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Borussia Mönchengladbach: Talent Louis Hiepen geht den dualen Weg über die Uni Las Vegas

Las Vegas statt Gladbach : Warum Louis Hiepen in die USA wechselt

Der 19-jährige Louis Hiepen kehrt Borussia Mönchengladbach den Rücken. Er studiert und spielt künftig in der US-amerikanischen Glücksspiel-Metropole Las Vegas im Bundesstaat Nevada.

Das fußballerische Leben von Louis Hiepen hat sich bislang in einem überschaubaren Radius abgespielt. Er hat beim Mönchengladbacher Kreisligisten SC Hardt angefangen, dann ist er mit acht Jahren zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Der Borussia-Park ist kaum drei Kilometer Luftlinie vom Sportplatz in Mönchengladbacher Stadtteil Hardt entfernt. Nun ändert sich das Entfernungs-Thema extrem: Hiepen wird künftig für die Fußballmannschaft der University Nevada Las Vegas (UNLV) spielen.

Hiepen war elf Jahre Borusse, in der vergangenen Saison rückte er aus der U19 in die U23 auf. Der Vertrag lief bis 2021, er wollte versuchen, sich im Regionalliga-Team zu etablieren und ausloten, was geht in Richtung Profi-Team. Er lebte seinen Fußball-Traum, als Gladbacher für Borussia zu spielen. Doch weil er sich zu Beginn der Saison den Knöchel brach, machte er nur ein Spiel. Als er wieder bereit war, kam Corona. „Es ist unglücklich gelaufen“, sagt er.

Dann kam das Angebot aus Las Vegas. Ein Stipendium für drei bis vier Jahre, eine duale Ausbildung als Student und Fußballer. „Das ist eine sehr gute Mischung“, sagt Hiepen. „Es war schon im letzten A-Jugendjahr nicht so optimal gelaufen für mich. Und dann das Verletzungspech in dieser Saison. Klar, dass man sich da Gedanken macht“, sagt Hiepen, der zuletzt bei der „Bundesliga Home Challenge“ zweimal an der Spielkonsole für Gladbach auftrumpfte.

Er hatte das Gefühl, dass nach all den Jahren bei Borussia etwas Neues kommen musste, zumal er erlebt hat, wie dünn das Eis auf dem Weg in den Profi-Fußball sein kann. Darum entschied er: Las Vegas statt Gladbach.

Mit seinen Eltern hat Hiepen das Thema ausführlich diskutiert, beide haben ihm dazu geraten, in die USA zu gehen. „Sie haben mir gesagt, dass es eine super Chance ist., weil ich mich damit sehr breit aufstelle und nicht nur auf eine Sache setze. Ich kann mich für mein Leben absichern mit dem Studium und habe zugleich die Möglichkeit, noch Profi zu werden“, sagt Hiepen.

Natürlich hat er dabei die Option nordamerikanische Profi-Liga, die Major League Soccer (MSL) im Kopf. Dass das Team Uni in Las Vergas ein Sprungbrett in die erste Klasse des US-Fußballs sein kann, hat ein anderer gebürtiger Mönchengladbacher kürzlich erlebt: Timo Mehlich (22), der 2016 zur UNLV gewechselt war, wurde im Januar von Meister Seattle Saunders gedraftet, der ihn dann aber an den Zweitligisten Rio Grande Valley FC Torros weitergegeben hat. Robin Afamefuna (22, University of Virginia, bis 2016 bei Borussia) wurde von den Colorado Rapids ausgewählt.

Der College-Sport hat einen hohen Stellenwert in den USA. Es gibt keine Vereine, die Nachwuchsarbeit machen, junge Spieler kommen von den Colleges, für die sie drei bis vier Jahren spielen. Bei den Drafts, die es in allen US-Sportarten gibt, suchen sich die Profi-Klubs die Spieler der Reihe nach aus. Hiepen ist auch jetzt nicht der einzige Deutsche, der sich über den Umweg Las Vegas für eine Profi-Karriere bewerben will. Stürmer Valentin Hafner wechselt vom SSV Ulm zu den „Rebels“, wie sich das UNLV-Team nennt.

Und es ist ein weiterer Gladbacher dort: Nicolas Clasen (23). Der Mittelfeldmann, der in der Jugend für Borussia, zuletzt aber beim Bezirksligisten Sportfreunde Neuwerk spielte, ist Stammkraft des Uni-Teams. Er sei in seinen ersten beiden Jahren einer der wirkungsvollsten Spieler gewesen, ist über ihn zu lesen. Der gebürtige Kölner Lucas Betz (22), der von 2014 bis 2017 Borusse war, ist Torwart bei den „Rebels“. Die deutsche „Fußballer-Kolonie“ im US-Wüstenstaat macht Hiepen den Einstieg dort vermutlich leichter.

Hiepen hofft, dass er bis Mitte Juli übersiedeln kann vom Niederrhein nach Nevada. Wegen der Corona-Pandemie ist nicht sicher, ob der eigentliche Zeitplan eingehalten werden kann. Unabhängig davon: „Es ist natürlich ein Megaschritt“, gesteht er.

Es gibt Agenturen, die jungen Sportlern Stipendien an US-Colleges vermitteln. Bei Hiepen war der Weg ein anderer. Der Kontakt nach Las Vegas besteht schon seit 2016. Damals war er mit der Gladbacher C-Jugend bei einem Turnier dort. Mit Louis Beyer, der den Schritt in den Profi-Fußball geschafft hat und derzeit an den Hamburger SV ausgeliehen ist, war er in einer Gastfamilie. „Die Beziehung zu der Familie ist nicht abgebrochen“, sagt Hiepen. Das zahlt sich nun aus.

Im ersten Semester wird er sich orientieren, welchen Studienschwerpunkt er wählen will. Hotelmanagement ist in Las Vegas ein angesehener Studiengang, was nicht verwundert angesichts der Infrastruktur der Stadt. Dass er von all dem Vegas-Glamour verführt wird, glaubt er nicht. „Ich kann mich ganz gut auf das Wesentliche konzentrieren“, versichert Hiepen. Sein Ziel bleibt, Fußball-Profi zu werden und auf möglichst hohem Level zu spielen. Aber er hat dann eben auch die Alternative, falls es nichts wird. „Und außerdem ist es eine Riesenerfahrung für mich als Mensch“, sagt Hiepen.