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Borussia Mönchengladbach steht im Derby gegen 1. FC Köln unter Druck

Analyse zu Gladbachs Situation : Wegen Leverkusen hat Borussia deutlich mehr Druck im Derby

Dadurch, dass Leverkusen an Borussia vorbeigezogen ist, hat sich das verschobene Derby als Nachteil entpuppt. Nun steht Gladbach gegen den 1. FC Köln schon unter Druck.

Die Borussen erzählen gern, dass sie nicht oder nur selten auf die Tabelle schauen. Das kann in diesen Tagen hilfreich sein. Fußball ist schließlich auch Kopfsache und Negativ-Erlebnisse können daher durchaus für mentale Dissonanzen sorgen. Der Blick auf die Tabelle ist für Menschen, die es mit Borussia halten, derzeit kein echter Genuss. Denn sie ist für Gladbach der Beleg eines Verlustes.

Erstmals seit dem siebten Spieltag logiert das Team von Marco Rose nicht mehr auf einem Champions-League-Rang. Wegen des eigenen 1:2 gegen Borussia Dortmund und des 4:0 von Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt sind die Gladbacher auf Rang fünf abgerutscht nach so langer Zeit in den obersten Chargen der Tabelle.

Nun werden die, die es mit Borussia halten, laut ausrufen: „Ha, so ein Quatsch! In der wahren Tabelle, in der das bis jetzt (es sei denn, wegen des Coronavirus’ ändert sich das noch; Anm. d. Red.) am Mittwoch nachzuholende Derby gegen den 1. FC Köln schon eingerechnet ist, steht Borussia mit 49 statt 46 Punkten doch vor Bayer.“ Aber so einfach ist es eben nicht. Das werden alle Borussen sowie Manager Max Eberl und auch Trainer Marco Rose dick unterstreichen. Wer zu sorglos an dieses Spiel herangeht, der hat den ersten Schritt hin zu einer großen Enttäuschung getan.

Klar ist: Durch den Lauf der Leverkusener in der bisherigen Rückrunde ist das Derby zu einer rheinischen Dreiecksbeziehung geworden. Denn wegen Bayer hat Borussia deutlich mehr Druck im Derby. Köln ist kein Bonus-Spiel mehr, sondern ein Verteidigungsakt, es ist nicht da, um vorzulegen, sondern um aufzuholen.

Weswegen man, Stand jetzt, sagen muss: Die Absage hat Gladbach nicht in die Karten gespielt. Die Punkte, so sie geholt worden wären, fehlen und sorgen dafür, dass die zwei nicht gewonnenen Heimspiele gegen die TSG Hoffenheim und Dortmund mehr tabellarisches Gewicht bekommen.

Andererseits: Die Situation ist auch dazu angetan, die Sinne zu schärfen. Denn sie zeigt, dass jeder Zentimeter, den Borussia nachlässt, von der Konkurrenz eiskalt ausgenutzt wird. Sorglosigkeit sollte da keinesfalls aufkommen, das ist die Botschaft, die bei den Borussen ankommen sollte.

Es geht um den vierten Platz, und es läuft mal wieder auf einen Zweikampf mit Bayer hinaus. Demnächst kommt die Werkself in den Borussia-Park und es kann schon ein Endspiel sein. Und dann kann Borussia zeigen, dass sie solche Spiele jetzt kann. Gegen Basaksehir ging es daneben, als es um das Fortkommen in der Europa League ging, nun geht es um den Einzug in die Königsklasse. Und Leverkusen ist auch kein Spiel nach dem alles vorbei ist.

Aber erstmal: Köln. Der bisherigen Gladbacher Ergebnis-Struktur des Jahres 2020 folgend steht ein Sieg, denn ausgehend vom 0:2 auf Schalke am ersten Rückrunden-Spieltag wurde bislang jedes zweite Spiel gewonnen. Zudem: Bislang hat Gladbach alle Rheinland-Duelle für sich entschieden. Das sind positive Denkansätze für das Derby, dessen Austragung sich in den nächsten beiden Tagen entscheiden wird. Dass die Gladbacher spielen wollen, ist klar: Sie wollen die verzerrte Tabelle geraderücken. Es sollte aber nicht bei der Willenserklärung bleiben angesichts der Situation. Sie müssen etwas klar stellen.