Borussia Mönchengladbach: Team besteht Charaktertest im DFB-Pokal

Nach dem 11:1 im Pokal kommt Leverkusen : Borussias Start macht Lust auf mehr

Borussia hat beim BSC Hastedt die Pflichtaufgabe in der ersten Pokalrunde erfüllt. Doch es war mehr. Denn das Team von Trainer Dieter Hecking hat den Fans viel Spaß bereitet mit der Art und Weise, wie es gegen den Fünftligisten gespielt hat.

Siege sind Siege, und im Pokal bedeuten Siege, einen Schritt weiter zu sein, in Borussias Fall ist es die zweite Runde. Dass sie diese erreicht, musste angesichts des Loses BSC Hastedt aus der Bremen-Liga vorausgesetzt werden. Weswegen es in Spielen wie diesen auch um die Art und Weise geht. Man kann so etwas einfach abwickeln, glanzlos und pflichtbewusst. Zumal die Borussen sich vorgenommen haben, in der neuen Saison ihren Fans wieder Spaß zu bereiten. Und das haben sie getan beim 11:1-Sieg.

„Gladbach wollte zu 100 Prozent gewinnen“, sagte Hastedts Trainer Gökhan Deli. Genau genommen war es das größte Kompliment, das er der Mannschaft seines Kollegen Dieter Hecking machen konnte. Der war in der vergangenen Saison des Öfteren vorgeworfen worden, das eine oder andere Spiel zu lasch angegangen zu sein. Diese Selbstgefälligkeit hat Hecking auf den Index gesetzt. So war das Spiel bei dem schon vom Papier her hoffnungslos unterlegenen Gegner auch ein Charakter-Test. Borussia hat ihn bestanden.

Der Hunger ist wichtig im Fußball, und zwar auch dann, wenn schon ein Sättigungsgefühl da ist. Spätestens nach 15 Minuten war das Spiel in Hastedt entschieden (eigentlich schon nach kaum drei Minuten, als Thorgan Hazard den Elfmeter zum 1:0 verwandelte), doch Borussia blieb dran. „Als wir zur Halbzeit 6:0 geführt haben, haben wir uns vorgenommen, ein zweistelliges Ergebnis zu erzielen“, sagte Tony Jantschke. Statt von Spiel zu Spiel zu denken, wurde nun von Halbzeit zu Halbzeit gedacht. Mit einigem Effekt.

Dass Jantschke und die anderen, die spielten, zugleich ein Statement in eigener Sache abgaben, versteht sich von selbst. „Der Konkurrenzkampf ist bei uns in dieser Saison groß. Keiner kann sich zurücklehnen“, sagte Jantschke. Hecking unterstrich das, indem er anmerkte, dass die Hastedt-Elf mitnichten im Vorteil sei. „Es sind heute Spieler auf der Bank geblieben, die eine Alternative für die Startelf am kommenden Samstag sind“, sagte der Trainer mit fast genüsslichem Unterton. Es gibt keine Garantien.

Hecking lebt die Entschlossenheit vor, die er sich von seinem Team wünscht. Er ist mit dem Systemwechsel und dem mutigeren Ansatz in die Offensive gegangen, seine Mannschaft folgt ihm offenbar, das jedenfalls ist der Subtext des Spiels in Hastedt. Seriös und konzentriert waren die Borussen, aber eben auch voller Tatendrang.

Alle Offensiven aus der Startelf trafen: Alassane Plea stellte klar, dass er ein Abschlussspieler ist, Thorgan Hazard zwirbelte einen Freistoß edel ins Tor und Raffaels Fernschuss war so kraftvoll, dass er allein ausreichte, um den Aggreggatszustand der Borussen zu beschreiben: totale Entschlossenheit. Dass alle drei dreimal trafen, belegt: Sie haben sich etwas vorgenommen für die neue Saison.

Ein bisschen hat es etwas Trotziges, wie die Borussen und ihr Trainer derzeit unterwegs sind. Sie wollen der Welt zeigen, was sie drauf haben, sie wollen zeigen, dass die letzte Saison, die ihnen viel schlechte Kritik eingebracht hat, nicht die reine Wahrheit ist über Borussia. Wenn sie daraus die nötige Energie ziehen und wenn Trotz Tore macht, bitte weiter so.

Natürlich ist ein Sieg gegen Hastedt nie, auch nicht, wenn er zweistellig ist, zu hoch zu hängen. Nochmal: Es ist Pflicht, dort nicht zu scheitern. Doch es gibt eben auch das dünne 1:0 in Drochtersen vor zwei Jahren oder das umkämpfte 2:1 in Essen wie 2017, die arg schleppend waren. Da konnte man Siegermentalität extrahieren, aber keinen Esprit.

Nun hat Borussia aus dem Spiel in Hastedt das Optimum heraus geholt und aus einem Spiel, in dem sie nur verlieren konnte, wirklich gewonnen. Denn Hecking hat ein Hauptthema für die neue Saison definiert: Tore. Und wenn es davon derer elf gibt, dann ist das schon was, auch gegen einen Fünftligisten. Kein anderes Team hat höher gewonnen in dieser ersten Pokalrunde, nie gab es einen höheren Pokal-Erfolg in der Gladbacher Klubgeschichte.

Es gab in der jüngeren Vergangenheit oft viele Ansagen, was die Borussen alles so vorhatten. Doch die Taten blieben zu oft aus. Nun haben sie Tore sprechen lassen, und die Erkenntnis nach dem ersten Pflichtspiel der Saison ist zunächst mal eine positive: Borussia hat offenbar Bock auf guten Fußball. Nun gilt es, das auf die Bundesliga zu übersetzen. Der Start macht Lust auf mehr.

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