Borussia Mönchengladbach: Schalke-Trainer Domenico Tedesco über Mendyl-Foul: „Wir haben Glück gehabt“

Schalke-Trainer über Mendyl-Foul: „Wir haben Glück gehabt“

Keine zwei Minuten nach seiner Verwarnung nach einem Foul an Thorgan Hazard geht Schalkes Hamza Mendyl Nico Elvedi rustikal an. Schiedsrichter Manuel Gräfe belässt es bei einer Ermahnung. Die Trainer beider Teams haben dagegen ein gelbwürdiges Foul gesehen.

Auf dem Weg in die Kabine merkt Manuel Gräfe in Richtung der wartenden Journalisten an: „Ja, ich weiß, dass war für alle wieder offensichtlich, aber das war eine Kann-muss-aber-nicht-Situation.“ Was der Schiedsrichter meinte: Im Spiel Borussias gegen Schalke 04 am Samstagabend hatte er ein hartes Einsteigen von Hamza Mendyl gegen den Gladbacher Rechtsverteidiger Nico Elvedi nicht geahndet, dabei hätte er dem Linksverteidiger durchaus die gelbe Karte dafür geben dürfen.

Es wäre dann die zweite für den Schalker Zugang gewesen, der keine zwei Minuten vorher für ein Foul an Thorgan Hazard bereits verwarnt worden war. Gräfe verzichtete auf den Platzverweis, Mendyl verließ das Spielfeld trotzdem umgehend: Schalkes Trainer Domenico Tedesco wechselte ihn unter einem gellenden Pfeifkonzert der Gladbacher Anhänger unter den 54.022 Zuschauern umgehend aus: in der 25. Spielminute. Stadionsprecher Thorsten Knippertz konnte sich bei der Verkündung des Wechsels den Zusatz nicht verkneifen: „Er wird wohl ganz schön erschöpft sein.“

Zu diesem Zeitpunkt führte Borussia nach dem frühen Kopfballtor von Matthias Ginter, der nach rund zwei Minuten den Ball nach einer Ecke von Jonas Hofmann gegen die Laufrichtung des Schalker Torwarts Ralf Fährmann ins Tor gesetzte hatte, bereits 1:0. Hätte es den Platzverweis gegeben, wäre die Aufgabe für die „Königsblauen“, die in grellgrünen Trikots der Farbe „Gecko“ aufliefen, noch einmal schwieriger gewesen. Auch so blieb sie am Ende unlösbar, denn Borussia fuhr dank Yann Sommer, dem überragenden Torwart, der mit großartigen Paraden bis in die Nachspielzeit, als Breel Embolo ein Traumtor gelang, die Null hielt, und des Jokertores von Patrick Herrmann einen 2:1-Sieg ein.

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Neben den Treffern und dem starken Torhüter passte auch das ganze System, das Trainer Dieter Hecking seinem Team verordnet hat: Im 4-3-3 entwickelt Borussia eine lange nicht gesehene Spielfreude, die gepaart mit der ganzen Dynamik von Spielern wie Hazard, Fabian Johnson, Alassane Plea, Jonas Hofmann oder Denis Zakaria viel Druck auf den Gegner ermöglicht. Auch defensiv stimmt es: Bei Ballbesitz des Kontrahenten wird aus dem 4-3-3 ein 4-4-2, die Außenstürmer rücken dann nach hinten ein oder schließen Lücken, wenn Außenverteidiger nach vorne gerückt sind. Damit tat sich Schalke am Anfang schwer. „Gladbach hat uns ein Stück weit auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Tedesco.

Der Schalker Trainer wusste mit Blick auf den nicht gegebenen Platzverweis gegen Mendyl aber auch: „Wir haben Glück gehabt, dass wir mit elf Mann weiterspielen durften.“ Hecking fand: „Die Szene ist für mich auch gelb-rot.“ Er berichtete, dass er nach der Partie zu Gräfe in die Kabine gegangen sei und der Schiedsrichter ihm seine Sichtweise mitgeteilt hätte. Wie die genau aussah, verriet Borussias Trainer nicht. „Das bleibt in der Schiri-Kabine zwischen ihm und mir“, sagte er und schilderte lediglich: „Herr Gräfe hatte eine andere Sicht, eine andere Meinung, die ich ein Stück weit nachvollziehen kann, wenn das immer so gehandhabt wird von ihm. Dann sage ich überhaupt nichts. Ich bleibe trotzdem dabei: Für mich ist es gelb-rot. Und wie das Spiel dann gelaufen wäre mit Elf gegen Zehn, mit dem Schwung, den wir da gehabt haben, weiß ich nicht.“ Es ist anzunehmen, dass es für Schalke in mehr als 65 Minuten Unterzahl nicht sonderlich angenehm geworden wäre.

Dass Gräfe ihm nach der Partie seine Sichtweise schilderte, lobte Hecking: „Ich finde es gut, dass man diesen Austausch hat, dass die Schiedsrichter sich da auch ein Stück weit öffnen. Ich habe seine Meinung gehört und fand es nachvollziehbar. Ich sage aber trotzdem: Als Trainer wäre ich mit einer anderen Entscheidung glücklicher gewesen.“ Der 54-Jährige ergänzte: „Ich will keine gelb-roten Karten fordern, aber Domenico hat es auch gerade gesagt: Sie hätten sich über einen Platzverweis nicht beschweren können. Und trotzdem war das gerade in der Schiri-Kabine ein Gespräch, wie ich mir das wünsche. Da hat jeder seine Sichtweise offengelegt. Ich ziehe den Hut vor Herrn Gräfe, wie sich das abgespielt hat.“