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Borussia Mönchengladbach: Tobias Sippel über sein "Comeback"

Interview mit Tobias Sippel : "Es war etwas Spezielles"

Tobias Sippel kam am Dienstagabend zu seinem vierten Pflichtspiel für Borussia. Wie in den Spielen zuvor blieb er ohne Gegentor. Im Interview spricht der Keeper über den Kaltstart und sein bislang letztes Gegentor.

395 Tage musste Tobias Sippel warten auf sein viertes Pflichtspiel für Borussia. Das dritte war das Pokalspiel vor dem Ligastart der vergangenen Saison gewesen, damals in Drochtersen. Nun kam er wegen des gedehnten Innenbandes im Knie von Yann Sommer wieder mal zum Einsatz, zu seinem dritten in der Bundesliga.

Wie schon gegen Wolfsburg und in Darmstadt gab es gegen den VfB Stuttgart mit ihm einen 2:0-Sieg. Weil er auch im Pokal (1:0) gegentorlos ist, taufte ihn der Boulevard "00-Sippel". Sippel bestätigte die Serie, nun hat er ebenso viele Nullen beisammen, wie der DFB Sterne auf dem Trikot hat, vier. Einen gewissen Kult-Faktor hat er Torwart somit schon.

In der ersten Halbzeit war es kein Problem, das hinzukriegen angesichts des Nichtvorhandenseins des VfB vor dem Borussen-Tor. Am Ende aber verdiente sich Sippel das Zu-Null mit vier Paraden. Die letzte gegen Andreas Beck war dann auch der Beleg dafür, dass auf ihn Verlass ist, auch bei größeren Herausforderungen.

Herr Sippel, wie schwer war der Kaltstart nach so langer Zeit?

Sippel Es war etwas Spezielles. Wir hatten aber viele Testspiele in der letzten Zeit, deswegen war es kein kompletter Kaltstart. Ich weiß aber mit meiner Rolle zu leben. Man muss halt an dem Tag bereit sein, wenn er kommt. Darum bin ich auch in jedem Training voll fokussiert. Natürlich habe ich mich gefreut, dass ich jetzt mal wieder dran war — auch wenn es natürlich nicht schön ist, dass Yann sich verletzt hat. Aber als der Trainer kam und sagte, dass ich spiele, wollte ich meine Chance natürlich nutzen.

2:0, 2:0, 2:0 — das ist Ihre Bundesliga-Bilanz in Gladbach. Eine gute Serie.

Sippel (grinst) Da müssen wir mal gucken, ob es auch am Samstag in Dortmund auch so ist.

Denken Sie, dass Sommer bis dahin nicht fit wird?

Sippel Ich bin ja nur Spieler und kein Mannschaftsarzt. Yann hat aber gesagt, dass er sich wieder relativ gut fühlt. Wir müssen mal abwarten und in den kommenden Tagen wissen wir, in welche Richtung es geht.

Sie haben von den Testspielen gesprochen. Aber es tat doch sicher gut, mal wieder im vollen Stadion zu spielen.

Sippel Klar war das toll. Es ist eben das Los des zweiten Torhüters, wenn man einen Nationaltorwart vor sich hat, immer wieder lange warten zu müssen. Es gibt in der Saison vielleicht nur diesen einen Tag, und auf den freut man sich ganz extrem. Das war schon den ganzen Tag vor dem Spiel so. Ich habe mit Lars Stindl lange drüber gequatscht. Wenn das Spiel aber angepfiffen ist, ist alles normal. Dann freut man sich natürlich, wenn man zu null spielt.

Wie langweilig war die erste Halbzeit?

Sippel (grinst) Ich hatte viel Zeit, oder? Ich habe mir halt das Stadion ein bisschen angeschaut. Aber Spaß beiseite: Die erste Halbzeit war sicher nicht unsere Glanzleistung. Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir nochmal eine Schippe draufgelegt, haben das gespielt, was wir wollten, sind viel über Außen gekommen, haben die Flanken auch reingebracht und haben daher auch verdient gewonnen.

Freut man sich als Torhüter, wenn man dann am Ende doch noch geprüft wird? Bei dem Schuss von Beck mussten Sie ja noch einiges aufbieten.

Sippel Der eine sagt ja, der andere sagt nein. Man will am liebsten zu null spielen, von daher ist es egal, ob sie aufs Tor schießen oder nicht. Am Ende haben sie es ein paar Mal gemacht, ich habe gehalten — also alles in Ordnung.

Paraden wie diese zeigen, was Sie draufhaben. Mit 28 Jahren sind Sie im besten Torwartalter. Reicht Ihnen die Rolle, die Sie hinter Yann Sommer spielen?

Sippel Ich habe damals den Schritt nach Gladbach bewusst gemacht. Ich hatte ein gutes Gespräch mit Max Eberl und bin von dem Verein komplett überzeugt. Es macht mir riesen Spaß vom ersten Tag an und das macht die Situation um einiges einfacher. Wir haben hohe Qualität im Training, es stimmt intern alles — von daher kann ich sagen: Es passt.

Wann haben Sie zuletzt vor 80.000 Zuschauern gespielt?

Sippel Wahrscheinlich, als ich zuletzt in Dortmund gespielt habe mit Lautern.

Das wäre am Samstag auf den Tag genau sieben Jahre her: Am 22. September 2010. Ein schöner Tag war es nicht, mit Lautern haben Sie 0:5 verloren.

Sippel Wie gesagt, wir schauen mal, was bis Samstag ist.

Erinnern Sie sich noch an Ihr letztes Gegentor?

Sippel In der Bundesliga?

Generell?

Sippel Hmm. (grinst) Ist ja lange her.

Am letzten Spieltag der Saison 2014/2015 gegen Ingolstadt.

Sippel Ach ja, stimmt. Wer es aber war, weiß ich nicht, es war mein Abschiedsspiel in Lautern, da hatte ich andere Sachen im Kopf als das.

P.S. Ingolstadts Torschütze war am 24. Mai 2015 Max Christiansen. Das letzte Gegentor in der Bundesliga kassierte Sippel am 5. Mai 2012 beim 1:2 des 1. FC Kaiserslautern in Hannover. Torschütze war Didier Ya Konan, die Vorarbeit leistete ein gewisser Lars Stindl.

Das Interview führte Karsten Kellermann.

(kk)