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Borussia Mönchengladbach: Stilfragen und ein neuer Rekord

Zahlen zum 1:0 gegen Fortuna : Borussias Stilfragen und ein neuer Rekord

Borussia Mönchengladbach findet beim Sieg gegen Fortuna Düsseldorf wieder etwas zu sich zurück. Jannik Vestergaard erlebt eine Premiere. Und alle freuen sich auf Florian Neuhaus.

Zwei Jahre, fünf Jahre, sieben Jahre

"Hauptsache zu Hause" — das ist im DFB-Pokal das Mindest-Wunschlos der meisten Vereine. Doch Gladbach sollte sich das bis Sonntag (18 Uhr, live in der ARD) nochmal überlegen. In 13 Jahren Borussia-Park gab es ohnehin erst sieben Pokal-Heimspiele, von denen lediglich zwei offiziell gewonnen wurden. Denn im Pokal gilt die Regel: Nur Siege, die spätestens in der Verlängerung errungen wurden, gehen als solche in die Statistik ein. Das wiederum sorgt auswärts für beeindruckende Serien:

  • Die sieben Auswärtssiege in Folge nach 90 Minuten sind so oder so Vereinsrekord. Richtig deutlich war keiner seit August 2015, aber da ist der Pokal gnädig, weil nur das Weiterkommen zählt.
  • Zwölf Auswärtsspiele in Folge (seit dem Auftritt bei Fortuna Düsseldorf im Oktober 2012) ist Borussia offiziell ungeschlagen. Beim SV Darmstadt und Arminia Bielefeld kam das Aus im Elfmeterschießen.
  • Sogar 17 Auswärtsspiele in Folge (seit dem Auftritt bei 1899 Hoffenheim im Dezember 2010) hat es Borussia mindestens in die Verlängerung geschafft.

Borussias Topscorer

Keine Überraschung also, dass Thorgan Hazard seine fünf Pokaltore für Gladbach alle auswärts erzielt hat. Am Dienstag in Düsseldorf war sein Siegtreffer auch eine kleine Erlösung für den Belgier, bislang hatte er in dieser Saison nie aus dem Spiel heraus getroffen. "Toto betreibt immer einen Riesenaufwand und irgendwann belohnt er sich dafür. Gott sei Dank ist ihm das jetzt gelungen", sagte Trainer Dieter Hecking und hob Hazards Bilanz von drei Toren und vier Vorlagen in elf Pflichtspielen hervor. Damit ist der 24-Jährige Borussias Topscorer. Die Trophäe für den "Man of the Match" nahm er mit nach Hause, auch die Gladbach-Fans kürten ihn zum "Spieler des Spiels" und in unserer Einzelkritik war er mit einer glatten Zwei ebenfalls der beste.

Vorfreude auf das Fortuna-Fohlen

Würde eine Auszeichnung für die beste Einzelaktion des Spiels vergeben, wäre der Preis sicher an Florian Neuhaus gegangen. In der 33. Minute ließ der Leih-Fortune am eigenen Strafraum Raffael und Michael Cuisance an sich abprallen, ein paar Meter weiter überstand er auch die Zange von Denis Zakaria und Lars Stindl und hatte noch das Auge und die Ruhe für einen Steilpass auf Jean Zimmer, der am Ende wohl gerade noch fair von Oscar Wendt gestoppt wurde. Ein "Juwel" nannte Hecking den 20-Jährigen und lobte seinen Kollegen Friedhelm Funkel für die Arbeit mit dem Borussen in spe. "Hier bei Fortuna kann Florian perfekt reifen in einer tollen Mannschaft, die sehr guten Fußball spielt", sagte Hecking. Mit seiner Dynamik und Torgefahr erinnert Neuhaus an den zwei Jahre älteren Leon Goretzka. Und so robust, wie er sich in der besagten Szene zeigte, widerlegte er sogar den Eindruck, dass drei Kilogramm mehr an Muskelmasse dem Leichtgewicht nicht schaden würden.

Eine neue Innenverteidigung

Seit dem 28. September 2016 war Jannik Vestergaard immer zum Einsatz gekommen, seit dem 3. Dezember hatte er alle möglichen Pflichtspielminuten für Borussia absolviert, und damit auch alle unter Dieter Hecking. Nach 3527 Minuten ging diese Serie am Dienstag zu Ende. "Jannik war fit, und es war keine Konsequenz aus dem 1:5", musste der Trainer entsprechend aufklären nach dem Abpfiff. "Er hat viele Spiele gemacht und wir haben spieltaktisch gedacht, dass Fortuna in den Kontersituationen ein gutes Tempo hat. Deshalb haben wir Nico Elvedi mal nach innen gezogen." Dort zeigten der Schweizer und Matthias Ginter eine ordentliche Leistung, in den kritischen Situationen hatten eher die Außenverteidiger Tony Jantschke und Oscar Wendt ihre Probleme. "Das war ein bisschen gewollte Rotation hinten", sagte Hecking und kündigte gleich an, in Hoffenheim damit weitermachen zu wollen — für Vestergaard vermutlich ein gutes Zeichen.

Beide ließen den Ball laufen

Es gibt vier Arten von Mannschaften. Die erste hat eine überdurchschnittlich gute Passquote und zwingt den Gegner zu einer unterdurchschnittlichen (Dortmund, Bayern, Leipzig). Die zweite bringt selbst weniger zustande, zieht den Gegner aber auch herunter (Hamburg). Die dritte lässt den Gegner tiefstehend gewähren und bleibt selbst unter dem Schnitt (Bremen und Freiburg). Zur vierten Gruppe zählen Schalke, Stuttgart und mit Abstrichen Hoffenheim, der eindeutigste Vertreter ist allerdings Gladbach, wie "Spielverlagerung" aufgezeigt hat. Die Passquoten beim Pokalduell am Dienstag belegten die These: Fortuna war mit 86 Prozent äußerst gut unterwegs, Borussia mit 89 Prozent Genauigkeit aber noch besser. In der Liga kommt Heckings Team auf acht Prozentpunkte mehr, als der Gegner sonst zulässt, gewährt ihm aber auch vier Prozentpunkte mehr. Falls also jemand nach Borussias Stil fragt: Den zeichnet eine gute Ballzirkulation aus, gegen den Ball zieht sich die Mannschaft dagegen eher zurück und zählt nicht gerade zu den Pressingmonstern der Liga.

Korrektur: Über Thorgan Hazard stand zunächst im Text: "...bislang hatte er in dieser Saison nur aus dem Spiel heraus getroffen." Es muss natürlich heißen: "bislang hatte er in dieser Saison nie aus dem Spiel heraus getroffen." Wir danken für den Hinweis und bitten, dies zu entschuldigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fortuna - Borussia: Pressestimmen

(jaso)