Borussia Mönchengladbach: Schnelle Gegentore ärgern Trainer Dieter Hecking und Team

Rückstand nach wenigen Sekunden : Blitz-Gegentore ärgern Borussia

An den vergangenen vier Spieltagen wurde Gladbach zweimal kalt erwischt und kassierte in der ersten Minute das 0:1. Die Anfälligkeit zu Beginn soll kein Normalfall werden, zumal nun das offensivstarke Leipzig auf Borussia wartet.

Die Borussen machten es am Sonntagabend gegen Hannover 96 wie die deutsche Nationalmannschaft im WM-Finale gegen die Niederlande 1974: Bevor sie erstmals den Ball berührten, stand es bereits 0:1. Während 1974 in München Johan Neeskens nach dem ersten Angriff der Niederländer einen Foulelfmeter verwandelte, benötigten nun die Gäste aus Niedersachsen sieben Ballkontakte, um nach 22 Sekunden im Borussia-Park in Führung zu gehen.

Doch – und das ist eine weitere Parallele zum deutschen 2:1-Sieg im WM-Endspiel – der Gastgeber drehte die Partie noch vor der Pause und feierte letztlich noch einen souveränen 4:1-Erfolg. Das Blitzgegentor wurmte Mannschaft und Trainer trotzdem.

„Natürlich fing das Spiel unglücklich an, das geht so auch nicht. Wir haben schon zum zweiten Mal ein so schnelles Gegentor bekommen. Es kann nicht sein, dass wir ständig so einem Rückstand hinterherlaufen“, sagte Kapitän Lars Stindl. Und Coach Dieter Hecking fügte hinzu: „Es war ein Spiel, in dem man ungern früh in Rückstand gerät. Das passiert uns leider momentan zu oft. Ein Gegentor nach 20 Sekunden soll nicht der Normalfall werden.“

Der kritische Umgang mit dem verpatzten Start ist berechtigt, denn momentan ist Borussia vor allem zu Beginn verwundbar. In den 14 bisherigen Pflichtspielen der Saison (zwölfmal Bundesliga, zweimal DFB-Pokal) geriet Gladbach nur viermal 0:1 in Rückstand, doch dabei fiel das Gegentor immer in der Anfangsviertelstunde, dreimal innerhalb der ersten fünf Minuten und zweimal gar in der Anfangsminute – zunächst beim 1:3 in Freiburg, als es mit der ersten Aktion einen Foulelfmeter gegen Borussia gab, und nun gegen Hannover.

Die Tatsache, dass Borussia nun am neunten und zwölften Spieltag kalt erwischt wurde und in den 1712 Bundesligaspielen zuvor insgesamt zwölfmal ein Gegentor in Minute eins kassierte, verdeutlicht die momentane Anfälligkeit. In beiden Fällen reichte ein langer Ball, um Unruhe in Gladbachs Hintermannschaft zu stiften.

In Freiburg traf Matthias Ginter bei seinem Abwehrversuch SC-Stürmer Luca Waldschmidt, der etwas glücklich vor Yann Sommer an den Ball kam und im Strafraum gefoult wurde. Gegen Hannover reagierte Nico Elvedi nicht entschlossen genug auf den weiten Ball auf Niclas Füllkrug. Nach dessen Kopfball-Verlängerung klaffte hinter Elvedi ein großes Loch, in das Bobby Wood sprintete und vollendete.

Immerhin war es nicht Borussias schnellstes Gegentor der Bundesliga-Geschichte, für das ist weiterhin ein Ex-Gladbacher verantwortlich: Lothar Matthäus traf beim 6:0 des FC Bayern am 34. Spieltag der Saison 1985/86 bereits nach 13 Sekunden gegen seine ehemaligen Teamkameraden. Zudem gab es trotz des Blitztores einen klaren Sieg. Das hatte es bei Borussia auch schon einmal gegeben: In der Saison 1971/72 schoss Gladbach am Bökelberg nach dem frühen Rückstand gegen Eintracht Frankfurt noch ein 6:2 heraus.

Angesichts des überzeugenden Sieges überwog bei Trainer Dieter Hecking denn auch das Positive: „Wir haben uns nach dem Gegentor kurz geschüttelt und das Spiel angenommen. Die Mannschaft macht im Moment vieles richtig.“ Dennoch sollten die frühen Rückstände zur Wachsamkeit aufrufen.

Die Gegner wissen um das enorme spielerische Potenzial und den Offensivdrang der Borussia und versuchen ihrerseits, die Lücken im Gladbacher Abwehrverbund – mit nur einem Sechser statt zweien wie in den Vorjahren – auszunutzen. So hatte es Hannovers Trainer André Breitenreiter vor der Partie angekündigt, so kam sein Team prompt zum 1:0. Und nun wartet in RB Leipzig am Sonntag (15.30 Uhr) nochmals ein anderes Kaliber auf die Borussen.

Der Tabellenvierte ist bekannt für seinen offensiven und aggressiven Spielstil, Leipzig attackiert den Gegner früh und schaltet bei Ballgewinn blitzschnell um. Gladbach sollte gewarnt sein – nicht zuletzt aufgrund der eigenen Erfahrungen in Leipzig. Zweimal trat Borussia bislang bei RB an, beide Male geriet sie relativ früh in Rückstand. In der Vorsaison traf Timo Werner in der 17. Minute, im Jahr zuvor gar in der sechsten Minute.

Was aber positiv stimmen dürfte: In beiden Fällen erreichte Gladbach noch ein Unentschieden. Frühe Rückstände müssen nicht automatisch zu Niederlagen führen – siehe Hannover. Oder die deutsche Nationalmannschaft 1974.

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