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Borussia Mönchengladbach schließt Börsengang wie beim BVB nicht aus

Neue Einnahmequellen : Wie sich Gladbach neben den Bayern auch am BVB orientiert

Jahrelang schienen strategische Partnerschaften, wie sie der FC Bayern pflegt, für Borussia Mönchengladbach ein Zukunftsmodell zu sein. Doch der Klub findet einen Börsengang wie beim BVB mindestens genauso reizvoll. Zuerst muss allerdings das wirtschaftliche Corona-Tief bewältigt werden.

Die Corona-Pandemie hat Borussia Mönchengladbach „um fünf Jahre“ in der Entwicklung des Klubs zurückgeworfen. Das hat Finanz-Geschäftsführer Stephan Schippers am Rande der Mitgliederversammlung am Montagabend im Borussia-Park zugegeben. „Wir haben 100 Millionen Euro weniger Erträge in den beiden Corona-Jahren, ein Minus von 31 Millionen Euro ist hängengeblieben, unser Eigenkapital ist von 103 auf 72 Millionen Euro zurückgegangen“, sagte Schippers.

Seine Einordnung: „Wir dürfen uns nicht beschweren, wir stehen sauber da und zählen zu den gesunden Vereinen in der Bundesliga.“ Doch neben den finanziellen Einbußen wurden geplante Projekte wie ein eigenes Haus für das Profiteam oder der Ausbau des VIP-Bereichs im Stadion zurückgestellt. Zudem gab es deutliche Einsparmaßnahmen im Klub. „Wir sind mit beiden Füßen auf die Bremse getreten“, sagte Schippers. Und es gibt offenbar auch ein Umdenken, was wirtschaftliche Konzepte angeht. Sogar einen zukünftigen Börsengang schloss Schippers nicht mehr aus.

„Natürlich muss man sich in Zeiten wie diesen neue Gedanken machen und über alles nachdenken: Wie machen es die Bayern mit den strategischen Partnerschaften? Aber auch: Wie hat es der BVB gemacht mit dem Börsengang?“, sagte Schippers. Eine Kommanditgesellschaft auf Aktien würde zum Beispiel mit dem in Gladbachs Statuten verankerten Mitspracherecht der Mitglieder korrespondieren. „Es gibt da ganz unterschiedliche Modelle. Man muss allem gegenüber offen sein“, weiß Schippers. Er sagte aber auch: „Es muss alles passen“, sowohl der Zeitpunkt als auch die Rahmenbedingungen.

Ein Modell mit einem potenten Geldgeber wie bei Hertha BSC, einem Mäzen wie bei 1899 Hoffenheim oder einen Einstieg eines Konzerns schließt Schippers allerdings kategorisch aus: „Über so etwas haben wir nie nachgedacht.“ Und sprach sich in diesem Zusammenhang noch einmal deutlich für die 50+1-Regel aus, zu der sich die Bundesliga bis auf ein paar Ausnahmen verpflichtet hat. Konstrukte wie in der englischen Premier League sind damit ausgeschlossen. „Unser Fußball hat eine andere Mentalität als in England. Wenn wir so etwas machen, zieht uns das den Boden unter den Füßen weg“, sagte Schippers.

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Klar ist: Borussia wird auch in Zukunft keine wirtschaftlichen Experimente machen, das Leitprinzip bleibt das, was einst Manager Helmut Grashoff prägte: „Mit dem Einkommen auskommen. Die konservative Herangehensweise hat dazu geführt, dass wir eine solide Basis haben. Es ist der richtige Weg, den wir gehen, auch wenn es wehtut“, stellte Schippers klar.

Eine weitere bislang nicht erschlossene Einnahmequelle wäre der Stadionname. Allerdings ist und bleibt der Name „Borussia-Park“ weiter unangetastet, „den Namen wollen wir erhalten“. Doch gibt es diverse Ansätze, das Stadion mehr als bisher zu vermarkten. „Es ist nicht ausgeschlossen, aber steht momentan nicht im Fokus. Wir haben viele Aufgaben für die Zukunft“, sagte Schippers. Das erste Ziel ist, „bald wieder eine schwarze Null zu schreiben“. Borussia will raus aus dem Corona-Tief, das sie weit zurückgeworfen hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussias Umsatz und Gewinn seit 2005