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Borussia Mönchengladbach: Schnellstart, Intensität und Spielkunst - das ist der neue Gladbach-Stil

Schnellstart, Intensität und Spielkunst : Was Zicklers Lieblingsspiele über Borussias Fußball aussagen

Alexander Zickler haben die Partien gegen Augsburg, Frankfurt und in Leipzig sehr gut gefallen. Die Partien stehen für drei wichtige Aspekte des Borussen-Spiels dieser Saison: Übefalltaktik, Intensivtät und Spielkultur.

Borussia hatte am Samstag einigen Anlass, um in Nostalgie zu schwelgen. Zum einen jährte sich der Tag ihres ersten Titels zum 100. Mal. Denn am 25. April 1920 gab es im Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft ein 3:1 gegen den Kölner BC. In dem Spiel musste der Top-Stürmer jener Tage, Paul Pohl, einen Elfmeterschuss viermal wiederholen – und schoss den Ball immer wieder ins Tor. Mit dem letzten Versuch erzielte er das 1:1, es gab eine Verlängerung, in der Willi Jansen und Pohl nochmal trafen.

Zum anderen wäre am Samstag das Bundesliga-Rückspiel beim FC Bayern München gewesen, wenn nicht die Corona-Krise den Fußball derzeit zur Zwangspause verdammen würde. Borussia postete in ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken ein zwei Minuten und 45 Sekunden langes Video mit lauter Toren gegen die Bayern.

Ob sich Co-Trainer Alexander Zickler diese Tor-Parade im Detail angesehen hat, ist nicht bekannt. An zumindest einen Treffer, der da zu sehen war, wird sich der frühere Bayern-Profi aber einigermaßen schmerzlich erinnern. Er war am 28. Juli 2001 dabei, als der Championsleague-Sieger aus München 0:1 beim Aufsteiger aus Gladbach verlor. Arie van Lent erzielte das 1:0-Siegtor nach 23 Minuten, Zickler kam in der 78. Minute ins Spiel, konnte aber das Unheil nicht abwenden.

Auch was die aktuelle Saison angeht, gehört das 2:1 gegen den Rekordmeister, das Ramy Bensebaini per Kopf und Elfmeter möglich machte, offenbar nicht zu Zicklers Lieblingsspielen. Er nannte nun drei Partien, die ihm besonders gefallen haben in einem Interview auf der Vereins-Homepage: das 5:1 gegen den FC Augsburg, das 4:2 gegen Eintracht Frankfurt und das 2:2 in Leipzig.

„Wir haben sehr offensiv gespielt – zum Beispiel gegen Frankfurt, da ist es hin und her gegangen. Das war ein tolles Spiel für die Zuschauer. Gegen Augsburg sind wir überragend ins Spiel gekommen. In der Rückrunde haben wir in Leipzig vor allem in der ersten Halbzeit auch überragend gespielt“, sagte Zickler. Zicklers Auswahl sagt auch viel über den Fußball, den Borussia unter Cheftrainer Marco Rose und seinem Stab, in dem sich Zickler mit Oliver Neuville vor allem um die Offensive kümmert, aus.

Gegen Augsburg stand nach 13 Minuten 3:0, es war ein Blitzstart ganz nach dem Geschmack von Rose. Er will, dass sein Team aktiv ist – und was gibt es aktiveres, als schnell klar zu führen, als eine Überfalltaktik? Damit hat man das Heft des Handelns unabdingbar in der Hand, denn der Gegner kann im Prinzip nur noch reagieren. Zudem haben die Borussen an diesem Tag, an dem es das erste Spektakel der Rose-Zeit gab, auch noch fröhlich weitergemacht. Eben dies vermisste Rose später ein wenig: Stark starten und dann die Geschichte schnell entscheiden. Augsburg ist das Präzedenz-Spiel.

Frankfurt war in den Jahren zuvor ein Problem für Gladbach, weil es so unangenehm war. Roses Auftrag war es unter anderem, Borussia etwas mehr von diesem Eintracht-Gen zu geben. Wie sich Gladbach mit diesen Merkmalen anfühlt, bekam Frankfurt am 27. Oktober 2019 zu spüren. Vor allem das 1:0 durch Marcus Thuram versinnbildlicht das: Vorlagengeber Breel Embolo versprang der Ball zunächst, doch er setzte auf dem Flügel nach und legte dann perfekt in die Mitte. Büfflig-genial war die Aktion, die Eintracht staunte.

Das tat auch RB Leipzig am 1. Februar 2020: Marco Rose hatte ein optimales System ausgeklügelt und seine Borussen setzten es auf höchsten kämpferischen und spielerischen Niveau um. Es wurde resolut gepresst, mit dem Ball fein kombiniert und vor dem Tor präzise gearbeitet. So führte Borussia 2:0. Leipzig glich noch aus gegen die später um Alassane Plea reduzierten Gladbacher, doch die ersten 45 Minuten waren eine perfekte Zusammenkunft von borussischer Spielkutur und Roseschem Intensiv-Fußball.

Das Spiel gegen Zicklers früheren Klub war mit das emotionalste wegen des späten Elfmeter-Tores, und es steht für den Siegeswillen und Kampfgeist, den Roses Team hat. Aber auch für das Glück, das dazu gehört, um erfolgreich zu sein. Zickler hat die anderen Spiele dem gegen seinen „Ex“ zu Recht vorgezogen.