Borussia Mönchengladbach sucht den Schulterschluss

Borussia braucht ein Erfolgserlebnis: Gladbach sucht den Schulterschluss

Das Borussen-Duell der Bundesliga wird für die Elf vom Niederrhein richtungweisend. Gibt es gegen den BVB die nächste Niederlage, verschlimmert das Gladbachs Situation. Eine weitere Saison ohne Europa wäre ein arger Rückschlag.

Max Eberl, Manager von Borussia Mönchengladbach, und Dieter Hecking, der Trainer des Klubs, haben in den vergangenen Tagen vergleichende Fußballwissenschaft betrieben. Sie haben sich die Datensätze der ersten fünf Saisonspiele angeschaut und sie mit denen der ersten fünf Rückrundenspiele verglichen. Ergebnis: "Wir haben uns in allen Punkten verbessert - außer in den Ergebnissen", sagt Hecking. Acht Punkte hatte Borussia nach fünf Spieltagen, jetzt sind es nach den Rückspielen gegen diese Gegner nur drei. Weswegen die Argumente fehlen, solche Statistiken mit gutem Gewissen zu verkaufen. Wer keine Ergebnisse bringt, hat kaum Argumente.

Gleichwohl ist der Ansatz von Eberl und Hecking einer, zu dem wohl jeder Sportpsychologe raten würde: Auch nach vier Niederlagen in fünf Rückrundenspielen und einer verheerenden Torchancen-Verwertungsquote von unter zehn Prozent wollen sie nicht in Fatalismus oder Aktionismus verfallen. Im Erfolg darf man nicht die Fehler machen, die kleinen Probleme zu übersehen, im Misserfolg sollte man nicht in Finsternis versinken. Doch man darf auch nicht die Realität verkennen. "Wir haben in der Rückrunde vier Spiele verloren und sind mit 31 Punkten Zehnter. Das ist die Wahrheit. Wir müssen den Trend ändern", sagte Eberl.

Dabei setzen die Borussen auf Primär-Tugenden des Sports: Positives Denken, vorgeführt von Eberl und Hecking. Und auf Teamwork. Das ist das nicht eben geheime Geheimrezept, wenn es nicht läuft. Doch da der Fußball in all seiner Komplexität eigentlich ganz einfach ist, helfen gerade die einfachen Dinge zuweilen in der Not. "Wir müssen jetzt als Mannschaft zusammenstehen und dürfen uns nicht so sehr von den negativen Fakten beeinflussen lassen", sagte Nationalspieler Matthias Ginter. Die Wagenburgmentalität soll helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Man kann davon ausgehen, dass Hecking den Seinen jenseits aller positiven Gedankenansätze klargemacht hat, dass es kurz vor zwölf ist im Staate Borussia: Gibt es gegen den BVB die nächste, die vierte Niederlage am Stück, vergrößert das die Schieflage am Niederrhein. Zwar hat Eberl jedwede Debatte über Saisonziele zunächst mal zu den Akten gelegt, doch klar ist: Eine weitere Saison ohne Europa wäre ein arger Rückschlag für die ambitionierten Borussen, die Konsequenzen eines solchen Szenarios wären womöglich weitreichend. Weswegen der Kontakt zu den Klubs weiter oben nicht abreißen sollte.

Umgekehrt kann ein Sieg gegen den BVB viel bewegen in den Köpfen, in den Beinen - und in der Vereinssoziologie. Erfolge einen, das ist nun mal so. Die Borussen setzen auf den Schulterschluss. Und bestenfalls bekommen sie ihn auch mit der Kurve hin. Die Fans waren in Stuttgart nach dem 0:1 erzürnt ob der Darbietung - nun hoffen die Borussen, dass für die 90 Minuten gegen den BVB ganz Gladbach zusammensteht.

"Es geht nicht um Einzelne, sondern um den Klub", ist eine der üblichen Parolen in schlechten Zeiten. Das Team indes muss in Vorleistung gehen und dafür sorgen, dass der Funke überspringt. "Wir müssen uns das Vertrauen neu erarbeiten", sagte Hecking. Er meinte Sicherheit, Leichtigkeit und Konsequenz, doch gilt das auch für die Zuneigung der Fans. Die riefen in Stuttgart: "Wir wollen euch kämpfen sehen." Und: "Macht ein Tor für uns." Das wäre der wichtigste Aspekt am Sonntag. "Dass wir offensiv Qualität haben, ist unbestritten, nur müssen wir sie auch wieder im Kollektiv abrufen", sagte Hecking.

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(kk)
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