Borussia Mönchengladbach: Sportdirektor Max Eberl findet deutliche Worte und kündigt Protest an

„Das ist Polizeidiktatur“ : Gladbachs Sportdirektor Eberl findet nach Fan-Vorfällen in Istanbul deutliche Worte

Borussia Mönchengladbach erwägt, bei der Uefa Protest wegen der Behandlung der Gladbach-Fans am Rande des Europa-League-Spiels bei Basaksehir einzulegen. Das hat Sportdirektor Max Eberl nach dem 1:1 in Istanbul angekündigt.

Der Ärger nach dem Spiel in Istanbul stand Borussias Sportdirektor wahrlich ins Gesicht geschrieben. Er ließ kein gutes Haar an den Umständen vor dem Spiel. „Wenn der Gastgeber einfach entscheiden kann, welche Fahnen ins Stadion kommen und welche nicht, dann können wir uns auch, ob wir Recht haben oder nicht, bei der Uefa beschweren. Und das werden wir tun und anmerken, dass das nichts mit Fußball und Europapokal zu tun hat. Wir sind keine politische Veranstaltung und wollen Spaß und Sport haben. Dafür sind wir hier“, sagte Eberl nach dem glücklichen 1:1 bei Basaksehir.

Die Polizei hatte beim Einlass den Fans unangekündigt ihre Fahnen abgenommen, auf denen das Mönchengladbacher Stadtwappen und das Wort „Ultras“ zu sehen war. Es war vorab nicht angekündigt worden, dass keine Fahnen erlaubt waren, teilten die Gladbacher Fan-Beauftragten mit. Der Grund, die Fahnen zu beschlagnahmen war, dass christliche Zeichen darauf abgebildet sind. „Wenn im Stadtwappen christliche Zeichen drin sind, und wir deswegen nicht rein dürfen, wo leben wir denn heutzutage? Das sind Dinge, die verurteile ich aufs Schärfste. So kenne ich die Türkei nicht, ich kenne die Menschen in der Türkei anders, es sind nette und höfliche Menschen. Das hier ist aber Polizeidiktatur, wenn ich das so sagen darf“, fand Eberl deutliche Worte.

Weil die Aktion nicht angekündigt war, gab es Ärger. Borussias Fans seien friedlich gewesen, die Situation sei erst durch die Aktion der Polizei eskaliert. Zwei Fans wurden kurzfristig in Gewahrsam genommen, weil sie Polizisten geschlagen haben sollen. Videobilder belegten aber, dass dem nicht so war, die beiden Fans wurden wieder frei gelassen.

„Es macht mich extrem traurig, dass wir 2019 in Europa solche Zustände haben, dass die Polizei diktieren kann, welche Fahnen in ein Stadion reinkommen und welche nicht. Es gibt die Regel nicht, es gibt vor jedem Spiel am Spieltag ein Matchmeeting, bei dem klar gesagt wird, was man von den Fans erwartet. Und von unserer Seite war klar: Da wird nichts kommen, sie wollten friedlich feiern und Spaß haben“, sagte Eberl. Und: „Mit unseren 1400 Fans haben wir den Totentanz hier belebt, damit wenigstens ein bisschen Europapokal-Stimmung aufkommt. Und dann werden sie von Anfang an drangsaliert, müssen mit Bussen hier anreisen, dürfen sich nicht wie normale Menschen zum Stadion bewegen und Fußball schauen. Das sind für mich groteske und bizarre Bilder und Szenen, die man heutzutage in Europa nicht mehr erwartet.“

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