Borussia Mönchengladbach: Seit 2011 gab es fast in jeden Jahr einen neuen Nationalspieler

Thuram im Fokus von Deschamps : Borussia macht Nationalspieler

Borussia hat seit 2011 fast in jedem Jahr einen Neu-Nationalspieler hervorgebracht. Marcus Thuram könnte bald der nächste sein.

Es scheint, als haben Siege der Borussen gegen Werder Bremen, zumal wenn es ein 3:1 ist, große Strahlkraft auf Didier Deschamps, Frankreichs Weltmeister-Trainer. Vor einem Jahr, als Gladbach an der Weser siegte, nominierte er im Nachklang des Spiels Alassane Plea erstmals für die „Equipe Tricolore“. Soweit ist er bei Marcus Thuram nicht gegangen nach dem Erfolg gegen Werder am Sonntag. Doch immerhin hat er jetzt wissen lassen, dass er den Sohn seines früheren Teamkollegen im Nationalteam, Lilian Thuram, im Blick hat.

„Er entwickelt sich gut“, sagte Deschamps und stellte klar, dass sein Interesse an Thuram Junior auch da sein würde, wenn der Vater nicht 1998 mit ihm zusammen Weltmeister und zwei Jahre später Europa-Champions geworden wäre. Vielmehr ist es wie vor einem Jahr bei Plea, der damals in Bremen seine Saisontore sechs, sieben und acht fabrizierte, hinzu kamen drei im Pokal. Thuram hat ebenfalls einen derartigen Lauf, acht Tore hat er erzielt in 17 Spielen und mit seinem Eckfahnen-Jubel ist er schon Kult am Niederrhein. Bald könnte er der nächste Nationalspieler werden, der sich in Gladbach für diese Weihen qualifiziert. Als U21-Nationalspieler war er ohnehin im Blickfeld des Trainers, doch seine Taten in Gladbach dürften zum Nominierungs-Beschleuniger werden.

 Natürlich war Gladbach in den großen 1970er Jahren ein fleißiger Nationalspieler-Produzent, auch in den 1980ern war es noch so. Doch in den 1990er und der ersten 2000er-Dekade war es weitgehend vorbei damit. Erst in den letzten acht Jahren, in denen es sportlich wieder konstant bergauf ging, heißt es wieder regelmäßig: Nationalspieler made in MG.  Marco Reus (2011), Marc-André ter Stegen (2012), Christoph Kramer (2014), Patrick Herrmann (2015, alle Deutschland), Nico Elvedi (2016, Schweiz), Laszlo Bénes (2017, Slowakei) und eben Plea (2018) haben als Gladbacher ihr Debüt in den A-Teams gefeiert. Weswegen die Wand für die Nationalspieler-Galerie im Vip-Bereich des Borussia-Parks längst zu klein geworden ist wegen all des Zuwachses.

Dass sich zudem einige Borussen, die schon Nationalspieler waren, als sie Gladbacher wurden, extrem weiterentwickelt haben in den Nationalteams, kommt dazu. Matthias Ginter kam aus Dortmund, um sich als Führungsspieler zu entwickeln, auch mit Blick auf das Nationalteam. Seit dem Neuaufbau nach der Weltmeisterschaft in Russland ist Gladbachs Abwehrchef Stammkraft bei Joachim Löw. In der vergangenen Saison hat sich auch Jonas Hofmann ins Notizbuch des Bundestrainers gespielt. In dem dürfte auch Florian Neuhaus, einer der U21-Vize-Europameister dieses Sommers, stehen. Torwart Yann Sommer ist in Gladbach zur Nummer eins der Schweiz gereift, auch Denis Zakaria und Elvedi gehören inzwischen zum Stammpersonal.

„Es hat sich viel verändert in meinem Leben. Als ich nach Gladbach ging, gab es einige, die Zweifel hatten, ob es der richtige Schritt sei. Aber ich wollte mich durchbeißen, die Chance ergreifen und den nächsten Schritt machen“, sagte Elvedi, der nun fast 150 Bundesligaspiele und einen Marktwert von 30 Millionen Euro hat, jetzt der Aargauer Zeitung. Er hat es geschafft.

Sicherlich ist es aktuell auch der Erfolg, der Fußball-Experten auf Gladbach schauen lässt. „Sein Verein ist Spitzenreiter, das ist interessant“, sagte Deschamps zur Personalie Thuram. Doch vor allem ist es das Konzept der Borussen, das tief in der Geschichte des Vereins verwurzelt ist: die Fohlenphilosophie, die Sportdirektor Max Eberl in die Zukunft übersetzt hat. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, mit jungen Spielern zu arbeiten. Wir wollten immer Talente finden in Deutschland und in den vergangenen Jahren vermehrt in Europa, weil wir mit diesen Jungs unseren Weg gehen wollen und auch müssen, wir haben keine Alternative dazu“, sagt Eberl.

Die jungen Männer wissen, dass sie in Gladbach die Gelegenheit bekommen, zu reifen. Vor allem aber, dass sie Einsatzzeit bekommen. Wie Thuram. Er kam vom Absteiger EA Guingamp und schaffte es auf Anhieb, in der Bundesliga anzukommen. Nebenbei spielte er sich in den Fokus von Deschamps. Für die EM-Qualifikationsspiele der Franzosen gegen Moldau (Donnerstag) und in Albanien (Sonntag) hat Frankreichs Trainer den Borussen aber nicht nominiert. So bleibt Alassane Plea der vorerst letzte Spieler, der das Sprungbrett Borussia nutzte, um das Debüt im A-Team zu schaffen. Dass Thuram aber zeitnah seine Chance bekommen wird beim amtierenden Weltmeister, das darf man annehmen. Dass man mit einem Thuram im Team Großes erreichen kann, hat Deschamps ja schon erlebt.