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Borussia Mönchengladbach: Verteidiger Nico Elvedi im Interview

Borussias Elvedi im Interview : „Ich bin nicht der Typ, der dreckig spielt“

Verteidiger Nico Elvedi spricht über das Hauptziel der Borussen, ein Novum in seiner Karriere, Goldsteaks und seine Vorfreude auf die EM.

Herr Elvedi, Matthias Ginter hat mit seinem Treffer gegen Hoffenheim gleichgezogen im internen Torjäger-Rennen der Innenverteidiger.

Elvedi (lacht) Das stimmt, er hätte ja sogar vorbeiziehen und nochmal treffen können. Es ist auch immer schön, wenn man als Verteidiger Tore schießen kann. Aber mein Ziel ist es gar nicht, gegen ihn anzutreten.

Was ist dann das Ziel?

Elvedi Spiele zu gewinnen. Mehr gibt es bis jetzt noch nicht. Wir sind gut mit dabei, auch wenn Leverkusen näher rangekommen ist. Aber wir bleiben locker, haben ja auch gegen Hoffenheim ein gutes Spiel gemacht, dass wir eigentlich gewinnen müssen. Das bringt uns nicht vom Weg ab, wir sind gut drauf. Ich bin überzeugt, dass wir die nächsten Spieler wieder erfolgreich bestreiten.

Also ist das Team gefestigt?

Elvedi Das denke ich auf jeden Fall, das hat man auch schon nach der Niederlage auf Schalke gesehen. Da haben wir uns nicht von beeindrucken lassen und danach kamen gute Ergebnisse.

Dann kann die Champions League doch eigentlich nur das Ziel sein?

Elvedi Wenn man so gut mit dabei ist wie wir, dann schaut man sicher auf die Champions-League-Plätze, klar. Aber es wird nicht einfach, unsere Konkurrenten sind alle richtig stark. Wir müssen weiter konstant unsere Leistungen abrufen und Spiele gewinnen, dann werden wir sehen, wofür es reicht.

Schauen Sie eher nach oben auf die ersten drei Plätze oder nach unten auf Leverkusen?

Elvedi Am besten nur auf uns. Wir müssen schauen, dass wir unsere Leistungen bringen und so erfolgreich wie möglich sind. Wir gucken da gar nicht nach links oder rechts, vorne oder hinten. Wenn wir unser Maximum erreichen, ist alles möglich.

Borussia hat in der Liga mit RB Leipzig die wenigsten Tore kassiert. Sind Sie Teil der besten Defensive der Bundesliga?

Elvedi Ich finde schon, dass wir sehr stabil sind, dazu gehören aber nicht nur die Verteidiger und der Torwart. Die ganze Mannschaft arbeitet gut gegen den Ball, auch gegen Hoffenheim haben wir fast gar nichts zugelassen. Es fühlt sich gut an, wir verstehen uns als Mannschaft prima und so kommt dann auch dieses Ergebnis zustande.

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Aber zu Null spielt Gladbach nicht ganz so häufig, bislang sechsmal in dieser Saison.

Elvedi Das stimmt allerdings. Wir nehmen uns natürlich vor, die Null zu halten, was zuletzt nicht mehr gelang, aber dennoch haben wir eine große Stabilität in unserer Mannschaft.

Gegen Hoffenheim hatte das eine Gegentor große Auswirkungen. Und Verteidiger definieren sich ja im Gegensatz zu Stürmern, die sich an Toren messen können, über solche Themen.

Elvedi Das ist wahr, aber man kann nicht immer alles verteidigen und natürlich ist es ärgerlich, dass wir dieses Tor noch kassiert haben. Das war gerade deswegen doppelt bitter, weil wir selbst viele Chancen hatten und schlussendlich doch noch wegen einer Situation nur einen Punkt mitgenommen haben.

Sind Sie dann jemand, der in solchen Situationen auch mal beispielsweise die Fußballschuhe durch Kabine tritt, weil er sich so sehr ärgert?

Elvedi Dafür bin ich nicht der Typ. Innerlich bin ich da schon sehr genervt, aber auch nur in dem Moment nach dem Spiel. Ich beruhige mich schon auch immer recht schnell.

Bekommt nie mal jemand oder irgendwas Ihren Frust zu spüren?

Elvedi Ich werde nicht laut, sondern diskutiere vielleicht mal mit anderen Spielern, was wir hätten besser machen können. Ich fluche auch nicht. Da habe ich mich gut unter Kontrolle.

Auf dem Platz sind Sie aber, so ist unser Eindruck, lauter geworden. Stimmt das?

Elvedi Ich versuche natürlich auch verbal der Mannschaft zu helfen und sie zu pushen. Ich habe da einen Schritt nach vorne gemacht, es geht aber noch besser.

In Leipzig haben Sie auch eine Gelbe Karte wegen Meckerns bekommen.

Elvedi (lacht) Das war das erste Mal in meiner Karriere. Das war aber gar nicht groß verbal, ich habe mich einfach richtig aufgeregt über die Karten, die wir da bekommen haben. Ich finde einfach, dass es wichtig ist, dass man als Verteidiger auch mal den Mund aufmacht, das gibt den Mitspielern vor uns auch Sicherheit.

Es heißt ja auch, Verteidiger müssen ein wenig dreckig sein

Elvedi Dass ich das bin, würde ich nicht sagen. Ich bin nicht der Typ, der dreckig spielt. Ich will meine Zweikämpfe gewinnen, und das auf eine faire Art und Weise, und ich denke, dass mir das zuletzt ganz gut gelungen ist.

Auch in Sachen Passspiel sind Sie recht gut unterwegs, Ihre Quote angekommener Zuspiele gehört immer zu den besten in der Liga.

Elvedi Ich glaube, dass ich der Mannschaft auch in dieser Hinsicht gut helfen kann. Wenn Verteidiger gut und sicher aufbauen können, tut das allen gut. Es ist aber nicht so, dass ich immer den sichersten Pass wähle, sondern den bestmöglichen.

Borussia hat zuletzt mal mit der Dreierkette gespielt und mal mit der Viererkette. Was gefällt Ihnen besser?

Elvedi Ich finde beides sehr interessant. Mit der Dreierkette spielen wir etwas riskanter mit den Flügelspielern, die schon sehr offensiv sind. Es ist schwierig zu sagen, was ich besser finde, das kommt auch auf den Gegner an. Ich fühle mich aber in beiden Systemen sehr wohl. Am meisten Spaß macht aber immer das System, mit dem der Gegner nicht klarkommt.

Wie würden Sie Borussia mittlerweile einordnen? Ein Überraschungsteam ist sie ja eigentlich nicht mehr in der Bundesliga …

Elvedi Als gestandene Bundesliga-Mannschaft, die Ambitionen hat und die was erreichen will, aber nicht groß sagt, dass sie um Titel spielt. Unser Anspruch sollte sein, bei den oberen Klubs mit dabei zu sein. Es gibt aber schon noch Unterschiede zu Dortmund oder Bayern beispielsweise.

Florian Neuhaus hat zuletzt bei uns im Interview klar gesagt, dass er Titel in seiner Karriere gewinnen möchte und sieht Borussia als einen Ort an, wo er das schaffen könnte.

Elvedi Es gibt immer wieder Überraschungen, Leicester City ist vor einigen Jahren auch in England Meister gewinnen. Ich will auch Titel gewinnen, das möchte doch jeder Fußballer eigentlich. Aber es wäre nicht richtig, wenn wir jetzt sagen würden, dass wir Meister werden wollen. Das wäre auch nicht gut für Borussia.

Ist es wahrscheinlicher, mit Gladbach einen Titel zu holen oder mit der Schweizer Nationalmannschaft?

Elvedi (überlegt lange) Bei Borussia gibt es mehrere Chancen, deswegen würde ich sie wählen.

Und mit welcher Mannschaft zuerst? Sie haben in diesem Jahr noch zwei Chancen mit der Meisterschaft und der EM im Sommer.

Elvedi (lacht) Das stimmt, aber das sind beides sehr, sehr schwer zu erreichende Titel. Ich will jetzt aber auch gar nicht groß darüber sprechen. Natürlich ist das ein Traum, aber das ist noch weit weg und wir wollen uns auf die nächsten Spiele konzentrieren.

Es gibt bei Borussia mit der „French Connection“ eine Art Team im Team. Zu welcher Gruppe gehören Sie eigentlich?

Elvedi Ich bin in keiner speziellen Gruppe, ich bin da neutral.

Wie die Schweiz …

Elvedi (lacht) Genau, ich verstehe mich mit allen gut und ich finde es wichtig, dass nicht allzu sehr Grüppchen entstehen und auch jeder mit jedem spricht. Ich beherrsche ja auch kein Französisch, sondern verstehe nur ein wenig.

Mit wem verstehen Sie sich besonders gut im Team?

Elvedi Mit Laszlo Bénes mache ich viel, wir haben uns im Winterurlaub in Dubai auch zum Essen im Steakhaus getroffen. Er mit seiner Freundin und ich mit meiner. Es ist nur so, dass seine Lebensgefährtin nun zu ihm gezogen ist und meine Freundin ja noch in Zürich studiert. Deswegen hat er nicht mehr so viel Zeit. Deswegen mache ich viel mit Aaron Herzog aus der U23, er hat keine Freundin.

Sie haben in Dubai kein Goldsteak gegessen …

Elvedi Nein, das habe ich mich nicht getraut. Ich finde zwar, dass jeder machen kann, was er will, und wenn er ein Goldsteak essen will, soll er das machen. Ich bin nicht der Typ dafür und weiß auch, was das für Reaktionen hervorrufen könnte. Mir geht es um Geschmack, wenn ich essen gehe, und ein Goldsteak schmeckt sicher nicht besser als ein normales.

Denken Sie, es gibt eine Neidkultur, wenn so etwas kritisiert wird?

Elvedi Das denke ich schon, ja. Da gibt es auch keine Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz. Dort gibt es dann auch Menschen, die Kritik ausüben.

Am vergangenen Wochenende gab es auch Probleme im Borussia-Park, als einige Fans beleidigende Banner gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ausgebreitet haben. Wie war die Situation für Sie?

Elvedi Das war eine Aktion, die gar nicht geht. Das war auch schade für das Spiel, weil es dadurch eine lange Unterbrechung gab. Ich hoffe, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird.

Es gibt die Diskussion, ob Spiele nach solchen Aktionen abgebrochen werden müssen. Es gibt auch Vorfälle mit rassistischen Beleidigungen. Würden Sie bei solchen Vorfällen das Spielfeld verlassen, wie es einige bereits angekündigt haben?

Elvedi Borussia hat sich dazu entschlossen, vom Platz zu gehen, wenn nochmal so etwas passiert, um ein Zeichen zu setzen. Ich wäre auf jeden Fall dabei.

Wird der Fußball zu sehr genutzt, um politische Botschaften auszusenden?

Elvedi In erster Linie sollte der Fußball dazu da sein, um Spaß zu vermitteln, den Wettkampf und alles, was den Fußball als Sport ausmacht. Es soll den Fans gefallen und sie sollen ihn nicht missbrauchen, um politische Botschaften abzusondern. Ich denke, die Zuschauer gehen schließlich ins Stadion, um ein tolles Spiel zu sehen.

Tolle Spiele soll es auch bei der EM im Sommer geben.

Elvedi Darauf freue ich mich schon sehr, zumal es das erste Turnier werden könnte, in dem ich regelmäßige Einsatzzeiten bekomme. Da schaut ganz Europa drauf und ich kann es kaum erwarten, dass die EM beginnt.

Ist die Schweiz vergleichbar mit Borussia in der Bundesliga?

Elvedi Das kann man schon, wir haben auch mit der Nati große Ambitionen. Wir wollen die Gruppenphase überstehen und wenn wir gut drauf sind, ist alles möglich. Wenn wir das Viertelfinale erreichen würden, wäre das aber schon sehr ordentlich.

Wie geht es danach für Sie weiter? Es gibt immer wieder mal Wechselgerüchte um Sie …

Elvedi Ich fühle mich sehr wohl in Gladbach und habe noch einen Vertrag. Deswegen spiele ich Stand jetzt auch in der nächsten Saison bei Borussia. Es kann im Fußball immer alles passieren und schnell gehen, aber so lange ich mich derart wohlfühle, gibt es keinen Grund zu wechseln.

Gab es mittlerweile Gespräche über eine Verlängerung Ihres Vertrages?

Elvedi Nein, die gab es noch nicht.

Gibt es denn einen Klub, bei dem Sie unbedingt mal spielen wollen?

Elvedi Wenn ich wechseln sollte, müsste es auf jeden Fall ein Schritt nach vorne sein, eine absolute Top-Mannschaft.

Nach der Entwicklung von Borussia ist aber gar nicht mehr so viel Luft nach oben …

Elvedi Ein paar Teams gibt es da schon noch, auch wenn sich Borussia richtig gut entwickelt hat in den vergangenen Jahren. Es gibt aber keinen Verein, von dem ich träume. Derzeit freue ich mich einfach, bei Gladbach zu sein.