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Borussia Mönchengladbach vor dem Derby in Köln: Nur ein Sieg hilft beiden Bundesliga-Klubs

Borussia in Köln : Das geschrumpfte Derby

Keine Fans und die Champions League – es gab Zeiten, da hatte das Köln-Spiel mehr Strahlkraft. Wichtig aber ist das Spiel beim Erzrivalen aufgrund der Situation allemal. Nur ein Sieg würde beiden wirklich helfen, im dritten Spiel in der Saison anzukommen.

Die Woche vor dem Derby hat begonnen. Samstag, 15.30 Uhr, ist es in Köln soweit, dann treffen sich die Borussen und ihr rheinischer Rivale. Es ist die Zeit, in der das Kribbeln kommt, die Spannung steigt und Nettigkeiten ausgetauscht werden zwischen den Fans beider Klubs. Doch in dieser Saison ist es mit dem Köln-Spiel doch ein wenig anders, schließlich ist zwei Tage zuvor die Gruppenauslosung, nach der feststehen wird, wer die Gegner sind in der Königsklasse. So wird in diesen Tagen wohl mehr darüber diskutiert, welche Gegner es gibt in Europa als über Köln. Das Derby schrumpft im Schatten der Königsklasse.

Nun werden sich Marco Rose die Nackenhaare aufrichten. Der Trainer mag es überhaupt nicht, wenn auch nur andeutungsweise der Eindruck entsteht, dass die Liga, der Alltag, der zugleich das täglich Brot des Fußballs ist, abgewertet wird zu Gunsten der Champions League.

Für Rose gibt es keinen Unterschied: ein Fußballspiel ist ein Fußballspiel und es soll gewonnen werden. Ob gegen Real Madrid, Manchester United, Bayern, Köln oder Oberneuland. Die dritte Teilnahme am Königsklassen-Format soll daran nichts ändern. Magische Nächte sind schön, aber die Liga und der Pokal sind auch wichtig. Das eine ernst nehmen wie das andere, das ist die Botschaft.

Dennoch: Die Fieberkurve vor dem Köln-Spiel ist in einer Saison, in der kurz vor dem Derby das Thema Europa aufkommt, weniger steil als sonst. Wie 2015, als die Gladbacher in den Tagen vor dem Derby beim FC Sevilla 0:3 verloren, da musste erstmal dieses Schreckerlebnis verarbeitet werden. Köln war nur eine Randerscheinung Dass ausgerechnet nach dem Derby dann Lucien Favre seinen Rücktritt erzwang, gab der Geschichte eine besondere Note.

Derlei Schreckensgeschichten sind am Samstag nicht zu erwarten. Denn zum einen ist am Donnerstag in Nyon allein die Auslosung der Gruppenphase, das wird allenfalls Diskussionen über die eventuellen Chancen in der dann vorhandenen Gruppe auslösen. Der Umschaltmoment ist da nicht so problematisch wie im Fall eines Champions-League-Spiels. Dennoch: Gedanklich ist nicht, wie in früheren Jahren, alles auf Köln ausgerichtet.

Die aktuelle Situation in der Bundesliga jedoch verleiht dem Spiel in Köln dann doch wieder eine besondere Stellung. Denn beide Klubs sind nach zwei Ligaspielen noch sieglos und wollen unbedingt den ersten Saisonsieg bewerkstelligen. Köln hat noch keinen Punkt, Borussia erst einen, das hatten sich beiden anders vorgestellt. Und nur ein Sieg würde beiden wirklich helfen, im dritten Spiel in der Saison anzukommen.

Die Kölner haben keine Ablenkung, sie können sich ganz fallen lassen in die Vorbereitung auf das Spiel gegen die Borussen, die in der vergangenen Saison 1:0 im Kölner Stadion siegten. Doch Rose wird dafür sorgen, dass in den Gedanken seiner Spieler auch nichts die Konzentration auf Köln vernebelt. Die Königsklassen-Konstellation wird kurz ein Thema sein, dann ist der Fokus auf Köln gerichtet.

Doch findet das Derby nicht nur im Schatten der Königsklassen-Auslosung statt, sondern auch im Schatten der Corona-Krise. Die Frage ist, ob Zuschauer dabei sein können oder nicht. Beim ersten Saisonspiel der Kölner gegen 1899 Hoffenheim durften kurzfristig wegen der Corona-Infektionszahlen keine Fans ins Stadion. Wie es nun beim Derby wird, hängt von den aktuellen Corona-Zahlen ab.

Am Montag lag die Inzidenzzahl laut des Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen bei 34. Steigt er über 35, wird es erneut ein Geisterspiel geben. Ansonsten wären rund 10.000 Fans dabei, das entspricht 20 Prozent des Fassungsvermögens des Kölner Stadions. Eine normale Stimmung mit allen Begleiterscheinungen wird es am Samstag so oder so nicht geben. Auch darum ist es ein geschrumpftes Derby.