Borussia Mönchengladbach unter Dieter Hecking hadert mit der Torlosigkeit

"Es ist wie verhext": Heckings Gladbacher hadern mit der Torlosigkeit

Seit 360 Minuten ist Borussia Mönchengladbach kein Treffer gelungen, in dieser Zeit gingen alle vier Spiele verloren. Die Suche nach den Gründen für die Niederlage gegen Borussia Dortmund am Sonntag fiel einseitig aus.

Zwei Dinge fand Dortmunds Trainer Peter Stöger "außergewöhnlich" an diesem Abend: Marco Reus' Tor zum entscheidenden 1:0 für seine Mannschaft und "wie die Gladbacher auf dieser katastrophalen Wiese Fußball gespielt haben". Die Leistung seines Torwarts Roman Bürki bekam immerhin das Prädikat "sehr, sehr gut", und wenn sie das nicht gewesen wäre, hätte sich Stöger am Ende auch nicht über einen "ganz wichtigen Sieg" freuen können. Für den BVB war es der dritte in Folge.

Sein Gegenüber Dieter Hecking konnte die "Woran hat es gelegen?"-Liste erneut schnell abarbeiten. Während es beim 0:1 gegen den VfB Stuttgart noch nahezu an allem gemangelt hatte, verlief die Analyse nach dem 0:1 gegen den BVB eher monothematisch. "Wir haben alles abgerufen, was du brauchst, um erfolgreich zu sein", sagte Hecking. "Letztendlich sind wir nicht erfolgreich gewesen, weil wir bei der Vielzahl an sehr guten Möglichkeiten kein Tor gemacht haben. Teils hat der Torwart sehr gut gehalten, teils waren wir einen halben Schritt zu spät, teils haben wir zu überhastet abgeschlossen."

28:7 Torschüsse hatten die Statistiker gezählt, davon geradezu wahnsinnige 22:5 in der zweiten Halbzeit. Nicht alle waren zwingend, freistehend oder fanden überhaupt den Weg in Richtung Tor. Aber es wäre aus Gladbacher Sicht genug gewesen, um das Borussenduell nicht nur nicht zu verlieren, sondern auch zu gewinnen. "Momentan ist es wie verhext. Der Ball will nicht rein", sagte Torwart Yann Sommer, der bei Reus' Bananenschlenzer chancenlos gewesen war und ansonsten nur ein weiteres Mal gegen Reus in der zweiten Halbzeit gefordert war.

31 Punkte haben die Gladbacher und sind weiterhin Zehnter. Aus dem Pulk um sie herum haben alle Teams bis auf Hannover 96, der Gegner am kommenden Samstag, verloren. Dahinter haben jedoch einige gewonnen, weiter vorne auch, so dass Borussias Tabellensituation noch niemandsländlicher geworden ist. "Wir reden nicht von Europa und auch nicht vom Abstiegskampf. An das große Ganze denke ich jetzt nicht, sondern an Hannover, was nicht einfacher wird", sagte Sportdirektor Max Eberl dementsprechend. "In allen Spielen, die wir in der Rückrunde verloren haben, waren wir nicht die schlechtere Mannschaft. Natürlich sind die Jungs deprimiert, aber wir müssen weitermachen. Wenn wir so spielen, werden wir uns auch belohnen."

Auch Hecking forderte seine Spieler auf, sich "nicht zu grämen", wenngleich er keine Erklärung anbieten konnte für die Diskrepanz zwischen Möglichkeiten und Ertrag. Sauer machte den Trainer nur eine Szene in der Nachspielzeit, als Jannik Vestergaard von Sokratis im Strafraum umgerissen worden war. "Wenn ich am Samstag gesehen habe, was da in der Nachspielzeit für Elfmeter gepfiffen worden sind, hätte ich mir gewünscht, dass der Schiedsrichter wenigstens mal draufguckt. Ich glaube, dann wäre er in seiner Meinung nicht so klar gewesen", sagte Hecking.

Bastian Dankert habe ihm erklärt, die Szene sei im stillen Kämmerlein in Köln überprüft, aber nicht für elfmeterwürdig befunden worden. Den Vorwurf, womöglich zu wenig auf mögliches Unrecht hingewiesen zu haben, wollte Abwehrspieler Matthias Ginter nicht gelten lassen. "Wir haben ihn angeschrien, keine Sorge", sagte der 24-Jährige.

Das Fazit der Gladbacher tendierte in Richtung "Weiter so!", was den eigenen Auftritt angeht — bis auf die Chancenverwertung. "Man hat gesehen, dass da eine Mannschaft auf dem Platz ist, die weiß, um was es geht", sagte Hecking, der sich zuversichtlich zeigte, in Hannover mindestens die Torlos-Serie zu beenden. 360 Minuten sind es inzwischen. "Fußball ist halt ein Ergebnissport", sagte Ginter.

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(jaso)