Antworten auf die Krise Mit diesen Maßnahmen will Borussia Energie sparen

Mönchengladbach · „Wichtig ist, dass wir uns unserer Verantwortung noch bewusster werden“, sagt Borussias Geschäftsführer Markus Aretz. Um Energie einzusparen und den Borussia-Park nachhaltiger zu machen, setzt der Verein erste Maßnahmen um. Ein Gerät verbraucht besonders viel Strom.

 Die Rasenheizung am Borussia-Park muss im Winter einiges leisten: Künftig soll sie auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Die Rasenheizung am Borussia-Park muss im Winter einiges leisten: Künftig soll sie auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Foto: RP/Jannik Sorgatz

Hans Meyer, insgesamt mehr als vier Jahre Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach und seit 2011 Präsidiumsmitglied, feiert im November seinen 80. Geburtstag. Dass der Verein ihm im neuen Mitgliedermagazin gleich 32 Seiten widmet, ist für solche Anlässe üblich. Dass weiter hinten im „Fohlenecho“ vier Seiten darüber zu finden sind, wie Borussia angesichts der Energiekrise sparen und effizienter werden will, wäre vor nicht allzu langer Zeit eine Überraschung gewesen. „Natürlich hat man sich vorher auch mit der Energieversorgung auseinandergesetzt, jetzt gibt es aber ganz andere Rahmenbedingungen und Notwendigkeiten“, sagte Geschäftsführer Markus Aretz zuletzt im Interview mit unserer Redaktion.

Neben Kommunikation und Marketing zählt Nachhaltigkeit zu den Hauptbereichen des langjährigen Mediendirektors. Bestimmte Kriterien sind künftig ein Teil des Lizenzierungsprozesses der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst sich auch die Abteilung Betriebs- und Veranstaltungstechnik unter ihrem Leiter Benjamin Muckel. Der rechnet im „Fohlenecho“ vor, wie Borussia auf dem Vereinsgelände Energie einsparen will.

Täglich verbrauche das Stadion etwa 6000 kWh Strom, mehr als eine durchschnittliche vierköpfige Familie im Jahr. Eine von möglichen 35 Maßnahmen wirkt sich dabei besonders aus, ohne dass die meisten Fans dies registrieren werden: Unter der Woche stehen 13 Beleuchtungsgeräte auf dem Rasen, gerade abends hat die Szenerie etwas von einem Science-Fiction-Film. Künftig sollen sie nur noch 16 statt 24 Stunden eingeschaltet sein, was nach Angaben des Klubs ein Drittel der gesamten Stromkosten des Borussia-Parks einspare, „bei vertretbarem Qualitätsverlust“.

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Eine weitere Maßnahme ist manch einem Fan vielleicht beim vergangenen Heimspiel gegen RB Leipzig aufgefallen: Das Flutlicht wurde schon bald nach Abpfiff gedimmt, früher geschah dies weitaus später, wenn sich das Stadion weitgehend geleert hatte. Vor den Spielen ist Borussia allerdings gewissen Regeln der DFL unterworfen: Für die TV-Produktionsfirma „Sportcast“ muss das Licht – unabhängig von der Anstoßzeit – bereits dreieinhalb Stunden vor Spielbeginn eingeschaltet werden.

Eine andere Maßnahme wird sichtbar, weil jetzt weniger sichtbar ist: Der Borussia-Park wird nur noch an Spieltagen grün beleuchtet. Geschäftsführer Aretz erklärte, dass der Stromverbrauch in diesem Bereich einen „verschwindend geringen Anteil“ am CO2-Fußabdruck des Vereins habe (die größten Emissionen verursacht der Anreiseverkehr an Spieltagen). Es sei aber wichtig, dass Borussia sich ihrer Verantwortung noch bewusster werde. „Mit der Aufmerksamkeit, die der Bundesliga-Fußball erzielt, können und müssen wir in Sachen Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel vorangehen. Das kann durchaus auch mal zum Selbstzweck geschehen: Wer einen Brunnen auf dem Trainingsgelände bohrt, spart Trinkwasser. Aber genauso ist es wichtig, unsere öffentliche Wirkung zu nutzen und voranzugehen“, sagte Aretz.

Aus dem Brunnen kommen pro Jahr 35 Millionen Liter Wasser. In anderen Bereichen bewegen den Klub eher die Fragen, die aktuell jeden Privathaushalt betreffen: Welche Geräte müssen nicht im Stand-by-Modus sein, sondern können nachts ausgeschaltet werden? Auf welchen Fluren ist keine Beleuchtung nötig? Auf wie viel Grad sollen Räume geheizt werden? Ein Resultat: Eines der beiden Entmüdungsbecken, die sonst permanent mit 39 Grad warmen Wasser gefüllt sind, wurde bereits abgeschaltet, das zweite soll folgen.

In einer Hinsicht hat die Winter-WM in Katar sogar positive Auswirkungen: Einen Monat lang kann von Mitte November bis Mitte Dezember die Rasenheizung ausgeschaltet bleiben, der Trainingsplatz wird je nach Witterung eingefroren. In Zukunft soll die Heizung zudem auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Um möglichst klimaneutral zu werden, kommen auch mögliche Photovoltaik-Flächen ins Spiel: Der Verein plant, die Dächer des Gebäudes „Borussia-8-Grad“ sowie des Nachwuchsinternates mit Solarzellen zu bestücken. Auch eine Überdachung eines Parkplatzes ist denkbar. „Wir wollen baldmöglichst eine gewisse Unabhängigkeit erreichen“, sagt Abteilungsleiter Muckel. Denn ein Bundesligaklub ist vor allem in diesen Zeiten nicht nur ein Fußballverein.

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