Borussia Mönchengladbach: Vincenzo Grifo sollte sich durchbeißen

Borussias Italiener ist begehrt: Grifo - „Xhaka-Effekt“ statt Abflug

Vincenzo Grifo ist in seiner ersten Saison noch nicht richtig bei Borussia angekommen. Nun wird spekuliert, dass er nach nur einem Jahr wieder geht. Aktuell wird er mit 1899 Hoffenheim in Verbindung gebracht. Er sollte aber bleiben.

Wer sich durch den Instagram-Account von Vincenzo Grifo klickt, sieht einen zufriedenen Menschen. Die Bilder zeigen den italienischen Borussen mit seiner jüngst Angetrauten, Vanessa, „mein Alles“, wie Grifo unter einem Foto der Welt mitteilt. Der 25-Jährige ist privat angekommen - beruflich indes nicht so recht. Seine erste Saison als Borusse war für ihn ebenso unbefriedigend wie für seinen Arbeitgeber.

Borussia hoffte, einen Kreativling mit hohem Torfaktor aus Freiburg geholt zu haben, doch seine Bilanz ist dünn: Nur 18 Pflichtspieleinsätze und vier Torvorlagen, das war es. Nur einmal zeigte Grifo wirklich alles, das war beim 3:1-Sieg bei 1899 Hoffenheim. Da tanzte der Italiener Samba mit dem Champions-League-Teilnehmer, das war der Grifo, wie man ihn sich wünscht: ein Straßenkicker, ungezähmt, intuitiv, einfallsreich, aber auch organisiert und produktiv. Diesen Grifo muss es künftig in Gladbach öfter geben.

Aber: Bleibt er Borusse? Denn Grifo ist derzeit nicht nur bei seiner Vanessa besonders begehrt, sondern offenkundig auch bei vielen anderen Vereinen. Erst war es Werder Bremen, dann meldete Hannover 96, dass der Feintechniker Priorität A genieße auf der Zukaufsliste, dann gab es Gerüchte um den AC Florenz und Lazio Rom. Schließlich heißt es, dass Hoffenheim, wo er schon  spielte, an einer Rückholaktion interessiert sei. Zudem soll auch Hertha BSC Berlin darüber nachdenken, den Italiener ins Visier zu nehmen.

Laut Informationen des „Kicker“ hat Grifo nicht die Ambition, es weiter bei Borussia zu versuchen. Seine Tendenz soll tatsächlich in Richtung Kraichgau gehen. Dort könnte er auf der ganz großen Bühne namens Meisterliga tanzen, das ist klar. Und da Grifo durchaus den Anspruch hat, mal für die italienische Nationalmannschaft zu spielen, kann eine große Bühne recht hilfreich sein.

Grifo selbst hatte indes in den letzten Trainingstagen nach Saisonende noch ausführlich beteuert, dass er auf die Liebe auf den zweiten Blick hofft in Mönchengladbach und sich durchsetzen wolle bei Borussia. „Ich will den Leuten hier zeigen, was ich kann“, sagte Grifo im Gespräch mit unserer Redaktion. Möglich, dass er seine Meinung geändert hat und doch weg will.

Es wäre aber nicht gut, wenn Grifo geht. Nicht für ihn, denn das würde den Eindruck vermitteln, er würde flüchten vor der Situation, ohne wirklich versucht zu haben, sie zu ändern. Aus Borussias Sicht bliebe der Makel, dass Grifos Potenzial nicht ausgeschöpft wurde. Die Gedanken an Nico Schulz kämen hoch, der aufgrund der Perspektivlosigkeit ebenfalls zu Hoffenheim wechselte und dort zuletzt groß aufspielte.

Darauf, dass Borussia Grifo am liebsten gehen lassen würde, gibt es keine konkreten Hinweise. Klar ist aber auch, dass der Klub sich von der Grifo-Geschichte mehr erhofft hatte. Doch seine Qualitäten - Dribblings, Standards, Torvorlagen, auch Fernschüsse, eine gute Portion Emotion, zudem Spielfreude - können Gladbach helfen, insbesondere, weil ein guter Grifo einer sein kann, der ein Spiel um sehenswerte Elemente bereichert. Weswegen Trainer Dieter Hecking den Versuch unternehmen sollte, Grifo hinzukriegen und damit die brachliegende Qualität herauszuarbeiten.

Ein weiterer Aspekt spricht gegen einen Grifo-Verkauf: Thorgan Hazard ist ebenfalls begehrt und angesichts Sachlage ist ein Verkauf den Belgiers wahrscheinlich, schließlich bietetn ihn sein Berater und seine familie vor allem in Spanien sehr aktiv an. Für Grifo, der wie Hazard und trotz seines rechten Fußes vor allem links spielt, wäre dann der Weg quasi frei.

Sollte er indes unbedingt gehen wollen (unzufriedene Spieler zu halten, macht letztlich auch wenig Sinn), dann sollte es schon eine zweistellige Millionensumme sein, die er einbringt. Borussia hat, dank einer Ausstiegsklausel, im Sommer 2017 sechs Millionen Euro bezahlt und ihn nun in diesem Preissegment an einen Konkurrenten abzugeben, wäre seltsam.

Grundsätzlich aber muss für alle in der Causa Grifo das Ziel sein, auf den „Xhaka-Effekt“ setzen. Auch der Schweizer brauchte Zeit, um richtig anzukommen und ein wichtiges Element im Gladbacher Spiel zu werden. Was die Zukunft angeht, kann man nur sagen: „Vince“, werde Granit und beiß’ dich in Gladbach durch.

(kk)
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