Borussia Mönchengladbach: Thorgan Hazard und die Feinheiten der Wortwahl

Borussias Belgier im vorläufigen WM-Kader : Thorgan Hazard und die Feinheiten der Wortwahl

Borussias Thorgan Hazard nennt seine WM-Ambitionen mit Belgiens Nationalmannschaft lieber ein "Ziel" als einen "Traum". Den nächsten Schritt hat er am Montag gemacht.

Thorgan Hazard fand Erwähnung, aber er war kein großes Gesprächsthema auf der Pressekonferenz, die Belgiens Nationaltrainer Roberto Martínez am Montag gegeben hat, um seinen vorläufigen Weltmeisterschafts-Kader zu verkünden. Für einen Spieler, der noch bei keinem großen Turnier dabei war, dem aber sehr gute Chancen zugerechnet werden, es diesmal zu schaffen, ist das ein wohltuendes Maß an Aufmerksamkeit. Hazard zählt zu den 28 vorläufig Nominierten, spätestens am 4. Juni muss Martínez fünf Profis streichen.

Bei den "Roten Teufeln", wie Belgiens Nationalteam genannt wird, hat Hazard eine ähnliche Entwicklung zurückgelegt wie bei Borussia - nicht explosionsartig, aber stetig. Nach der Europameisterschaft 2016, die Hazard verpasste, war er immer dabei, sofern die Gesundheit es zuließ. Aus dem Dabeisein wurden Kurzeinsätze, aus Kurzeinsätzen wurden Spiele in der Startelf. Im Oktober 2017 gelang ihm beim 4:0 gegen Zypern in der WM-Qualifikation sein erstes Länderspieltor.

Bruder Eden traf zweimal, dazu noch Romelu Lukaku. Allein diese beiden Namen untermauern, mit welcher Konkurrenz es der "kleine" Hazard in Belgien zu tun hat. Es wird im europäischen Fußball inflationär häufig eine "Goldene Generation" ausgerufen, aber bei Deutschlands Nachbarn kann man kaum widersprechen. Eden Hazard, Romelu Lukaku, Kevin De Bruyne, Thibaut Courtois und Co. sorgen dafür, dass Belgien die beiden Vorsilben Geheim- gestrichen hat und nun offiziell als einer der Favoriten auf den Titel gilt.

Thorgan Hazard trägt seinen Teil zu dieser Evolution der Wortwahl bei. Spieler wie er sorgen für das nötige Star-Potenzial auf der Bank. Seinen Bruder vom FC Chelsea, De Bruyne von Manchester City, Dries Mertens vom SSC Neapel, Kevin Mirallas von Olympiakos Piräus und Divock Origi vom VfL Wolfsburg zählte Hazard bei einem Pressetermin auf, als es um die größten Konkurrenten auf seiner Position in der Offensive ging. "Ein paar habe ich jetzt sicherlich vergessen", sagte Hazard, der es nun bestimmt als gutes Zeichen werten kann, dass Mirallas und Origi gar nicht berufen wurden. Nun muss er Spieler wie Nacer Chadli von West Bromwich Albion und Adnan Januzaj von Real Sociedad hinter sich lassen. Experten rechnen dem 25-Jährigen sehr gute Chancen zu, das zu schaffen.

"Als Kind war es ein großer Traum, jetzt würde ich eher von einem Ziel sprechen, diese WM zu spielen", sagte Hazard. Auch diese Wortwahl zeugt von seinem gestiegenen Stellenwert. Fragen nach seiner Zukunft beantwortete er wie gewohnt mit einem Hinweis auf seinen bis 2020 laufenden Vertrag in Gladbach und betonte, dass er sehr glücklich sei bei Borussia - auch ohne Europapokal-Qualifikation. Dass Hazard auf der imaginären Liste der Spieler steht, für die im Sommer so große Angebote eingehen könnten, dass Borussia nicht ablehnen kann, will oder beides, dafür sorgen mehrere Faktoren: die schweißtreibende Temperatur des Transfermarktes, Hazards wohl anstehende WM-Teilnahme, sein Entwicklungspotenzial und seine bereits gezeigten Leistungen.

"Ich habe meine Arbeit gemacht", sagte Hazard. Erstmals traf er zweistellig in der Bundesliga, auch dank seiner fünf verwandelten Elfmeter, die er allerdings gar nicht nötig gehabt hätte, um diese Marke zu erreichen. Nur Robert Lewandowski, Timo Werner und Michael Gregoritsch gaben mehr Torschüsse ab, nur fünf produzierten mehr Torgefahr - aber keiner ließ mehr liegen.

Das Zwischenziel auf dem Weg zur WM heißt Portugal. Nach dem Testspiel am 2. Juni streicht Nationalcoach Martínez fünf Spieler. Da wäre es für Thorgan Hazard noch einmal gut, kein Gesprächsthema zu sein, weil er dann dabei wäre. Das WM-Ticket für Russland wäre der konsequente nächste Schritt in seiner Laufbahn.

(RP)
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