Borussia Mönchengladbach: Viermal im Schweizer Kader für WM 2018

Borussia-Quartett zur WM : Die Schweiz mit hohem Gladbach-Faktor

Eine Überraschung ist es nicht mehr gewesen, aber seit Montag offiziell: Sieben Borussen fahren zur Weltmeisterschaft nach Russland. Vier bei den Eidgenossen, jeweils einer für Deutschland, Belgien und Dänemark. Das sind so viele wie nie zuvor.

Deutschland Matthias Ginter gehört wie 2014 zum DFB-Aufgebot. Er ist der 15. Borusse, der für Deutschland bei einer Weltmeisterschaft mitspielt. Im deutschen Aufgebot, das Bundestrainer Joachim Löw am Montagvormittag fix benannte, ist Ginter der erfolgreichste Spieler. 2014 wurde er Weltmeister, 2016 gewann er die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen und 2017 den Confed-Cup. „Ich habe nach meiner Ansicht in der Vorsaison alles gegeben, um hier dabei zu sein“, sagte Ginter während des Trainingslagers in Eppan. Alle 37 Pflichtspiele machte er in der vergangenen Saison mit, war Führungsspieler und fünfmaliger Torschütze, hinzu kommt seine große Flexibilität in der Defensive – mit all dem qualifizierte er sich für die erhoffte Russland-Reise.

Schweiz Dass Borussia und die Schweiz gute Beziehungen pflegen, ist bekannt. So überrascht es nicht, dass das Aufgebot von Nati-Trainer Vladimir Petkovic einen hohen Gladbach-Faktor hat. Viereinhalb Borussen sind, wenn man so will, dabei, schließlich ist Granit Xhaka ja am Niederrhein zu dem Anführer gereift, der er heute ist. Neben Xhaka, der jetzt für den FC Arsenal in London spielt, hat Petkovic vier aktuelle Borussen nominiert: Torhüter Yann Sommer, Verteidiger Nico Elvedi, Sechser Denis Zakaria und Stürmer Josip Drmic. Für Sommer ist es die erste WM als Nummer eins. Zum zweiten Mal nach der EM 2004 ist ein Borusse der erste Mann im Schweizer Tor, damals war es Jörg Stiel. Einen Borussen als Nummer eins bei einer WM gab es auch schon: Das war 2006 der US-Amerikaner Kasey Keller.

Drmic ist von den sieben Gladbacher WM-Fahrern der mit der meisten Erfahrung. Vier Einsätze mit insgesamt 251 Minuten Spielzeit und zwei Assists stehen in seiner Vita, das alles hat er 2014 eingesammelt bei seiner ersten WM-Teilnahme. Siege gegen Ecuador (2:1) und Honduras (3:0) gab es damals, und Niederlagen gegen Frankreich (2:5) und dann im Achtelfinale gegen Argentinien (0:1 nach Verlängerung). Nun geht er als Back-up für Haris Seferovic ins Turnier, als solcher war er auch gegen Spanien beim 1:1 am Sonntag unterwegs.

Denis Zakaria ist bei seiner ersten WM der dritte Mann für die Schweizer Doppelsechs. Dass er zumindest in einem der drei Vorrunden-Spiele zum Einsatz kommt, ist nicht unwahrscheinlich, nicht völlig absurd ist auch der Denkansatz, dass Petkovic in der Zentrale auf „Xhakaria“ setzt, also auf das Miteinander von Xhaka und Zakaria. Das gab es schon in den WM-Play-offs gegen Nordirland, als Zakaria Valon Behrami ersetzte. Nun gegen Spanien spielte er anstelle des zuvor angeschlagenen Xhaka. Nico Elvedi dürfte wie 2016 als Lehrling dabei sein, er gilt als Mann für die Zeit nach der WM.

Belgien Die „goldene Generation“ hat es Thorgan Hazard nicht leicht gemacht. Mit inzwischen 25 Jahren nimmt der Belgier nun an seinem ersten großen Turnier teil. 2014 hatte der Titel „Fußballer des Jahres“ in Belgien nicht fürs Ticket gereicht, 2016 der Sprung zum Stammspieler bei Borussia plus Qualifikation für die Champions League ebenso wenig. „Als Kind war es ein großer Traum, jetzt würde ich eher von einem Ziel sprechen, diese WM zu spielen“, hatte Hazard vorab gesagt und sich Feinheiten in der Wortwahl vorab als Gladbacher Topscorer verdient (wenngleich noch viel mehr Treffer drin gewesen wären). Bei Belgien, das mehr sein will als ein Geheimfavorit vergangener Turniere, ist Hazard weder erste Wahl noch erster Joker. Aber er wird in der Vorrunde ganz sicher seine Minuten bekommen. Panama, Tunesien und England heißen die Gegner.

Dänemark Jannik Vestergaard ist in seiner Kindheit stets zweigleisig gefahren, seine Schwester Anna hat es bereits 2014 auf Instagram dokumentiert. „Deutschland: Mach mich stolz!“, schrieb sie damals unter ein Foto, das zu diesem Zeitpunkt auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte. Darauf legt der große Bruder (mit Deutschland-Fahne auf dem Bauch) beim Fußballgucken den Arm um seine Schwester (mit Deutschland-Fahne auf den Wangen). Vestergaard wurde 1992 als Sohn einer deutschen Cellistin und eines dänischen Pianisten in Kopenhagen geboren – kurz zuvor hatte Dänemark sensationell den EM-Titel gewonnen. Daran anknüpfen konnten die Skandinavier seitdem nicht mehr, höchstens der Viertelfinal-Einzug bei der WM 1998 bedeutete ein Zwischenhoch. Bei seinem ersten bewusst erlebten Turnier konnte Vestergaard im weiteren Verlauf nicht wie so oft umschwenken auf sein Zweitteam – Deutschland schied ebenfalls im Viertelfinale aus. Und diesmal zählt ohnehin nur „Danish Dynamite“.

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