Borussia Mönchengladbach: Soll Thuram gegen SC Paderborn auf die Bank?

Reporter debattieren über Borussias Topstürmer : Soll Thuram gegen Paderborn auf die Bank?

In den vergangenen Spielen machte Borussia Mönchengladbachs bester Scorer Marcus Thuram einen eher kraftlosen Eindruck. Unsere Reporter diskutieren darüber, ob er gegen den SC Paderborn erstmal nur auf der Bank sitzen sollte.

Ja, besser 30 Minuten Vollgas als durchs Spiel schleppen (Sebastian Hochrainer)

Marcus Thuram ist einer der wichtigsten Spieler bei Borussia. Er kann Partien im Alleingang entscheiden. Das hat er schon mehrfach gezeigt, als Vorbereiter und als Torschütze. An 14 Treffern war er schon beteiligt, es waren vor allem Beiträge bei entscheidenden Momenten für die Borussen. Keine Tore, die nur noch einen statistischen Wert in dem Moment hatten, als sie fielen. Das macht ihn zum besten Gladbacher Stürmer in dieser Saison – aber gerade weil er so wichtig ist, muss er gegen den SC Paderborn auf die Bank.

Denn Thuram ist platt. Das ist ihm, dem Power-Paket, einer Kombination aus Robustheit, Geschwindigkeit und Technik anzumerken. Seine Auftritte gegen die Bayern, Basaksehir und Wolfsburg hatten nicht den Esprit, den der Franzose zuvor auf den Platz brachte. Er geht nun auch schneller zu Boden bei Attacken des Gegners, Thuram ist müde und braucht eine Pause.

Das Problem: Borussia hat noch zwei Spiele, will sechs Punkte holen und braucht dafür den 22-Jährigen. Es ist also die Frage: Wie bekommt man es hin, dass der effektivste Spieler im Kader den größtmöglichen Effekt bewirken kann? Der Lösungsvorschlag: Thuram sollte von der Bank kommen. Nach dem Motto: Lieber 30 Minuten lang Vollgas als sich mit halber Kraft in der Startelf über die Dauer des Spiels zu schleppen.

Dass Thuram ein Kandidat für ein solches Unterfangen ist, hat er auch schon gezeigt. Er stand bislang erst in einer Pflichtspielpartie in dieser Saison nicht in der Startelf, das war am fünften Bundesliga-Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf. In dieser Zeit hatte Thuram eine kleine Schaffenskrise und Trainer Marco Rose setzte ihn auf die Bank. Das stachelte den Franzosen an, er kam, traf und Borussia siegte. 0:1 stand es, als Thuram damals nach 67 Minuten eingewechselt wurde. Und er zeigte, dass er nicht viel Zeit braucht, um ein Spiel zu entscheiden. Zweimal traf der Sommer-Neuzugang der Gladbacher, seine beiden Toren brachten einen 2:1-Sieg. So könnte es auch gegen Paderborn laufen.

Nein, der Franzose macht von Anfang an den Unterschied (Karsten Kellermann)

Marcus Thuram ist einer, der für den Gladbacher Erfolg in der Hinrunde steht. Der Franzose, der von EA Guingamp für neun Millionen Euro kam, war vom ersten Spiel an einer, der auf spektakuläre Art den Unterschied machte: Sein Flugkopfball brachte den 1:0-Sieg im DFB-Pokal beim SV Sandhausen. Das setzte sich ungebremst fort. Immer wieder setzte Thuram mit seinen Aktionen gerade in den Startphasen der Spiele Akzente, ganz im Sinne von Trainer Marco Rose. Tore, Vorlagen und Aktionen, die den Gegner beeindrucken, sind seine Spezialität. Wie seine Effektivität: Er ist Borussias bester Scorer (zehn Tore, vier Vorlagen). Und sein Jubelritual bei Siegen: Dann greift er sich die Eckfahne und „hisst“ ein Trikot. Mal das eigene, aber auch mal das von Kollegen, um ihnen Ehre zu erweisen – Thuram, Sohn des Weltmeisters Lilian Thuram, hat viel Empathie. Im Spiel  beeindruckt er den Gegner regelrecht.

Er hat nur einmal auf der Bank gesessen in der bisherigen Hinrunde, das war beim 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf, das er schließlich als Joker herausschoss mit seinem Doppelpack. Doch das Spiel zeigte, dass seine positive Energie wichtig für das Team ist, um ins Spiel hineinzukommen. Deswegen wird Rose nur im Notfall auf ihn verzichten, auch wenn der Akku des nicht nur aufgrund seiner Länge herausragenden Stürmers nicht mehr bei 100 Prozent steht.

Denn Thuram gehört zu den Borussen, die explizit für den neuen Weg stehen. Wie wichtig diese Herren sind, um Roses Idee auf den Platz zu bringen, zeigte sich in Wolfsburg: Da war Denis Zakaria nicht dabei, weil er gesperrt war. Es fehlte prompt im Zentrum jede Dynamik. Nun könnte in Stefan Lainer einer der typischen Rose-Borussen fehlen, auch deswegen braucht Rose Thuram. Natürlich, im Angriff gibt es noch Breel Embolo, der auch ein wuchtiger Mann ist, doch gerade gegen eher massiv formierte Paderborner kann der Weg über den Flügel ein erfolgreicher sein  – und den geht Thuram mit Vergnügen und oft mit Erfolg. Nicht nur deswegen ist er einer der eigentlich unverzichtbaren Spielern im Team.