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Borussia Mönchengladbach verliert bei RB Leipzig 2:3 in der Nachspielzeit

2:0-Führung verspielt : Borussia verliert in Leipzig in der Nachspielzeit

Borussia Mönchengladbach hat im Topspiel bei RB Leipzig einen 2:0-Vorsprung verspielt. Vor einem Jahr gab es danach noch wenigstens ein 2:2, diesmal fiel in der Nachspielzeit sogar noch das 2:3. Es kriselt bei den Fohlen.

Borussia Mönchengladbach hat in Leipzig wie in der vergangenen Saison einen 2:0-Vorsprung verspielt, konnte diesmal aber nicht einmal einen Punkt mitnehmen, sondern verlor sogar 2:3 in der Nachspielzeit. War der erste Durchgang noch von großer Effektivität geprägt, kam nach der Pause zu wenig. Das Team von Marco Rose verlor am Ende verdient. Gladbach ist nun seit fünf Bundesligaspielen ohne Sieg und hat im Rennen um die Europapokal-Plätze weiter an Boden verloren.

Rose veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum 0:2 bei Manchester City am Mittwoch wie erwartet gehörig, personell und auch systemisch. Jordan Beyer kam zu seinem Saisondebüt als Mitglied der neu installierten defensiven Dreierkette. Jonas Hofmann, der sich gegen City am Knie verletzt hatte, wurde rechtzeitig fit und bildete mit Hannes Wolf im 3-5-2-Sytstem eine Doppelacht hinter dem Sturmduo Marcus Thuram und Breel Embolo und vor dem einzigen Sechser Denis Zakaria. Oscar Wendt und Valentino Lazaro waren die Flügelverteidiger.

Wuchtig, schnell und aktiv nach vorn, stabil hinten rum, das war Roses Plan. Wolf, der im Hinspiel das 1:0-Siegtor erzielt hatte, spielte erstmals die hintere Position im offensiven Mittelfeld, wie Hofmann sollte er die Wege in die Tiefe gehen, um Leipzig weh zu zu tun. „Wir sind hier, um alles rauszuhauen und die Punkte mit nach Gladbach zu nehmen“, stellte Rose vorab klar. Dazu indes, das wusste der Trainer, brauchte es mehr Mut bei eigenem Ballbesitz als zuletzt in Budapest gegen Manchester. Und auch mehr eigenen Ballbesitz.

Embolo zeigte Mut, Speed und Zug zum Tor, als er nach fünf Minuten in den Leipziger Strafraum rannte, Dayot Upamecano checkte den Borussen weg und Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff sofort: Elfmeter. Weil Kapitän Lars Stindl nicht dabei war, trat Ersatzschütze Hofmann an und verwandelte zum frühen 1:0.

Dass die Führung nicht schon drei Minuten später wieder dahin war, verhinderte Matthias Ginter, als er einen Schuss von Marcel Halstenberg auf der Linie abwehrte. Rettungsaktionen dieser Art hat Ginter in dieser Saison schon öfter gezeigt, schon gegen Bielefeld, Bayern, Stuttgart, Bremen stand er richtig als letzter Mann. Borussia kam als sehr gut ins Spiel, fast perfekt. Was folgte, waren ständige Angriffswellen von RB, das angesichts des Bayern-Sieges gegen Köln unter Druck war, nicht wieder zurückgefallen im selbst wieder ausgerufenen Titelkampf. Weit vorn pressten die Gastgeber, Borussia konnte sich nur noch selten befreien, zu schnell gingen eroberte Bälle wieder verloren.

„Lasst uns nach vorne spielen, Jungs“, rief Rose seinen Mannen zu. Sie taten, wie geheißen: Zakaria behauptete den Ball, Lazaro flankte, Embolo köpfte und Thuram lenkte das Spielgerät mit der Schulter zum 0:2 ins Tor. 19 Minuten waren da vergangen – und zwei Schüsse hatte Gladbach aufs Tor geschossen. Effektiver geht es nicht. Hinzu kam, dass die Gladbacher mit viel Selbstvertrauen defensiv arbeiteten.

Embolo konnte mit beherzten Läufen ab und an für Entlastung sorgen, Wolf machte dabei als Passgeber einen guten Job, unter anderem in der 38. Minute. Spürbar war zu diesem Zeitpunkt: Diese Borussen wussten, was sie wollten, sie waren bei sich und ihrem Plan und taten von etwas dafür, das Spielglück mal wieder in ihre Richtung zu lenken, ganz anders als gegen City. Aus der Tiefe in die Tiefe war das Motto. Und: Aus wenig Ballbesitz viel Brauchbares machen. Das ging erstmal auf. RB hingegen hatte 64 Prozent Ballbesitz, kam aber kaum dazu, sonderliche Gefahr zu erzeugen.

Das defensive Konstrukt machte im Zentrum, aber auch in der Breite die Räume und Laufwege zu für RB, die Borussen waren fleißig, konsequent und diszipliniert, so war die 2:0-Pausenführung in Ordnung.

Nach dem Seitenwechsel gab es zunächst mal gab es einen Schock, als der eingewechselte Alexander Sörloth, Sohn des früheren Borussen Göran Sörloth, den Ball kurz nach der Pause ins Tor lenkte. Doch tat er das mit der Hand, weswegen Gräfe das Tor nicht gab. In Sörloth hatte RB-Trainer Julian Nagelsmann einen weiteren „Brecher“ zu Yussuf Poulsen gesellt, auch vergangene Saison hatte er mit gesteigerter Wucht aus einem 0:2 noch Zählbares gemacht, indes auch gegen nach dem Platzverweis gegen Alassane Plea dezimierte Gladbacher.

Damals hatte Christopher Nkunku das 2:2 erzielt, nun durfte er den Anschlusstreffer machen, und dies recht unbedrängt. Zuvor hatte Thuram den Ball gegen Upemacano verloren und nicht nachgesetzt, Hofmann war nicht aktiv genug gegen Dani Olmo. In der Szene fehlte die Konsequenz der ersten Halbzeit. Leipzig war zurück. Rose reagierte, stellte auf Viererkette um. Doch in der 66. Minute glich Poulsen aus. Er schoss aus 18 Metern, der eingewechselte Ramy Bensebaini drehte sich weg, Sommer kam nicht heran, 2:2.

„Entlastung, Entlastung“, war von der Borussen-Bank immer wieder zu hören. Doch kaum ein Ball wurde noch vorn festgemacht, Borussia stand weit hinten und versuchte verzweifelt, dem ewigen Anlaufen der Leipziger Herr zu werden. Ball um Ball flog in den Strafraum, während Gladbach im zweiten Durchgang keinen Torschuss mehr abgab. In der 72. Minute wehrte Sommer einen Schuss von Olmo gut ab. Es war ein beachtliches Powerplay der Leipziger, Borussia war in dieser Phase meist nur in der Beobachterrolle. Der Mut für eigene Angriffe war verflogen, neun von zehn Feldspieler waren im ersten eigenen Drittel festgetackert und Beyer schleppte sich mit Oberschenkelproblemen dem Ende entgegen.

Es war Sommer zu verdanken, dass es nicht schneller das nächste Gegentor gab. Den Freistoß von Emil Forsberg lenkte er ans Lattenkreuz, dann parierte er auch den Nachschuss von Poulsen. Die Nachspielzeit lief, als Leipzig sich die verdienten drei Punkte sicherte: Sörloth schob Lazaro bei einer Flanke mit den Händen von sich, stieg hoch und traf per Kopf zum 3:2. Eine strittige Szene, aber eine vertretbare Entscheidung, den Treffer zu geben. Das war der K.o. für Borussia.

Statistik:

Leipzig: Gulacsi - Mukiele, Upamecano, Orban, Halstenberg - Adams, Sabitzer (46. Sörloth) - Kluivert (76. Forsberg), Dani Olmo, Nkunku (90.+6 Klostermann) - Poulsen. - Trainer: Nagelsmann

Mönchengladbach: Sommer - Beyer, Ginter, Elvedi (62. Bensebaini) - Lazaro, Zakaria (80. Stindl), Wendt (80. Plea) - Hofmann (61. Neuhaus), Wolf - Embolo, Thuram (62. Kramer). - Trainer: Rose

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Tore: 0:1 Hofmann (6., Foulelfmeter), 0:2 Thuram (19.), 1:2 Nkunku (57.), 2:2 Poulsen (66.), 3:2 Sörloth (90.+3)

Zuschauer: keine

Beste Spieler: Olmo, Poulsen - Embolo, Sommer

Gelbe Karten: Sabitzer (5), Upamecano (4) - Elvedi, Bensebaini (5)

Torschüsse: 21:5

Ecken: 3:4

Ballbesitz: 61:39 %

Zweikämpfe: 144:107

Hier geht es zur Bilderstrecke: Leipzig – Borussia: die Fohlen in der Einzelkritik