Borussia Mönchengladbach: Tobias Strobl, Dieter Hecking und der Wetterumschwung

Überlegungen für Borussias Aufstellung : Strobl, Hecking und der Wetterumschwung

Dieter Hecking hat in dieser Saison schon einiges ins Kalkül ziehen müssen. Gegen den SC Freiburg spielt nun auch das Wetter eine Rolle bei der Beantwortung der Frage: Wie viel kann Borussias Trainer lange verletzten Spielern wie Tobias Strobl zutrauen?

Stammspieler zu sein, ist im Monat Juli zunächst einmal nicht viel wert, solange man nicht mit seiner Nationalmannschaft bei einem großen Turnier oder in einer Liga aktiv ist, die den Spielbetrieb etwas früher aufnimmt. Doch Tobias Strobl hatte von August bis Mitte April eben nur ein paar Minuten, um sich zu beweisen — bis er im Testspiel bei Leicester City im Rasen hängen blieb und sich einen Kreuzbandriss zuzog. Dass der bald 28-Jährige bis dahin eine feste Größe war in Borussias Saisonvorbereitung, ist aufgrund der langen Zeit, die vergangen ist, ein wenig in Vergessenheit geraten. Innenverteidiger in einer Viererkette war er, Mittelmann einer Dreierkette, Sechser vor der Abwehr — Strobl würde trotz der starken Konkurrenz immer wieder seine Einsätze bekommen, so viel schien klar.

In seiner Karriere klafft nun eine Lücke von acht Monaten, in denen er Patient statt Profi war. Aber spätestens seit seinem gelungenen 30-Minuten-Einsatz auf Schalke vergangene Woche ist Strobl zurück. Nun könnte die scheinbar verlorene Saison noch ein echtes Happy End bereithalten für den Defensivallrounder. "Manchmal ist es so, dass Spieler nur in zwei, drei Spielen gebraucht werden", sagte Trainer Dieter Hecking. Bei Strobl müsste es präziser heißen: "gebraucht werden konnten". Gegen den SC Freiburg dürfte es so weit sein mit dem Startelf-Comeback, weil Jannik Vestergaard, Christoph Kramer und Denis Zakaria gelb-gesperrt fehlen. Stellt sich nur noch die Frage: Wohin mit Strobl?

Gegen Freiburg könnte es die 19. Kombination vor der Abwehr geben. 15 Pärchen und drei Solo-Sechser durften bislang ran. Bei Michael Cuisance und Marcel Benger waren es nur zwei Minuten, Kramer und Zakaria haben mit 1699 deutlich die Nase vorn. Am zweithäufigsten spielten Zakaria und Cuisance (375 Minuten) gemeinsam vor die Abwehr, doch man muss den Finger in der Liste schon bis zum sechsten Platz in der Liste hinuntergleiten lassen, um die erste Konstellation zu finden, die auch am Samstag möglich wäre. Cuisance steht da ganz ohne Partner, und Hecking deutete an, dass er der Lösung nicht abgeneigt ist. "Ich erinnere nur an Hoffenheim, da hat Mika hervorragend alleine auf der Sechs gespielt", sagte der Trainer.

Obwohl Strobl schon lange wieder mittrainiert, wäre der erste Startelf-Einsatz seit einem Dreivierteljahr noch mit Risiko verbunden. Wenn die Aufstellung eine Stunde vor dem Anpfiff bekanntgegeben wird, wird Hecking tagelang gepuzzelt, jedes Für und Wider abgewogen haben — bis hin zu meteorologischen Überlegungen. "Zentral in einer Dreierkette ist Tobias Strobl bei 25 Grad vielleicht eher in der Lage, 90 Minuten zu spielen als auf der Sechs", sagte der Trainer mit Blick auf das Wetter.

Das Puzzle wäre in einem 4-4-2 leichter zu vollenden. Dann würden Strobl und Cuisance auf der Sechs spielen, im Testspiel gegen den FC Málaga haben sie das Ende Juli 2017 mal gemacht. Oder aber Matthias Ginter rückt vor auf die Sechs und Strobl geht in die Innenverteidigung. Bei einem 3-5-2 wären wohl noch mehr Umbauarbeiten nötig, weil vor Cuisance mindestens ein Achter gebraucht würde. Der könnte Jonas Hofmann heißen, womit aber die rechte Seite frei würde — für Ibrahima Traoré, Thorgan Hazard, Nico Elvedi, Reece Oxford, Tony Jantschke? "Trotz allem habe ich also noch ein paar Variationsmöglichkeiten", sagte Hecking.

Strobl selbst wollte nach dem Schalke-Spiel und den Trainingseinheiten in dieser Woche nicht reden. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß, dass er nach dem Freiburg-Spiel etwas erzählen hat.

Diese zehn Spieler haben in dieser Saison direkt vor der Abwehr gespielt:

Denis Zakaria 2491 Minuten
Christoph Kramer 2148 Minuten
Michael Cuisance 734 Minuten
Matthias Ginter 245 Minuten
Reece Oxford 174 Minuten
Jonas Hofmann 148 Minuten
Tobias Strobl 47 Minuten
Laszlo Bénes 39 Minuten
Tony Jantschke 10 Minuten
Marcel Benger 2 Minuten

(jaso)
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