Borussia Mönchengladbach: Sieg gegen den SC Freiburg fürs "Endspiel"

Neun Ausfälle bei Borussia : Hecking ist noch nicht fertig mit dem Puzzle

Vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr, Live-Ticker) gegen den SC Freiburg fehlen Trainer Dieter Hecking einmal mehr neun Profis. Dennoch hilft nur ein Sieg, um die Europachancen zu vergrößern.

Die Statistik spricht eindeutig für Borussia: 15 Mal trat der SC Freiburg in der Bundesliga in Gladbach an, nur einmal konnte er gewinnen. In der laufenden Spielzeit gab es generell erst einen Auswärtssieg, das war das 4:3 beim bereits abgestiegenen 1. FC Köln, als die Breisgauer einen 0:3-Rückstand noch drehten.

In den zurückliegenden sechs Spielen im Borussia-Park gelang den Breisgauern nur ein Treffer, die jüngsten drei Duelle gingen torlos verloren. Und überhaupt sind die Gäste als Viertletzter zwei Spieltage vor Saisonende noch mitten im Abstiegskampf, während die Hausherren als Neunter noch realistische Chancen auf das internationale Geschäft in der kommenden Spielzeit haben. Das klingt nach einer klaren Angelegenheit am Samstag (15.30 Uhr, Live-Ticker).

Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Nicht nur, weil Borussia das Hinspiel im Breisgau nach einer der schwächsten Saisonleistungen 0:1 verloren hat, sondern vor allem, weil die Liga in dieser Saison hinter Meister Bayern München doch recht eng ist. Auch deshalb hat Gladbach noch Europa-Chancen, nötig sind dazu zunächst aber einmal zwei Siege, nun gegen Freiburg und Samstag darauf beim derzeitigen Tabellenvorletzten Hamburger SV. Dass auf der Zielgeraden der Saison wie nahezu in der kompletten Spielzeit aber erneut etliche Borussen fehlen, erschwert das Ganze allerdings.

Gegen Freiburg fallen Laszlo Bénes, Mamadou Doucouré, Fabian Johnson, Kapitän Lars Stindl, Raúl Bobadilla und Julio Villalba verletzt aus, zudem sind Christoph Kramer, Jannik Vestergaard und Denis Zakaria gelb-gesperrt. Die drei Letztgenannten sind zwar zum Finale beim HSV wieder dabei, doch damit diese Partie auch mit Sicherheit Bedeutung für das Ziel "Europa" hat, muss erst einmal Freiburg geschlagen werden.

Das betont dann auch Trainer Dieter Hecking: "Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass wir in den Gedankenspielen um Europa eine Rolle spielen. Das wird auch am Samstag gegen einen sehr motivierten, sehr laufstarken Gegner vor ausverkauftem Haus nötig sein. Wenn wir uns damit das Endspiel in Hamburg ermöglichen, ist es gut, aber dafür müssen wir erstmal gegen Freiburg gewinnen. Letztes Jahr war auch mehr drin, und wir haben es nicht geschafft. Das werde ich der Mannschaft auch noch mal sagen. Deswegen: Voller Fokus auf Freiburg." Rund 3000 Gäste-Fans werden Samstag erwartet, das Stadion wird so voll sein, dass Borussia am Ende einen Zuschauerschnitt von 50.986 pro Heimspiel haben wird.

Wie Hecking auf die erneut lange Ausfallliste reagieren wird, verriet der Trainer natürlich nicht. Generell sagte er über die Verletztenmisere dieser Spielzeit: "Ich bleibe dabei: Hätten wir nicht annährend so viele Verletzte gehabt, und das gilt es wirklich zu analysieren, stünden wir anders da. Wir haben eine vielleicht Riesenchance verpasst, weil wir nicht alle Mann an Bord hatten. Aber wenn wir jetzt trotzdem diese Chance haben, müssen wir versuchen, hier einen tollen Abschluss zu Hause hinzukriegen."

Dazu muss er das geeignete Personal aussuchen. "Die Situation ist nicht einfach, aber unser Kader ist so ausgerichtet, dass jeder spielen möchte. Ich muss vier anderen die Chance geben, von Anfang an zu spielen, und dann müssen sie sich auch zeigen", sagte der Trainer. "Das Puzzle ist ein bisschen zurechtgelegt, aber die endgültige Entscheidung treffe ich erst morgen nach dem Abschlusstraining." In Heckings Überlegungen spielt tatsächlich auch das Wetter eine Rolle. Zwar habe er "ein gutes Gefühl, weil viele Spieler nach Verletzungen zurückgekommen" seien, aber die erwarteten Temperaturen am Samstag könnten auf die Kondition der Rückkehrer schlagen: "Es ist schon etwas anderes, wenn Spieler, die lange verletzt waren, ihr erstes Spiel bei 26 Grad machen. Dann habe ich vielleicht nach 60 Minuten zwei Spieler, die ich wieder auswechseln muss", sagte Hecking.

Wie Patrick Herrmann, der nach seiner Verletzung seit Sonntag wieder voll im Mannschaftstraining ist, ist aber auch der beim 1:1 auf Schalke vergangenen Samstag nicht berücksichtigte Josip Drmic ein Thema. Dass er den Schweizer nach Stindls schwerer Fußverletzung gegen die Königsblauen nicht im Sturm brachte, erklärte Hecking nun damit, dass er eine andere Ausrichtung wählen wollte. In Michael Cuisance brachte er einen spielstärkeren Akteur, der allerdings kein gelernter Stürmer ist.

Das muss jedoch für das Freiburg-Spiel nichts heißen, versicherte der Trainer. "Wir müssen abwägen: Wie erwarten wir Freiburg? Und dann müssen wir sehen, ob es da für Josip die Möglichkeit gibt, seine Stärken einzubringen. Oder wollen wir wendigere Spieler? Das würde dann für Thorgan Hazard sprechen. Ich habe viele Optionen", sagte Hecking, der aber auch betonte: "Ich habe Josip nicht umsonst letzte Woche gelobt. Er macht im Training nach wie vor einen hochmotivierten Einsatz. Spiele und Tore würden ihm Richtung WM in Russland in die Karten spielen."

Anders als der Schweizer wird Vincenzo Grifo sicher nicht nach Russland zur WM reisen — was selbst dann unwahrscheinlich wäre, wenn Italien sich dafür qualifiziert hätte. Dafür war die Saison des Offensivspielers zu schwach. "Vince ist im Moment so ein bisschen schwierig", sagte dann auch Hecking. "Es könnte besser gehen. Ich bin nicht hundertprozentig zufrieden mit ihm. Wir haben auch ein längeres Gespräch geführt, um zu klären: Wie kriegen wir ihn wieder in die Form, in der er in Freiburg gespielt hat? Beide Seiten sind nicht vollends zufrieden, beiden Seiten ist klar: Es geht besser."

Im Hinspiel bekam Grifo seine Chance, er wurde aber nach 60 enttäuschenden Minuten gegen Raffael aus dem Spiel genommen. Ob er am Samstag versuchen darf, diesen Eindruck zu verbessern? "Ihn gegen seinen Ex-Verein einer besonderen Motivation auszusetzen, spielt in meinem Kopf eine Rolle", gab Hecking zu, ergänzte aber auch umgehend: "Aber es gibt Beispiele, da geht es gut und Beispiele, da geht es nicht gut." Um Borussias Europa-Chance am Leben zu halten, müsste es Samstag "gut gehen", nicht nur, was einen möglichen Einsatz von Grifo betrifft.

(ame)