ein Heimsieg würde nicht nur den Druck vor dem Bayern-Spiel schmälern, er würde auch den Zähler auf Schalke noch mal aufwerten. Gehen auch gegen Hertha Punkte verloren, würde der in der Nachspielzeit verlorene Sieg indes noch mal schwerer wiegen. Und vier Punkte aus drei Spielen sind ein Schnitt von 1,33 Punkten. Das wäre nicht mehr gut, sondern mittelmäßig.

Farke hat nach dem Heimspiel gegen Hoffenheim von „unserem Wohnzimmer“ geschwärmt. Ur-Borusse Berti Vogts findet, dass die Gegner wieder mit mehr Respekt anreisen müssen, wenn sie nach Gladbach kommen, vergangene Saison habe sich Borussia zu viele Blößen im eigenen Stadion gegeben. Wieder echte Heimstärke hinzukriegen, das ist das Ziel der Borussen. Der saisonübergreifend vierte Heimsieg in Folge (3:1 gegen RB Leipzig, 5:1 und 3:1 gegen Hoffenheim) würde zudem die generelle Hochstimmung in Gladbach weiter befeuern.

Doch die Berliner werden, vermutet der Hertha-Experte des „Tagesspiegel“, Stefan Hermanns, in der aktuellen Ausgabe des Fohlenfutter-Podcasts, ein „ekliger Gegner“ sein. Ganz sicher ist es einer, den Borussia nicht unterschätzen darf trotz aller Berliner Missstände. Denn das Hertha-Spiel ist enorm wichtig für die Borussen – weil es den Saisonstart wirklich definiert.

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