Borussia Mönchengladbach: Trainingslager für die Erfolgswahrscheinlichkeit

Borussia im Trainingslager : Am Tegernsee die Erfolgswahrscheinlichkeit steigern

Zum siebten Mal bezieht Borussia Quartier am Tegernsee – dreimal brachte die folgende Saison die Qualifikation für Europa, dreimal nicht. Der neue Weg der Gladbacher soll offensiver, aber auch klug defensiv sein – das bedeutet harte Arbeit.

Viel Eingewöhnungszeit brauchen die Borussen nicht am Tegernsee. Sie kennen sich aus und können daher gleich in medias res gehen. Ein Trainingslager ist eine wichtige Woche für eine Fußballmannschaft, sportlich und sozial. Die WM hat wieder gezeigt: Individualisten können im Fußball den Unterschied machen, helfen aber nur dann wirklich, wenn sie im Team funktionieren. Im „Lager“ kann die Mannschaft zusammenwachsen.

Darum ist gut, das Alassane Plea und Michael Lang schon dabei sind. Die erfahrensten Neulinge sollen tragende Rollen spielen. Die Borussen arbeiten an einer Neuausrichtung und beide sollen diese verkörpern. Lang, der die Erfahrung von über 300 Profispielen hat, steht für Kontinuität und Stabilität, Plea für Attacke und Tore, beide auf ihren Positionen für offensives Denken.

Borussia will den Fans wieder Spaß machen, wieder für offensiven, aber auch defensiv klugen Fußball stehen. Die Basis dafür muss am Tegernsee gelegt werden in nachhaltiger Arbeit auf dem Trainingsplatz. In den ersten drei Trainingswochen hat Trainer Dieter Hecking mit intensiven Einheiten ein Zeichen gesetzt, so muss es weitergehen: Borussia muss sich ihren neuen Weg hart erarbeiten.

Gut ist, dass Kapitän Lars Stindl am Tegernsee dabei ist. Noch nicht aktiv, aber beim Team. Er und die anderen Führungsspieler werden gefragt sein in der neuen Saison, sie müssen mehr als zuletzt führen und stabilisieren. Sollte Yann Sommer bleiben, wird auch er stärker in der Verantwortung stehen, gleiches gilt für Matthias Ginter und Nico Elvedi, das wohl neue Innenverteidiger-Duo. Ginter muss präsenter werden, Elvedi den Schritt zum Führungsspieler machen.

Borussia braucht ein starkes Gerüst, gerade angesichts der Neuausrichtung. Hecking hofft, dass es in der neuen Saison endlich Härtefälle geben wird, Topspieler also, die draußen oder gar mal auf der Tribüne sitzen, weil der Konkurrenzkampf gesund und munter ist. Da müssen sich dann Einzelne zurücknehmen im Sinne des Teams. Rang und Namen dürfen keine Rolle spielen, nur Leistung.

Wichtig ist die Zeit am Tegernsee auch, weil viele Fans vor Ort sind. Nähe gehört zu Borussias Prinzipien. Wie schwierig zu viel Distanz ist, hat sich bei der WM und dem deutschen Team gezeigt. Borussias Fans dürfen ganz nah dran sein. So kann man sich wieder annähern nach einer Saison, in der es nicht immer eine reibungslose Beziehung war. Es muss vertrauensbildende Maßnahmen von der einen und einen Vertrauensvorschuss von der anderen Seite geben.

Der FC Augsburg, der am Donnerstag zum Testspiel nach Rottach-Egern kommt, ist ein guter Gegner. Denn er steht für all jene Teams, mit denen sich Borussia in den vergangenen Jahren schwer getan hat: laufstarke, kampfstarke, unangenehme Kontrahenten. Da können die Borussen ausprobieren, ob der neue Ansatz mit dem 4-3-3, vielen Kreativen, Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit hilfreich ist.

Dreimal führte der Weg von Rottach-Egern aus nach Europa, dreimal nicht. Eine schöne Umgebung mit optimalen Bedingungen macht also nicht zwangsläufig Erfolg. Es ist eine Momentaufnahme, zumal in diesem Sommer, da sich das Personalgemenge durchaus nochmal verändern kann. Aber gute Grundlagen steigern Wahrscheinlichkeiten. Diese zu schaffen, das ist der Arbeitsauftrag für die Tage am Tegernsee.