Borussia Mönchengladbach versinkt nach 0:0 in Mainz im Niemandsland der Tabelle

0:0 in Mainz: Borussia versinkt im Niemandsland der Tabelle

Borussia wollte mit dem Spiel bei Mainz 05 den großen Schlussspurt dieser Saison einläuten. Das ist misslungen. Beim Abstiegskandidaten gab es trotz der Rückkehr einiger Schlüsselspieler nur ein unbefriedigendes 0:0.

Die Gladbacher schafften es nicht, den Gegner entscheidend zu belämmern, weil das eigene Spiel zu wenig strukturiert war. Damit ist der Abstand zu Platz sieben und 1899 Hoffenheim auf fünf Punkte gewachsen. Der Glaube an die kleine Restchance auf Europa schwindet mehr und mehr.

Trainer Dieter Hecking beorderte im Vergleich zum 3:3 gegen 1899 Hoffenheim vor der Länderspielpause drei neue Männer in die Startformation. Jannik Vestergaard, der nun doch keinen Mittelfußbruch hat, kehrte in die Abwehrreihe zurück, Christoph Kramer ins defensive Mittelfeld und Raffael in den Angriff. Neu auf der Bank war zudem Rückkehrer Laszlo Bénes. Das Spielsystem indes war das, das die Gladbacher auch gegen Hoffenheim aufgeführt hatten: ein 3-1-4-2, diesmal mit Kramer als einzigem Sechser, zwei vorgezogenen Außenverteidigern und Lars Stindl und Michal Cuisance als Achter. Raffael bildete mit Thorgan Hazard das Angriffsduo.

Doch ein System ist immer nur so gut, wie es interpretiert wird. Hecking wollte mit dieser Formation mehr Aktionen in Strafraumnähe heraufbeschwören — und in Raffael war dann auch der große Inspirator des Borussen-Spiels zurück im Team. Gegen Hoffenheim hatte der Brasilianer, nun 33 Jahre alt, sein Comeback gefeiert und bereits gezeigt, wie wichtig er ist, als er das 3:3 durch Matthias Ginter vorbereitete. In Mainz war er es auch, der den ersten Torschuss abgab. Nach zehn Minuten zielte er nach Herrmanns Hereingabe aber am langen Pfosten vorbei. Es war aber spürbar, dass der "Maestro" lange ohne Spielpraxis war — richtig rund lief es nicht bei ihm.

Es galt, den Schwung, den die Mainzer aus dem neuen Schulterschluss mit den Fans auf den Rasen bringen wollten, abzufedern. Ruhe reinzubringen und zugleich selbst Unruhe zu stiften, um den Mut der Mainzer Abstiegskämpfer zu kühlen, das war der Spagat, den die Borussen hinkriegen mussten. Das gelang indes nicht so recht. Die Mainzer gingen erwartet aggressiv zu Werke, das führte zu dem einen oder anderen ärgerlichen Ballverlust in der Gladbacher Zentrale. Damit hielten die Gastgeber das Stadion "on fire", weil die Mainzer in ihren Kerntugenden Vorteile hatten.

Borussia gelang es nicht, den entscheidenden Druck auszuüben, um einen roten Faden in die Geschichte zu bekommen. Dafür war auch das eigene Spiel zu unruhig. Als Stindl in der 31. Minute mal wieder zu einer brauchbaren Hereingabe kam, wurde der Direktschuss von Wendt abgeblockt, kurz darauf blieb die Flanke von Herrmann an einem Mainzer Abwehrbein hängen. Es waren, wie später Stindls Fernschussversuch, Halbchancen, die nicht beeindrucken konnten. Ansonsten gingen die Bälle im Aufbauspiel meist zu früh verloren. Hektische Mainzer, strukturlose Gladbacher — es war zum Abschluss des Ostersonntags ein Spiel ohne größeres Niveau. Es passte zur Tatsache, dass beide Teams in der Rückrundentabelle in den tieferen Regionen unterwegs sind.

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Thorgan Hazard hatte dann in der 42. Minute die große Gelegenheit, der Tristesse ein Ende zu bereiten. Doch statt aus aussichtsreicher Position den Torschuss zu wagen, legte er quer, das war die falsche Entscheidung, der Angriff verpuffte. In der Szene hätte man Hazard vor dem Tor die Abgeklärtheit eines Robert Lewandowski gewünscht, wie bei dessen 1:0 am Samstagabend beim 6:0 der Bayern gegen Dortmund. Drauf, drin, fertig.

So aber blieb es beim 0:0, dem Ergebnis, das sehr gut zum Geschehen passte bis zur Pause. Indes hätte es auch einen Elfmeter geben können, als Stindl im Mainzer Strafraum fiel (43.) — doch Schiedsrichter Manuel Gräfe ließ weiterspielen.

Kurz nach der Pause hatte Mainz die erste wirkliche Abschlusschance. Doch Yann Sommer wehrte den Schuss von Pablo de Blasis ab. Es blieb, was es vor der Pause war: Ein unruhiges Spiel, dessen Charme die Ergebnisoffenheit war. Mainz hatte jetzt den Vorteil, auf "seine" Kurve zu spielen, das sollte nochmal mehr Antrieb geben. Borussias Abwehrreihe hatte es bis dahin gut gelöst und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nun mussten die Gäste weiter vorn dafür sorgen, dass der Druck nicht zu groß werden würde, es brauchte einen, der die Dinge in die Hand nahm auf dem Weg zum Mainzer Tor. In der 55. Minute war das Wendt, der einen guten Ball auf Hazard spielte, dessen Flanke aber angefangen wurde. Raffael konnte es nicht mehr sein, in der 63. Minute kam Josip Drmic für den Brasilianer.

In der 66. Minute verhinderte erneut Sommer einen Rückstand, als er einen Ball von Alexander Hack mit einem Reflex unter die Querlatte lenkte, von dort sprang das Spielgerät runter auf die Linie und Sommer griff zu. Nico Elvedi verletzte sich im Gewimmel und musste runter. U23-Spieler Florian Mayer kam, es war sein Erstliga-Debüt. Mayer war damit kurz darauf auch teilnehmender Augenzeuge bei der fortwährenden Geschichte vom zögerlichen Hazard. Der Belgier dribbelte sich im Strafraum durch, doch erneut verpasste er die Gelegenheit zum Abschluss, erneut ließ er die Möglichkeit ungenutzt verstreichen. Der zögerliche Hazard was das Sinnbild des Spiels. Borussia war für mehr als dieses 0:0 einfach nicht entschlossen genug.

Die Riesenchance vergab Drmic in der Nachspielzeit, als er bei einem zu kurz geratenen Rückpass der Mainzer zwar vor René Adler an den Ball kam, ihn aber nicht im Torwart vorbeispitzeln konnte. Der Stürmer wäre aufs leere Tor zugerannt.

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(kk)