Borussia Mönchengladbach: Tony Jantschke behält den Überblick

Borussia Mönchengladbach : Jantschke behält den Überblick

Vize-Kapitän Tony Jantschke ging beim 1:0 gegen den FSV Mainz 05 mit gutem Beispiel voran. Kein Borusse gewann mehr Zweikämpfe.

Yann Sommer schien erst nicht protestieren zu wollen. Tobias Strobl kickte verärgert den Ball ins Tor. Die Mainzer Spieler stürmten kollektiv in Richtung Gästeblock zu ihren Fans. Nur einer gestikulierte wild in Richtung Schiedsrichter Robert Hartmann und zeigte an: "Die Hand war am Ball! Die Hand war am Ball!" Nicht viele teilten nachher Tony Jantschkes Meinung, aber die zweite entscheidende Szene des Nachmittages, neben Andreas Christensens Siegtreffer in der 76. Minute, stand stellvertretend dafür, wie der 26-Jährige sich reingehauen hatte beim erlösenden 1:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05.

In den vergangenen Krisenwochen hat Jantschke seinen Ruf untermauert, die Dinge klar anzusprechen. Als "Fußballgott", Vize-Kapitän und Spieler, der seit zehn Jahren im Verein ist, steht ihm das besonders zu. "Boah", begann Jantschke sein Fazit, "ich war selten in einem Spiel, das fußballerisch so schlecht war." Als Profi bei Borussia hat er 210 Pflichtspiele mitgemacht, das erste bei einem 1:3 gegen Energie Cottbus im Herbst 2008, demgegenüber den die aktuelle Lage einer Wohlfühlphase gleicht. Gerade deshalb weiß Jantschke aber auch, wie wichtig Siege sind, die einstweilen eine Krise beenden. "Heute nehmen wir das so mit, wir hatten genug Pech mit anderen Sachen", sagte er. "Es war wichtig, einfach drei Punkte zu holen."

Im Grunde lief alles anders als in den Spielen, die Borussia zuletzt nicht gewann. Nicht jede Änderung zum Guten führte sie selbst herbei. Dem Gegner wurde mit Glück ein reguläres Tor aberkannt. Gladbach schoss selbst eines, sogar ein seltenes in der zweiten Halbzeit, ohne wieder den Ausgleich zu kassieren. Es fiel sogar nach einer Ecke, das war seit zehn Monaten nicht passiert. Hätte nur noch gefehlt, dass sich all das in einem Auswärtsspiel zutrug. "Ich merke das auch, dass die Erleichterung etwas abfällt", sagte Jantschke. "Von der Einstellung und wie wir hinten kompakt gestanden haben, war das zumindest ein Anfang." Sein Trainer André Schubert pflichtete ihm bei. "Es war nur wichtig, einfach mal zu gewinnen", sagte er.

Borussia holte einen Sieg im Notfallmodus. An Normalbetrieb war und ist nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen nicht zu denken. Vor dem Weihnachten wird das wohl auch nichts mehr. "Wir haben jetzt noch zwei wichtige Spiele, die vom Charakter ähnlich werden", sagte Jantschke. Am Samstag geht es zum FC Augsburg, wo Gladbach in der Bundesliga noch nie gewonnen hat. Dann kommt zum Abschluss am Dienstag, den 20. Dezember, der VfL Wolfsburg. Das Abrutschen in den Abstiegskampf hat Borussia erst einmal verhindert. Es waren drei Punkten im Anti-Abstiegskampf.

Im besagten Notfallmodus stehen mehr die berühmten Basics im Mittelpunkt, das Spielerische rückt etwas in den Hintergrund. "Wir hatten uns vorgenommen, brutal dagegenzuhalten. Man sieht einfach, dass wir fußballerisch Probleme haben momentan", sagte Jantschke. Bei den läuferischen Werten bewegte sich Borussia gegen Mainz im Topbereich dieser Saison. Die Spielweise des Gegners mit vielen langen Bällen und dem notorischen Lauern auf die zweiten Bälle sorgte — wie vorab von Schubert erwartet — für viele intensive Zweikämpfe. Jantschke entschied 16 für sich, die meisten aller Borussen.

Für seinen Auftritt in Barcelona hatte er zumindest eine lobende Erwähnung des Trainers eingeheimst. Da war noch etwas untergegangen, dass der Defensivallrounder sich als einer der wenigen auf die gewünschte Weise gegen ein Debakel stemmte. Aufgrund seines physischen, aber intelligenten Spiels ist Jantschke plötzlich so etwas wie Schuberts Musterschüler.

"Natürlich spielt der Druck eine Rolle, weil wir eine Mannschaft sind, die da nicht hingehört", sagte er. Zwar kennt Jantschke die Zeiten, als der zwölfte Platz ordentlich war. Aber auch ihm ist das angesichts des Potenzials nicht gut genug.

(jaso)
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