Borussia Mönchengladbach: Tobias Strobl kämpft um seinen Platz im Team

2017/2018 spielte er nur 113 Spielminuten : Tobias Strobl will bei Borussia wieder angreifen

Wegen seiner schweren Verletzung fehlte der Defensiv-Allrounder fast die gesamte vergangene Saison. Nur 113 Minuten spielte er, die jedoch nutzte der 28-Jährige, um Werbung für sich zu machen.

Es ist einer der typischen Fußballsätze, doch in diesem Fall sei es erlaubt, die Geschichte über den Borussen Tobias Strobl damit zu beginnen. Schließlich war der Mittelfeldspieler zuletzt mit seinem Bruder in Monte Carlo, um dort den Sieg des deutschen Formel-1-Piloten Sebastian Vettel live zu erleben. Strobl, darf man daher sagen, will es in der neuen Saison der Fußball-Bundesliga machen wie Vettel an der Cote d’Azur: „Gas geben“ und an den Konkurrenten vorbeiziehen.

Es wäre ihm vor allem zu wünschen, dass er durchweg die Gelegenheit dazu bekommt. In der vergangenen Saison war das nicht so, da er sich am 4. August beim finalen Testspiel vor der Saison bei Leicester City einen Kreuzband- und Außenmeniskusriss zugezogen und deswegen fast die gesamte Spielzeit verpasst hatte.

Strobls persönliche Saison begann damit erst am fünftletzten Spieltag in seiner Heimat München. Beim 1:5 der Borussen beim FC Bayern kam er mehr als acht Monate nach seiner Verletzung erstmals wieder für einige Minuten zum Einsatz. Das Comeback war kein schönes Erlebnis, doch hatte Strobl, der in der
81. Minute eingewechselt wurde beim Stand von 1:4, kaum Anteil an der bitteren Vorstellung der Kollegen, zu reparieren war eh nichts mehr an diesem Tag. Danach gab es beim 3:0-Sieg gegen Wolfsburg das Heim-Comeback, einen 30-Minuten-Einsatz beim 1:1 auf Schalke und schließlich die erste Startelf-Teilnahme beim 3:1 gegen Freiburg, als er den gesperrten Christoph Kramer im defensiven Mittelfeld vertrat.

Strobl will seine Sechser-Position zurück

Die vier Spiele mit Strobl brachten im Schnitt 1,75 Punkte. Rechnet man das hoch auf eine gesamte Saison, würde sich das auf 60 addieren – das wäre Platz drei im Abschlussklassement gewesen. Mit seinem ganz starken Pass auf Thorgan Hazard aus der Tiefe des Raumes initiierte der 28-Jährige das wichtige 1:0 und damit den Sieg gegen Freiburg. In den 69 Minutenb, die er in diesem Spiel mitwirkte, hat er nicht nur wegen dieser Aktion klargemacht: „Ich bin wieder da und kämpfe um meinen Platz.“

Dass er danach beim Saisonfinale in Hamburg nicht spielte, verwunderte etwas. Kramer, der gestern wieder als WM-Experte für das ZDF im Einsatz war, spielte vor der Abwehr zusammen mit Denis Zakaria. Das war die Stamm-Sechs der vergangenen Saison, weswegen Trainer Dieter Hecking sich wohl für die eingespielte Variante anstelle des gegen Freiburg sehr agilen Duos Strobl und Michael Cuisance entschied.

In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit jedoch wird alles auf null gestellt. Strobl will den Konkurrenzkampf ordentlich beleben. Gerade, wenn Hecking mit dem Gedanken spielt, mit nur einem Sechser spielen zu lassen in einem 4-3-3- oder 4-1-4-1-System, wird es sich wohl vor allem zwischen Kramer und Strobl entscheiden. Die Herren Zakaria, Cuisance, Laszlo Bénes und Florian Neuhaus wären in solchen Konstellationen eher als Achter unterwegs. In einer Doppelsechs könnte Strobl mit Kramer spielen (wie oft in der Saison 2016/17) – oder mit einem der vorher Genannten, die dann den offensiveren Part übernehmen würden.

Die verlorene Saison

Strobl gilt als „Mr. Zuverlässig“, als einer, der sich bestens einschätzen kann und kaum einmal Sperenzchen macht. Er ist meistens nicht spektakulär, kann es aber sein, siehe zum Beispiel sein Pass gegen Freiburg. Strobl ist aber nicht nur als Sechser eine Option, sondern auch als Innenverteidiger. Er könnte auch Teil einer Dreierkette sein. Zudem könnte er rechts in der Viererkette verteidigen.

Egal auf welcher Position, etwas zeichnet Strobl immer aus: seine Unaufgeregtheit. Und einer, der Ruhe ausstrahlt, kann gerade einem Team guttun, das in der vergangenen Saison hinten öfter mal in Unordnung geraten ist.  Womöglich hätte es mit Strobl das eine oder andere der 52 Gegentore nicht gegeben, weil er so manche Situation beruhigt hätte.

Die 113 Minuten, die er am Ende der Saison noch gespielt hat, hat Strobl genutzt, um Werbung für sich zu machen. Daran will er ab dem 1. Juli, wenn die Vorbereitung der Borussen startet, anknüpfen, „Gas geben“ und nach einer „verlorenen Saison“ wieder angreifen.

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