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Borussia Mönchengladbach: Selbstbezug ist zu empfehlen

Borussia Mönchengladbach : Selbstbezug ist zu empfehlen

Die Borussen haben verloren. Zum ersten Mal, seit Dieter Hecking Trainer ist. Und was machte Hecking? Er sagte einfach: Ich fühle keine Niederlage. Kein schlechter Ansatz, der die Frage aufwirft: Ist eine Niederlage eine Niederlage, wenn sie sich nicht so anfühlt?

Da Fußball nun mal Kopfsache ist, kann dieser einfache psychologische Kniff helfen: Denn gegen Florenz, und das meinte Hecking, hat Borussia erst wirklich verloren, wenn sie nach dem zweiten Spiel am kommenden Donnerstag ausgeschieden ist aus der Europa Legaue. Derzeit ging nur, so formulierte es Max Eberl, "die erste Halbzeit" an die Italiener. So bleibt die Chance, das 0:1 zurechtzurücken.

Damit das gelingen kann, müssen sich die Borussen jedoch auf ihr höchsteigenes Selbst besinnen, auf die Seele dessen, was Borussia ist: eine Torfabrik. Das ist das Wesen der "Fohlenelf", der Ursprung des Mythos Borussia. Gegen Florenz kamen die Gladbacher vom Pfad der eigenen Tugend ab (wobei die Tragik, die die Art und Weise dieser Niederlage beinhaltete, auch ein bisschen dazu gehört zur Borussen-Historie). Nun gilt es, möglichst schnell zurückzufinden, entsprechend der Theorie sozialer Systeme, die sich aus sich selbst heraus erneuern. Beziehen sich die Borussen am Sonntag und am Donnerstag wieder ganz konkret auf das, was sie ausmacht, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein, immens.

Selbstreferenz darf man auch Borussias Fans empfehlen. Dass sie das können, haben sie bei ihrer letzten Choreografie gezeigt: Vor dem 1:1 feierten die Ultras ihren Nachwuchs, die Gruppe Ascendente. Nun dürfte es wieder das eigentliche Objekt der Begierde sein: Borussia. "1900" wird das Motto des Tages sein. Zu zeigen, was man ist, das ist in Ordnung - sogar soziologisch: Denn ein System unterscheidet sich durch spezifische Merkmale von anderen Systemen. Der Code ist in diesem Fall Tradition/Nicht-Tradition. Selbstbezug ist am Sonntag zu empfehlen - als Erfolgprinzip auf dem Rasen und Fairness-Modell neben dem Platz.

(RP)