Borussia Mönchengladbach überrascht Klub-Legende Berti Vogts

Nach Sieg gegen Schalke : Vogts traut Gladbach Meisterschaft nicht zu

Borussias defensive Stabilität überrascht Klub-Legende Berti Vogts, das Offensivspiel vergleicht er mit dem Ansatz von Liverpool und Chelsea. Trotzdem sagt er: Bei der Meisterschaft sollte man die Kirche im Dorf lassen.

Klub-Legende Berti Vogts ist positiv überrascht von Borussia Mönchengladbach. Der 72-Jährige traut „seiner“ Borussia den dritten Einzug in die Champions League zu. An die sechste Meisterschaft Borussias, über die nun spekuliert wird, glaubt er aber nicht.

„Die Champions League wäre ein Riesenerfolg für Gladbach, das ist das Größte, was Borussia momentan erreichen kann. Es wird ein Borussen-Jahr. Der BVB kann Meister werden und Gladbach Zweiter oder Dritter. Wenn man in Gladbach das Niveau noch einige Jahre hält, kann man auch mal wieder vom Titel sprechen. Aber jetzt ist es noch zu früh dafür, man sollte die Kirche im Dorf lassen“, sagte Vogts unserer Redaktion. Er selbst wurde mit Borussia fünfmal Meister, einmal Pokal- und zweimal Uefa-Cup-Sieger.

Überrascht ist der einstige Weltklasse-Verteidiger vor allem von der defensiven Stabilität der Gladbacher. „Früher war Borussia immer dafür zuständig, die meisten Tore zu machen“, erinnerte der Rekordspieler (419 Bundesligaspiele) an die „Torfabrik“ der goldenen 1970er Jahre Borussias. „Deswegen überrascht es mich, dass die Borussia nun defensiv so gut steht“, sagte Vogts nach dem 2:0-Sieg bei Schalke 04 mit Blick auf die zehn Zu-Null-Spiele dieser Saison.

„Jeder Spieler arbeitet nach hinten, jeder weiß ganz genau, was er zu tun hat, auch die drei Mittelfeldspieler gehen in die Zweikämpfe und stellen nicht nur Räume zu“, analysierte Vogts und stellte die Teamarbeit als einen zentralen Erfolgsfaktor in Gladbach heraus: „Die Mannschaft tritt als Team auf, das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Und man spürt bei jedem Spieler, dass er unbedingt gewinnen will.“

Am Offensivspiel der Borussen gefällt dem Ex-Bundestrainer, der Deutschland 1996 zur Europameisterschaft führte, dass „da nicht immer nur auf Ballbesitz gespielt wird, sondern mit Tempo nach vorn, so wie es in der Premier League Liverpool und Chelsea machen. Das ist moderner Fußball, den in der Bundesliga sonst nur noch Borussia Dortmund, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt spielen“, sagte Vogts. Dass Trainer Dieter Hecking offenbar streng nach dem Leistungsprinzip aufstelle, sieht Vogts als weiteren Erfolgsfaktor. „Die Umstellung auf das 4-3-3-System hat glänzend funktioniert, es ist ein ganz anderer Fußball als in der vergangenen Saison, man freut sich, Borussia spielen zu sehen“, sagte Vogts.

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