Borussia Mönchengladbach Borussia und das Thema A _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Mönchengladbach · Die Spieler nehmen das Wort "Abstiegskampf" nur widerwillig in den Mund. Dabei haben viele Erfahrung damit.

 Gemeinsam statt gegeneinander: Lars Stindl (links) hat mit Hannover 96 tiefsten Abstiegskampf erlebt und ist mit dem Karlsruher SC sogar abgestiegen. Jannik Vestergaard musste mit Werder Bremen und der TSG Hoffenheim zittern.

Gemeinsam statt gegeneinander: Lars Stindl (links) hat mit Hannover 96 tiefsten Abstiegskampf erlebt und ist mit dem Karlsruher SC sogar abgestiegen. Jannik Vestergaard musste mit Werder Bremen und der TSG Hoffenheim zittern.

Foto: imago

Christoph Kramer gab keine Widerworte. "Wenn er sagt, es ist kein Abstiegskampf, dann ist es kein Abstiegskampf", kommentierte er Max Eberls Auftritt im ZDF-Sportstudio, bei dem der Sportdirektor sich weigerte, das Wort mit A und zwölf weiteren Buchstaben in den Mund zu nehmen. "Wir ticken als Mannschaft nicht anders, ich kann mich dem Manager nur anschließen."

Borussias bislang misslungene Bundesligasaison lädt dazu ein, über gewisse Begrifflichkeiten des Fußballgeschäfts zu reflektieren. Im Herbst ging es darum, wann eine Krise eine Krise ist. Jetzt steht der Abstiegskampf auf der Tagesordnung. Oder doch nicht? Probieren Sie es doch mal aus und lesen laut vor: Abstiegskampf.

Es ist momentan ein großer Spagat für die Borussen, genügend Respekt vor der sportlichen Lage zu zeigen und gleichzeitig nicht in Ehrfurcht zu erstarren. Die Realität sind 17 Punkte aus 17 Spielen, vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und Platz 14 in der Tabelle - drei Indizien dafür, dass Gladbach sich im Abstiegskampf befindet.

Vor dem 0:0 gegen Darmstadt nannte Tony Jantschke die Lage "dramatisch". Der 26-Jährige ist nicht nur ein guter Ansprechpartner bei dem Thema, weil er nicht zur Übertreibung neigt, er hat auch Erfahrung mit Borussia im Abstiegskampf. Bis er mit dem Verein mal etwas anderes erleben durfte, war er bereits ein etablierter Bundesligaspieler. Patrick Herrmann trägt ebenfalls den unsichtbaren Orden "Relegation 2011 - ich war dabei" auf der Brust. "Es gibt vielleicht den einen oder anderen, der richtigen Abstiegskampf noch nie mitgemacht hat", sagte Herrmann, um sofort hinterherzuschieben: "Da sind wir noch nicht drin, aber wir müssen natürlich langsam mal punkten." Da war er wieder, der Spagat.

So wenig Erfahrung haben die 31 Profis aber gar nicht mit dem Wort mit A, sechs sind sogar schon einmal aus der Bundesliga abgestiegen:

Tobias Sippel Abstiegskampf mit dem 1. FC Kaiserslautern in der 1. und 2. Bundesliga, Abstieg 2012 in die 2. Bundesliga

Christofer Heimeroth Abstiegskampf mit Borussia Mönchengladbach in mehreren Jahren, Abstieg 2007 in die 2. Bundesliga

Jannik Vestergaard Erfolgreiche Relegation mit der TSG Hoffenheim 2013 in der Bundesliga, Abstiegskampf mit Werder Bremen 2016

Timothée Kolodziejczak Abstiegskampf mit OGC Nizza 2014

Tony Jantschke Abstiegskampf mit Borussia Mönchengladbach in mehreren Jahren

Nico Schulz Abstieg mit Hertha BSC in die 2. Bundesliga 2012, Abstiegskampf 2015

Christoph Kramer Abstiegskampf mit dem VfL Bochum in der 2. Bundesliga 2013

Patrick Herrmann Abstiegskampf mit Borussia Mönchengladbach 2010 und 2011

Ibrahima Traoré Abstiegskampf mit dem VfB Stuttgart 2014

Fabian Johnson Abstiegskampf mit 1860 München in der 2. Bundesliga, mit dem VfL Wolfsburg in der Bundesliga 2011 und Relegation mit der TSG Hoffenheim 2013

Lars Stindl Abstieg mit dem Karlsruher SC in die 2. Bundesliga 2009, Abstiegskampf mit Hannover 96 2015

Raffael Abstieg mit Hertha BSC in die 2. Bundesliga 2010 und 2012

André Hahn Abstiegskampf mit dem FC Augsburg 2013

Josip Drmic Abstieg mit dem 1. FC Nürnberg in die 2. Bundesliga 2014

Gegen einen Fakt können sich die Borussen nicht mehr wehren: Nach dem Spiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag wird der Verein erstmals seit fast vier Jahren an einem Rückrundenspieltag in der zweiten Tabellenhälfte stehen. "Wir starten mit einem Rucksack, den wollen wir nach und nach ablegen", sagte Max Eberl. In Darmstadt ist der Vorsprung auf den 16. Tabellenplatz um einen Punkt gewachsen. Diesen Schnitt zu halten, würde das ungeliebte Wort mit A in einigen Wochen überflüssig machen.

(RP)
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