Borussia Mönchengladbach: Thorgan Hazard ist begehrt

Borussias Angreifer ist begehrt : Hazard und das Prinzip Abwarten

Der belgische Stürmer ist umworben, der FC Valencia ist derzeit sehr interessiert. Dass es für Hazard ein unmoralisches Angebot geben könnte, ist zu vermuten. Da er definitiv zum belgischen Kader gehört, dürfte vor der WM eher nichts fix gemacht werden.

Thorgan Hazard betrat die Bühne mit entschlossenem Blick. Gern hätte er ein Tor erzielt für Belgien gegen Portugal, natürlich, schließlich ist das sein Job. Denn Hazard ist Angreifer, ein recht flotter und ballfertiger sogar, hinzu kommt noch der klangvolle Nachname: Hazard eben. Sein Bruder Eden, der beim Testspiel am späten Samstagabend den Platz für den Borussen frei machte. Nun, es wurde nichts mit dem Hazard-Tor gegen den Europameister, es blieb beim 0:0. Doch dürften Späher verschiedener Klubs die zehn Minuten von Hazard, dem jüngeren, ganz genau angeschaut haben. Denn Thorgan Hazard ist auf dem Markt, trotz des bis 2020 dotierten Vertrages, den er in Gladbach hat.

Hazards Vater Thierry und seine Berater, zu denen, zumindest im spanisch-sprachigen Raum, offenbar auf der Ex-Borusse Alvaro Dominguez gehört, bieten ihn recht offensiv an. Vergangene Woche wurden sie in Valencia fotografiert. Dort, so ist zu vernehmen, wird auch verhandelt. Auch Atlético Madrid soll Interesse haben, hinzukommen einige englische Klubs, die sich vermutlich vorstellen können, Hazard künftig zu beschäftigen.

Dass Hazard zu den Borussen gehört, die „nicht unverkäuflich“ sind, wenn ein unmoralisches Angebot eingeht, eines also, das nicht abzulehnen ist, ist bekannt. Und dass Hazard möglicherweise der Wahrscheinlichste auf der Liste ist, kann man sich zusammenreimen. 30 Millionen Euro, wird nun kolportiert, soll Valencia bereit sein zu zahlen, das geht in eine Richtung, die für Gladbach interessant sein dürfte.

Trotzdem: Zum jetzigen Zeitpunkt dürfte es in der Causa Hazard keine Entscheidung geben, vor allem nicht, da er seit Montagmorgen die Gewissheit hat, zum belgischen WM-Aufgebot zu gehören. Denn die Bühne in Russland ist noch mal um einiges größer, und selbst kleinste Großtaten dort könnten für größte Reflexe auf dem Transfermarkt sorgen – kurz gesagt: Wenn Thorgan Hazard zur WM fährt, steht er in einem quasi goldenen Schaufenster.

Die Idee, dass er nächste Saison kein Borusse mehr ist, ist nicht absurd. Doch muss er erst mal ersetzt werden, denn seine Geschwindigkeit mit dem Ball am Fuß ist beachtlich. Schnelligkeit ist demnach ein wesentliches Suchkriterium, das zweite sind Tore. Das sind zwei Faktoren, die Geld, vielleicht sogar viel Geld kosten, zumal, wenn noch ein wenig Erfahrung dazu kommen soll. Hazard ist 25 Jahre alt. So alt ist auch ein gewisser Niclas Füllkrug.

Ob er der Weisheit letzter Schluss wäre, kann man diskutieren. Einen spielenden Mittelstürmer hätten die Borussen gern, ist zu hören. Ein Mittelstürmer ist der Hannoveraner definitiv, aber auch ein spielender? Und ein schneller? Und wie groß ist bei ihm die Torgarantie, schließlich war es die erste wirklich aufregende Bundesliga-Saison Füllkrugs, der 14-mal für Hannover traf? 15 Millionen Euro plus X sind angesichts dieser Fragen ein stolzer Preis, selbst wenn zum Beispiel Hazard-Millionen da wären.

Dass Raúl Bobadilla gehen wird, ist denkbar, es gibt wohl Interessenten in seiner argentinischen Heimat, die Argentinos Juniors. Aber was ist mit Josip Drmic? Der machte zum Ende der Saison einen starken Eindruck und möchte das am liebsten nun bei der WM fortsetzen. Dass ihn Trainer Vladimir Petkovic ins Schweizer Aufgebot beruft, ist nicht unwahrscheinlich. Auch Drmic könnte ein Wechselkandidat sein – aber eben auch ein Kandidat für den künftigen Mittelstürmer-Job in Gladbach? Drmics Vertrag indes endet 2019, das könnte ein Argument für einen Wechsel sein.

Dass große Ausgaben große Einnahmen voraussetzen, hat Max Eberl gesagt. Und auch, dass es keinen radikalen Umbruch geben wird. Sollte nun Hazard gehen, sollte ein anderer, der aktuell an vielen Stellen gehandelt wird, eher nicht gehen: Vincenzo Grifo, der erst in Bremen, dann in Hannover, dann in Italien und nun in Hoffenheim ein Thema war oder ist. Grifo ist wie Hazard vor allem Linksaußen und hofft, so sagte er zumindest im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es mit ihm und Gladbach im zweiten Anlauf klappt. Ob es so kommt? Abwarten. Das dürfte übrigens jenseits des „alles ist möglich“ das oberste Prinzip dieser Transferperiode sein.

(kk)
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