Borussia Mönchengladbach: Start in Rückrunde nur dreimal schlechter

Sieben Punkte aus acht Spielen: Borussia ist nur dreimal schlechter in die Rückrunde gestartet

Durch den doppelten Punktverlust gegen Werder Bremen hat Borussia Mönchengladbach in der Tabelle wieder einen Platz verloren und ist Achter. Die Rückrunden-Bilanz sieht äußerst dürftig aus. Zudem muss die Ausbeute der Offensivspieler Sorgen bereiten.

Schlechter beim Abstieg, schlechter beim Titelgewinn

Sieben Punkte aus acht Rückrundenspielen - in ihren 50 Bundesliga-Spielzeiten hat Borussia das nur dreimal unterboten. Am schlechtesten kam die Mannschaft 1999 mit fünf Punkten aus der Winterpause, am Ende stand der erste Abstieg. Zweimal gab es jeweils sechs Punkte, und die Tatsache, dass Borussia 1977 anschließend Meister wurde, mutet schon sehr kurios an. Allerdings dürften 61 Zähler, auf die Drei-Punkte-Regel umgerechnet, nie wieder zum Titel reichen. Der letzte Sechs-Punkte-Start ins Jahr liegt gar nicht so lange zurück. 2014 gelang erst im achten Spiel der Rückrunde der erste Sieg, durch ein 2:1 bei Borussia Dortmund. Es folgte eine gute Serie mit 16 Punkten aus den letzten neun Spielen - und die Qualifikation für die Europa League.

Zwei-Tore-Führung reicht nicht

Böse Zungen mögen behaupten, dass Mannschaften, die selten 2:0 führen, auch selten ein 2:0 aus der Hand geben können. Ein paar Mal lag Borussia in den vergangenen zwölf Monaten aber doch scheinbar komfortabel vorne. Am 16. März 2017 gab es ein 2:2 gegen Schalke 04 in der Europa League, nachdem Andreas Christensen und Mo Dahoud vor der Pause getroffen hatten. In der Bundesliga verspielte Gladbach zuletzt am 7. März 2015 ein 2:0, damals beim FSV Mainz, allerdings war das zweite Tor erst in der 67. Minute gefallen. Vergleichbares wie gegen Werder Bremen am Freitag — 2:0 zur Halbzeit in der Liga und doch nicht gewonnen — war zuletzt am 22. Februar 2014 passiert. Damals hatten Patrick Herrmann und Tony Jantschke gegen die TSG Hoffenheim innerhalb der ersten 18 Minuten einen Vorsprung herausgeschossen.

Defensive sitzt der Offensive im Nacken

Den allgemeinen Torlos-Zähler hat Christoph Kramer in Hannover auf Null gestellt, der für die Offensiv-Spieler tickt auch nach dem Spiel gegen Bremen weiter. Vor 540 Minuten traf Thorgan Hazard gegen Augsburg, seitdem ging für den Belgier, Lars Stindl, Raffael, Raúl Bobadilla, Jonas Hofmann, Patrick Herrmann, Vincenzo Grifo und Josip Drmic nichts. Zieht man Elfmeter und Eigentore ab, bleiben 27 Gladbacher Treffer - 13 steuerte die Defensive bei, nur 14 die Offensive. Das kann man der Viererkette und den Sechsern positiv auslegen, weniger optimistisch lässt sich festhalten: Ohne die Tore von Matthias Ginter, Jannik Vestergaard, Denis Zakaria, Christoph Kramer, Nico Elvedi und Oscar Wendt hätte Borussia ein großes Problem.

Qualität der Standards hat nachgelassen

Vestergaard traf dreimal nach einer Ecke, Ginter und Kramer je einmal. Bis vor einigen Wochen gab es wirklich nichts zu meckern, Borussias Standards passten. Seit Ginters Tor zum 1:0 gegen Augsburg hat Gladbach 36 Ecken bekommen, die meisten führte Hazard aus, weil Wendt verletzt fehlt und Grifo nur selten eine Chance bekommt. Die Qualität hat definitiv nachgelassen. Hinzu kam gegen Frankfurt der verschossene Elfmeter, ein direktes Freistoßtor hat Gladbach seit Dezember 2015 nicht mehr erzielt. Nur Nico Elvedi kam einem Standard-Tor gegen Dortmund sehr nah, brachte den Ball nach Hazards Freistoß-Hereingabe - so viel stimmte dann doch - aber nicht an Roman Bürki vorbei. So fehlt Gladbach eine weitere wichtige Zutat für erfolgreichen Fußball.

Kein Einsehen, dass mehr Transparenz nötig ist

Dieter Hecking und Max Eberl machten Schiedsrichter Benjamin Cortus keinen großen Vorwurf. Tatsächlich fanden sich bei Maximilian Eggesteins Handspiel im Straftraum genügend Argumente für und gegen einen Elfmeter. Die einen mögen, wie Eberl, sagen, dass der Arm in der Höhe nichts zu suchen habe und letztendlich eine Chance vereitele. Die anderen können darauf verweisen, dass Fahrlässigkeit nicht mit Absicht gleichzusetzen ist. Es lässt sich ewig diskutieren über die Auslegung der Handspielregel, wenige Zweifel dürften aber bestehen, dass die Fans im Stadion beim Videobeweis noch immer im Stich gelassen werden. Mindestens die Hälfte der Zuschauer im Borussia-Park dürfte Eggesteins Handspiel aus mehr als 100 Metern Entfernung gesehen haben - oder eben gar nicht. Und dann geht Cortus in die "Review Area", auf den Videowänden erscheint das Symbol für den VAR, und als der Schiedsrichter wieder herauskommt, bestätigt er mit erhobenem Zeigefinger seine Eckball-Entscheidung - das war's.

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(jaso)