Borussia Mönchengladbach: Thuram, Embolo, Plea, Herrmann, Stindl gegen Bayerns Lewandowski

Fünferpack gegen Fünferpacker Lewandowski : Borussias Torfabrik will Bayerns One-Man-Show übertrumpfen

Bayern-Stürmer Robert Lewandowski hält mit fünf Toren in neun Minuten einen Rekord. Er ist auch in dieser Saison der Torgarant des Rekordmeisters. Bei Borussia sind es dagegen gleich fünf Angreifer, die Spiele entscheiden können.

Es steckt in der Tradition der beiden Mannschaften, dass sie für viele Tore gut sind. Auch in den direkten Duellen zwischen Borussia und dem FC Bayern Bayern gab es häufig sehr viele Treffer. So sind die Münchner der Gegner, gegen den Gladbach in der Bundesliga die meisten Tore erzielte (129), andersrum ist aber Borussia das Team, gegen den der FCB bislang am häufigsten traf (195). Auch in der aktuellen Saison sind die Offensivreihen der beiden Klubs in Torlaune, nur RB Leipzig (36) erzielte bislang mehr Tore als Bayern (34) und Gladbach (28). 16 Treffer produzierte das Team von Marco Rose in den vergangenen vier Heimspielen (5:1 gegen Augsburg, 4:2 gegen Frankfurt, 3:1 gegen Bremen, 4:2 gegen Freiburg).

Das Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer und dem Vierten der Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr) verspricht also viele Tore. Und  es könnte auch spielerisch zu einem Highlight der bisherigen Saison werden. Doch in Sachen Torverteilung gibt es bei Borussia und Bayern unterschiedliche Vorzeichen. Während in München vor allem Robert Lewandowski dafür zuständig ist, die Anzeigetafel auf Bayern-Seite zu füllen, ist diese Lust bei Borussia auf mehreren Schultern verteilt.

Fünf Stürmer haben für die Gladbacher in dieser Saison bereits Spiele entschieden. Marcus Thuram, Alassane Plea, Patrick Herrmann, Breel Embolo und Lars Stindl wurden zu Helden. Durch diese Vielseitigkeit hatte Borussia in jeder Phase der bisherigen Spielzeit eine funktionierende Offensive, die ein Grund dafür ist, dass Gladbach derzeit die Bundesliga anführt.

Während auch im Topspiel bei den Bayern die Stürmer-Konstellation relativ klar ist und Lewandowski derjenige sein wird, der in erster Linie für die Tore sorgen soll, wird es eine der Aufgaben für Gladbachs Trainer Marco Rose sein, die richtigen Entscheidungen in der Offensive zu finden. „Es ist egal, was ich mache, jeder fragt mich nach dem anderen Spieler“, sagt der 43-Jährige auf die Frage, ob Plea am Samstag wie gegen Freiburg lediglich auf der Bank sitzen könne. „Aber das ist eine sehr schöne Situation. Wir reden da nicht nur über Plea, sondern auch über Lars Stindl. Ich würde sagen: Lasst euch überraschen.“

Kapitän Stindl war in der vergangenen Saison der Bayern-Experte der Gladbacher, das wird auch Rose wissen. Sein Vorgänger Dieter Hecking brachte Stindl überraschend im Hinspiel in München von Anfang an und der Stürmer führte sein Team mit einem eigenen Tor zum 3:0-Erfolg beim Rekordmeister. Er erzielte auch den einzigen Borussia-Treffer beim 1:5 im Rückspiel im Borussia-Park.

Plea dagegen wird auch besonders heiß auf die Partie gegen die Bayern sein. Dass er gegen Freiburg nur auf der Bank saß, dürfte dem Franzosen nicht gefallen haben. Hinzu kommt, dass sein letzter Treffer schon zwei Monate her ist. Torlosigkeit gehört nicht zu seinem Selbstverständnis. Da bietet das Spitzenspiel die perfekte Gelegenheit, diese Dinge zu korrigieren.

Doch da gibt es noch die drei Angreifer, die zuletzt gegen Freiburg überragten – und die auch deshalb wohl gegen Bayern wieder ran dürfen. Thuram ist seit Wochen in Topform, in den vergangenen neun Ligaspielen war er an zehn Toren beteiligt. Herrmann läuft dagegen vor allem im heimischen Borussia-Park richtig heiß. Fünfmal traf der 29-Jährige bei seinen vergangenen vier Einsätzen in Gladbach. Und Embolo zeigte gegen Freiburg nach seiner Rückkehr nach einem Muskelfaserriss, dass er seine Power zurückhat: Er traf zweimal und bereitete ein Tor vor.

Was am Samstag auch für diese Dreierkonstellation im Sturm spricht, ist ihr Geschwindigkeits-Plus gegenüber Stindl und Plea. Denn Tempo ist das Attribut, mit dem die Bayern am ehesten zu knacken sind, das hat Bayer Leverkusen am vergangenen Spieltag bei deren 2:1-Erfolg in München bewiesen, als gerade Leon Bailey den FCB-Verteidigern immer wieder enteilte. Vielleicht setzt Rose aber auch auf die Passqualitäten von Stindl oder Plea, die die schnellen Außenspieler in Szene setzen können.

Beim Gegner ragt die Statistik von Lewandowski heraus. 27 Tore erzielte er in 21 Pflichtspielen, 16 davon in seinen 13 Bundesligaeinsätzen. Er ist nach wie vor der Weltrekordhalter im Toreschießen, weil er 2015 gegen Wolfsburg als Joker fünfmal in neun Minuten traf. In der Champions League beim 6:0 in Belgrad war er vor kurzem auf einem ähnlichen kurz, schoss vier Tore in 14 Minuten. In der Bundesliga ist er jedoch seit zwei Spielen ohne Erolgserlebnis.

Borussia wird alles daran setzen, dass die Serie von Bayern-Knipser Lewandowski, der als einer der besten Mittelstürmer der Welt gilt, auch am Samstag weitergeht. Aber Rose warnt davor, sich nur auf den Polen zu konzentrieren. „Das ist eine Aufgabe, die Balance zu finden. Wenn wir uns zu sehr auf ihn fokussieren und vergessen, dass auf den Außen zwei bärenstarke Spieler sind und im Mittelfeld torgefährliche Spieler, wird es gefährlich“, sagt Gladbachs Trainer. „Sie haben schon das gesamte Paket. Wir müssen extrem aufmerksam sein, können uns keine Pausen erlauben.“

Das darf aber auch Bayerns Defensive bei Borussias Fünferpack im Sturm nicht. Es könnte das Spitzenspiel der Tore werden.