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Borussia Mönchengladbach: Trotz Rotation ist die Stimmung im Team gut

Borussia rotiert auf Rang zwei : Hecking moderiert den Erfolg richtig

Borussias Trainer rotiert geschickt, die Spieler akzeptieren das. Platz zwei ist das beste Argument für Trainer Dieter Hecking. Dessen Optionen vergrößert bald Raffael, der am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einstieg.

Raffael ist erleichtert. Der „Maestro“ ist seit Dienstag nach langer Pause wieder im Training. Beim 1:1 in Augsburg spielte er zuletzt in der Bundesliga, dann schmerzte die Wade in einem Test gegen Bochum und er fehlte bei Borussias Höhenflug auf Rang zwei. In den Jahren zuvor war es stets der GAU, wenn der Brasilianer fehlte, weil seine Kreativität, sein Torinstinkt, seine Art, das Spiel zu denken und zu lenken notwendig war für die Gladbacher. Das ist in dieser Saison anders: Die Konkurrenz ist gewachsen im Team, auch für Raffael. Er steigt nun, so hoffen die Borussen, nachhaltig in den Kampf um die Plätze im Team ein. Was für Trainer Dieter Hecking ein Luxusproblem ist. Er muss Raffaels Platz im 4-3-3-System finden und zweitens entscheiden, wer für den Zampano weichen muss.

„Moderieren“ nennt Hecking das, was er aktuell besonders gut hinkriegen muss: Auch Härtefall-Entscheidungen treffen und diese den Betroffenen „verkaufen“. Wie am Samstag, als er Christoph Kramer trotz dessen starker Leistung in München aus der Startelf nahm. „Natürlich ist das nicht leicht“, gesteht Hecking. Er erklärte Kramer vorab, warum er für das Mainz-Spiel mit Tobias Strobl vor der Abwehr plante. Hecking wollte einen „frischen Mann“ im Zentrum haben. Der Trainer rotiert resolut, keiner hat Garantien, die Spieler akzeptieren das, so ist der Konkurrenzkampf leistungsfördernd. Gegen Mainz kamen am Ende Tony Jantschke, Denis Zakaria und Ibrahima Traoré zu Einsätzen, auch das ist ein Rezept gegen eventuelle Unzufriedenheit. „Wichtig ist, dass jeder versteht, dass es nur gemeinsam geht, dass wir jeden brauchen, nicht nur von der Nummer 1 bis 11, sondern von der Nummer 1 bis 28 und den Staff“, stellt Hecking klar. Natürlich sei Kramer „nicht mit einem Lächeln herumgelaufen“. Auch Michael Cuisance war, das lassen seine Instagram-Posts vermuten, nicht begeistert, dass er nicht im Kader war. „Aber es trifft jeden mal, Jonas Hofmann und Fabian Johnson waren auch schon nicht dabei“, sagte Hecking.

Die Spieler akzeptieren die Rotation, der Trainer macht in der Kabine eine „sehr gute Grundstimmung aus“. Hofmann, der Shootingstar dieser Saison, sieht es ähnlich. „Wir sind eine super Truppe, das Klima im Team ist sehr gut“, sagte der Drei-Tore-Mann nach dem 4:0 gegen Mainz. Gerade im Mittelfeld gibt es viel Qualität. Dass Männer wie Zakaria oder Cuisance nur Ergänzungsspieler sind, belegt das.

Die Aussichten, dass der Erfolg nicht nur eine Momentaufnahme ist, sind durchaus gut. Das Verletzungsproblem, das in den vergangenen Spielzeiten extrem war und wohl dafür gesorgt hat, dass es zweimal Platz neun wurde, obwohl wohl mehr drin war, haben die Borussen in den Griff gekriegt. Angesichts der anstehenden Englischen Woche kommt Hecking Raffaels Rückkehr doch ganz gelegen, auch wenn das Freiburg-Spiel am Freitag für den Brasilianer noch zu früh kommt. Er hat eine weitere Option, um zu rotieren. Und was für eine. Ein gesunder Raffael ist auch mit 33 ein Unterschied-Spieler.

Schon ohne ihn sehen TV-Experten wie Dietmar Hamann oder der Ex-Gladbach-Trainer Ewald Lienen Heckings Ensemble sogar als möglichen Titel-Kandidaten. „Borussia hat riesiges Potenzial“, lobte Lienen. Hecking nimmt das Lob dankend an, wiegelt aber ab. „Es ist viel zu früh, über so etwas zu reden. Fakt ist, dass wir in den ersten acht Spielen eines der Teams waren, die der Liga einen Stempel aufgedrückt haben. Darüber sind wir froh“, sagte er.

Hecking moderiert den Erfolg, er hat Borussia auf Rang zwei rotiert. Beim 3:0 in München brachte er Lars Stindl überraschend, die Idee mit ihm im Zentrum und Alassane Plea auf links ging auf. Nun gab es die Rochade mit Strobl, der der gewohnt unauffällige Ordnungsstifter gegen Mainz war. Erfolg ist immer das beste Argument für einen Trainer. „Mit meinen Entscheidungen liege ich im Moment ganz gut“, sagt Hecking. „Und jeder akzeptiert, was entschieden wird. Aber das muss auch so sein, wenn wir mal ein, zwei Spiele nicht so punkten.“ Im Misserfolg und im Umgang damit zeigt sich meist die wahre Stärke eines Teams. „Den Zeitpunkt, das zu erfahren, wollen wir aber so weit wie möglich herauszögern“, stellt Hecking klar.