Borussia Mönchengladbach sucht gegen RB Leipzig Ersatz für Matthias Ginter und Jonas Hofmann

Drei Ausfälle : Das sind Heckings Optionen für das Leipzig-Spiel

Die Ausfälle von Jonas Hofmann, Matthias Ginter und Christoph Kramer zwingen Borussias Trainer Dieter Hecking, für die Partie in Leipzig umzudenken. Wie könnte der Trainer aufstellen?

Im Spitzenspiel des Tabellenzweiten beim -vierten RB Leipzig muss Borussia auf vier Spieler verzichten: Christoph Kramer (Außenbandanriss im Sprunggelenk), Mamadou Doucouré (Muskelbündelriss im Oberschenkel), Matthias Ginter (Frakturen der Augenhöhle und des Kiefers) und Jonas Hofmann (Muskelverletzung im Hüftbeuger). Aufgrund der Ausfälle der beiden Letztgenannten ist Trainer Dieter Hecking erstmals in dieser Saison zu einem größeren Personalpuzzle gezwungen. Das sind die Optionen.

Nachdem sich Ginter beim 4:1-Heimsieg über Hannover so schwer verletzte, kam Tony Jantschke in die Innenverteidigung und überzeugte mit der Vorlage zum 2:1 durch Michael Lang sowie einem guten Defensivspiel. „Wir haben schon auf dem Platz gemerkt, dass eine größere Verletzung vorliegt“, sagte Hecking über Ginter. „Das hat uns schon getroffen, weil Matze eine herausragende Saison gespielt hat. Wir müssen bis Weihnachten ohne ihn auskommen. Dass Tony da eine Option ist, liegt auf der Hand, nicht nur, weil er der dritte Innenverteidiger ist, sondern weil er seine Aufgaben eigentlich immer hervorragend gelöst hat, wenn er gespielt hat.“

Allerdings merkte Borussias Trainer auch an, dass er sich mit Alternativen beschäftigen müsse, denn „Tony kann ja auch krank werden“. Unter der Woche hatte Hecking bereits davon gesprochen, dass auch „Sechser“ Tobias Strobl den Job in der Abwehrmitte übernehmen könne, auch Denis Zakaria brachte er da ins Spiel.

Am Freitag legte der Trainer noch einen Namen nach: „Jordan Beyer ist im Moment so ein bisschen untergegangen, weil Michael Lang gekommen ist und er zwischendurch ein-, zweimal leicht verletzt war“, sagte Hecking über das Eigengewächs, das die ersten drei Pflichtspiele auf dem Platz stand und am Dienstag in der Nachwuchsrunde bei Roda Kerkrade „der überragende Mann“, war, wie Hecking sagte. „Ich traue ihm zu, dass er jetzt einspringen kann“, ergänzte der Trainer.

Die wahrscheinlichste Option ist aber weiterhin Jantschke, was auch mit den Ausfällen von Kramer und Hofmann zusammenhängt. Ohne Kramer wird Strobl auf der Sechs benötigt und daher wohl nicht in die Abwehr rücken, zudem muss Hecking eine Alternative für Hofmann finden. Die wahrscheinlichste ist da Zakaria, der also auch nicht in die Innenverteidigung oder auf die Sechs gehen dürfte. Für einen Posten im Mittelfeld nannte Hecking auch Michael Cuisance und Laszlo Bénes als Optionen. Der junge Franzose ist in dieser Saison dreimal in der Liga eingewechselt worden und kann ebenso auf der Sechs und der Acht spielen wie der junge Slowake, der das im Testspiel gegen Münster vor rund zwei Wochen bereits tat. Von der Acht bereitete er ein Tor vor, nach Kramers Verletzung ging er auf die Sechs, für beide Rollen lobte Hecking ihn. Da Florian Neuhaus auf der Acht alle Pflichtspiele bestritten und mit sieben Assists der beste Vorlagengeber der Liga ist, geht es nur um die Besetzung der Achter-Position, die sonst Hofmann innehat.

Der war im Heimspiel gegen Hannover 96 noch 90 Minuten dabei, weshalb Hecking schon ein bisschen testen konnte: Begonnen hatte Borussia mit Hofmann und Neuhaus auf den Achter-Positionen, Alassane Plea stürmte links, Lars Stindl in der Mitte, Thorgan Hazard rechts. Der Belgier blieb nach der Pause allerdings auf der Außenbahn, auf der er auch den ersten Durchgang bestritten hatte, obwohl die Teams natürlich die Seiten gewechselt hatten. Die Zuschauer auf den Tribünen sahen Hazard also in beiden Halbzeiten gleich: je nach Sitztribüne von sehr weit weg oder von ganz nah.

Das war aber nicht Heckings einzige Rochade: Er stellte Hofmann auf den nun freien rechten Flügel, zog Stindl auf dessen Position ins Mittelfeld zurück, zudem ging Plea in die Sturmmitte und machte auf außen Platz für Hazard. Der hatte in Hälfte eins noch vom rechten Flügel ein traumhaftes Tor geschossen, nun bereitete er ein ebenso schönes vom linken Flügel vor: Sein gefühlvoller Heber landete genau in dem Raum vor dem Hannoveraner Tor, in den Stindl aus dem Mittelfeld hineinsprintete und den Ball volley ins Tor drosch zum 3:1. Man darf sagen: Die Personalrochade hatte da Früchte getragen.

Das tat auch die nächste in diesem Spiel. Als Hecking Plea nach 75 Minuten vom Feld nahm, ging Stindl wieder ins Sturmzentrum, Zakaria übernahm die Acht – und hatte von da aus binnen kürzester Zeit zwei gute Torchancen, von denen er die zweite zum 4:1-Endstand nutzte. Hecking hatte zwar das 4-3-3 komplett beibehalten, es durch seine Rochaden aber mit ständig neuen Impulsen versehen: Erst mit bestehendem Personal, dann mit einer Einwechslung. Zu guter Letzt kam Raffael in der 81. Minute für Stindl, es war ein Eins-zu-Eins-Positionswechsel im Sturmzentrum.

Sollte in Leipzig also wirklich Strobl statt Jantschke in die Innenverteidigung rücken, Zakaria dafür auf die Sechs gehen, bräuchte es einen Achter. Das könnte, wie gegen Hannover, Stindl sein, Raffael dann zentral stürmen. Oder Plea geht ins Zentrum und dafür kommt der zuletzt nicht berücksichtigte Patrick Herrmann zurück ins Spiel. Für den Flügelspieler sprechen seine läuferischen Fähigkeiten, seine defensiven Stärken und zwei Tore und zwei Vorlagen in seinen bisherigen sieben Liga-Einsätzen diese Saison.

Die bessere Defensivarbeit spricht eher für Herrmann als für Ibrahima Traoré, der auch auf dem Flügel spielen könnte.

Allerdings: Strobl in die Abwehr zu versetzen, hätte Auswirkungen auf Borussias gesamte Aufstellung. Das darf als unwahrscheinlich angesehen werden, zumal Hecking am Freitag sagte: „Ich neige dazu, Aufstellungen, die gut funktionieren, beizubehalten. Wir haben nur einen Wettbewerb und brauchen nicht ständig rotieren.“ Zwar ist er durch die Ausfälle zu Änderungen gezwungen, das wird aber vermutlich nicht fünf bis sechs Positionen betreffen. Wahrscheinlicher ist also: Jantschke in die Innenverteidigung zu stellen, Strobl auf die Sechs, Zakaria auf die Acht – und ansonsten bleibt alles wie gegen Hannover.

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