Borussia Mönchengladbach: Vincenzo Grifo wollte gehen

Grifo und Bobadilla gehen: Borussias „Plan G“ und „Plan B“ sind gescheitert

Vincenzo Grifo und Raúl Bobadilla verlassen Borussia beide nach nur einer Saison – aus verschiedenen Gründen. Die ersten Transfereinnahmen des Sommers vergrößern den Spielraum für Max Eberl.

Auf dem Rasen gilt Vincenzo Grifo als Instinktfußballer, und man kommt nicht umhin, in der Schnelligkeit seines Weggangs von Borussia Züge dieses Instinkfußballers zu erkennen. „Ich will den Leuten hier zeigen, was ich kann“, hatte Grifo vor vier Wochen nach dem letzten Spieltag gesagt. Rückblickend wirkt die Aussage wie ein Lippenbekenntnis.

Womöglich wäre Grifos Wechsel zu 1899 Hoffenheim schon schneller über die Bühne gegangen, wenn nicht die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Vanessa und die Flitterwochen auf Mallorca bevorgestanden hätten. Gestern hat Grifo zum zweiten Mal nach 2012 in Hoffenheim unterschrieben, die Signatur ebnet ihm den Weg in die Champions League.

Borussia soll der Transfer eine Ablöse im Bereich von acht Millionen Euro einbringen. Vor ein paar Tagen wäre das noch unter Grifos Marktwert auf dem Portal transfermarkt.de gewesen. Doch zuletzt wurde der 25-Jährige nach seinem enttäuschenden Jahr von zehn auf 7,5 Millionen heruntergestuft. Dank einer Ausstiegsklausel hatte Gladbach ihn für sechs Millionen vom SC Freiburg loseisen können. Man kann es so zusammenfassen: Inklusive Gehalt war Grifo wirtschaftlich ein Nullgeschäft.

Grifo geht zurück in die „Heimat“

Eine Null steht auch in seiner Torbilanz. Am nächsten kam er einem Erfolgserlebnis beim 3:1 in Hoffenheim, als er den Ball an den Pfosten schlenzte. Hätte Grifo das Niveau jenes Nachmittages konstant abgerufen, hätte Trainer Dieter Hecking nie gezögert, die Offensivqualitäten des Italieners über seine defensiven Defizite zu stellen, vermutlich hätten sich diesen Sommer Vereine eines ganz anderen Kalibers gemeldet und Grifo wäre jetzt italienischer Nationalspieler.

Doch an die Leistung in Hoffenheim reichte er nicht mehr heran. Und so geht Grifo als eines der größten uneingelösten Versprechen der vergangenen Jahre. Nach Informationen unserer Redaktion war es der Spieler selbst, der sich nach nur 17 Einsätzen verändern wollte. Konkrete Vorfälle, gar irgendwelche Eklats, die einen Abgang forciert hätten, soll es nie gegeben haben. Vermutlich war es am Ende wirklich der Instinkt, der Grifo zurück nach Baden zog. „Ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich darauf brenne, hier in der Nähe meiner Heimat in der neuen Saison anzugreifen“, sagt der gebürtige Pforzheimer.

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„Wir sind überzeugt davon, ihm ein Umfeld bieten zu können, in dem er wieder auf sein Topniveau kommt“, wird Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen in der offiziellen Vollzugsmeldung zitiert. Vor sechs Jahren, als er selbst noch Nachwuchsleiter war, hatte er Grifo aus der Jugend des Karlsruher SC geholt. Zwar feierte Grifo in Hoffenheim sein Bundesligadebüt, doch der Durchbruch ließ auf sich warten. Nach anderthalb Jahren wurde er an Dynamo Dresden verliehen, ein halbes Jahr später an den FSV Frankfurt, wo er erstmals voll überzeugte, ein Jahr später verpflichtete ihn der SC Freiburg, zwei Jahre später Borussia. Vielleicht findet Grifo nun langfristiger sein Glück in Hoffenheim.

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Ein weiterer Borusse hat den Klub gestern verlassen. Raúl Bobadilla wechselt nach zwölf Jahren in Europa bei sieben verschiedenen Vereinen in drei Ländern zurück in seine Heimat Argentinien. In Gladbach war „Boba“ am längsten, am häufigsten und am glücklichsten – nur vor dem Tor nicht am erfolgreichsten. Von 2009 bis 2012 lag das noch vor allem an ihm und seinen Eskapaden.

Die Geburt seines Sohnes hat ihn dann geradezu vom einen Tag auf den anderen erwachsen werden lassen. Nach der Rückkehr vom FC Augsburg verhinderten vor allem mehrere Verletzungen, dass „Plan B“ funktionierte. Bis 2021 „büffelt“ Bobadilla in Buenos Aires. Für die Boca Juniors und das legendäre „Bombonera“ hat es nicht mehr gereicht, dafür läuft er künftig für die Argentinos Juniors im Estadio Diego Armando Maradona auf. Gut eine Million Euro dürfte sein Verkauf einbringen.

 Die ersten Transfereinnahmen des Sommers vergrößern Borussias Möglichkeiten. Theoretisch wäre die Forderung von Hannover 96 für Niclas Füllkrug erfüllbar. Die Frage ist, wie weit Gladbach gehen würde. Denn auch wenn es gestern ein Ketchupflaschen-Tag war (erst kam lange nichts, dann alles auf einmal), könnte es noch ein langer und ereignisreicher Sommer werden.

(jaso)