Borussia Mönchengladbach: Tipps für Dieter Hecking von den Karnevalisten

Borussias Karneval : Nützliche Tipps für Hecking von der Karnevalsbühne

Auch wenn Peter Brings nicht „VfL“ rufen wollte - „Brings“ und die anderen aus der Champions League des Karnevals unterhielten bei der 17. Prunksitzung der Borussen das Publikum prächtig.

Der Sonntag war schon fast vorbei, als Albert Detmer, eigentlich Schlagzeuger der „Rabaue“, das Mikrofon bekam von Sänger Alex Barth und „Hey Jude“ anstimmte. Der Beatles-Klassiker war der edle Schlusspunkt der Karnevals-Prunksitzung der Borussen. Über dieser schwebte die Sehnsucht, die der frühere Präsident der hiesigen Karnevals-Gesellschaft, Bernd Gothe, auf sein Hemd hatte drucken lassen: „Europa, wir kommen.“ Und nichts hat in Borussias Vereinsgeschichte mehr Europa-Symbolik als Liverpool, die Heimatstadt der Beatles

1973 trafen sich beide Klubs im Uefa-Cup-Finale, 1977 auf höchster Ebene in Rom zum Endspiel des Landesmeisterwettbewerbs und dann 1978 nochmal im Halbfinale des europäischen Meister-Pokals. Mithin, es ging immer schlecht aus für die Borussen. Doch wie heißt es in „Hey Jude“: „Take a bad Song and make it better“, „mach den schlechten Song besser“. Die Borussen sind Dritter und wollen in der Rückrunde die Rückkehr nach Europa schaffen, um neue, magische Nächte zu erleben. Liverpool bleibt der Sehnsuchtsort, sich wieder einmal offiziell mit den „Reds“ messen an der Anfield Road, davon träumen viele Gladbach-Fans.

Dass sich jene Borussen, die sich zur 17. Auflage der Prunksitzung ins Wickrather Kunstwerk begeben hatten, naturgemäß viel von den in Mönchengladbach eigentlich verpönten Roten, den Kölnern, zu sehen und zu hören bekamen, war kein Problem. Es ist nun mal so, dass in der Domstadt die „Champions League des Karnevals“ zu Hause ist, wie Gladbachs Elferrats-Anführer Willi Kleuser anmerkte.

Und die gibt sich seit 2003 regelmäßig ein Stelldichein im Zeichen der Raute. Dass nicht jeder auf der Bühne gleich sein Herz an den Erzrivalen verliert, ist nachvollziehbar. So wollte Peter Brings nach einem starken Auftritt seiner Band den von Borussias Stadionsprecher Torsten Knippertz angestimmten „VfL! VfL“-Gesang nicht mitmachen. „Kommt Jungs, bei aller Liebe, das geht gar nicht“, kölnerte der Barde, „Brings“ waren dennoch ein Höhepunkt des Abends, der „hinten raus“ nochmal richtig Fahrt aufnahm: Nach „Brings“ rockte „Kasalla“, dann kam die imposante Akrobatic der „Luftflotte“ und schließlich „Die Rabaue“.

Letztere haben von den 17 Borussen-Sitzungen alle mitgemacht. Dass Alex Barth und Keyboarder Peter van den Brock mit Gladbach-Schal auf die Bühne kamen, zeigte die verbindende Kompetenz des Karnevals. Barth, der zuletzt auch eine Gladbach-Fahne schenkte, lud letztlich einige Sitzungs-Gäste auf die Bühne ein, der Elferrat kam dazu, und so tanzte und schunkelte die Bühne ebenso bunt und munter wie der Saal.

Möglich, dass eben diese Annäherung der fußballerischen Erz-Rivalen auch eine Triebfeder der Idee war, die Toni Polster, der für Köln und Gladbach stürmte und dann Marketing-Praktikant bei Borussia war, 2001 hatte. Polsters Kontakte zu den Protagonisten des Kölner Karnevals halfen, die Gladbacher Sitzung prunkvoll zu besetzen. Auch dieses Mal waren Guido Cantz, Bernd Stelter und Fritz Schopps da als jecke Redner. Die „Black Fööss“ kamen auch, „sie sind eine der wenigen Bands, deren Songs jeder mitsingen kann“, befand Kleuser und der Auftritt der „Föös“ belegte das.

„Die Fohlen blühen auf“ war das Motto des Abends in Anlehnung an das allgemeine Motto des städtischen Karnevals (“Gladbach blüht auf“). Dass sich der Slogan mit dem ersten Teil der Saison illustrieren lässt, in dem Borussia schön und erfolgreich spielte und als Dritter in den zweiten Saisonteil startet, passt ins Bild.

Und weil im Karneval alles so einfach ist, gab Willi Kleuser einen ebenso logischen wie effizienten Ansatz für die Borussen in den kurzen Hosen, die, auch das traditionell seit vielen Jahren, nicht dabei waren im Kunstwerk, dieses Mal, unter anderem weil sie beim Telekom-Cup beschäftigt waren: „Wir müssen ganz einfach immer ein Tor mehr schießen als der Gegner“, rief er. Ein „Tätä-tätä-tätä“ gab es nicht im Anschluss. Der Satz war nicht als Pointe gemeint, sondern als nützlicher Hinweis.

Rainer Bonhof, der Vizepräsident, nutzte die Sitzung derweil, das im Klub wichtige Thema Internationalisierung nicht nur für Europa zu definieren: Er kam als Chinese. In China hat Borussia neuerdings ein Büro. Für den Karneval indes eignen sich doch eher Lieder aus Liverpool und vor allem Köln.

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