Borussias Spordirektor Roland Virkus „Zwei Derbysiege oder Europa – ich würde beides nehmen“

Düsseldorf · Borussias Sportdirektor Roland Virkus war zu Gast beim Fußball-Gipfel der Rheinischen Post und sprach über die Saisonziele, Trainer Daniel Farke und die Bedeutung der Fans. Und er äußerte sich nochmals über die Wucht des Unmuts nach den Derby-Niederlagen im vergangenen Jahr.

Borussia Mönchengladbach: Roland Virkus - Manager im Porträt
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Borussias Manager Roland Virkus im Porträt

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Foto: IMAGO/Kirchner-Media/IMAGO/Neundorf/Kirchner-Media

Festlegen lassen wollte sich Roland Virkus nicht. Auf die Frage, welches Ziel Borussia Mönchengladbach für die kommende Bundesligasaison habe, antwortete Gladbachs Sportdirektor auf dem großen Fußball-Gipfel der Rheinischen Post: „Wir müssen demütig sein. Es wäre vermessen, jetzt das Ziel zu formulieren, dass wir im nächsten Jahr international spielen wollen. Denn wir sind in den vergangenen beiden Spielzeiten Achter und Zehnter geworden. Und wir wissen noch nicht, mit welchem Kader wir durch die Saison gehen können.“

Wichtiger war es Virkus, der zusammen mit Klaus Allofs (Fortuna Düsseldorf), Thomas Kessler (1. FC Köln) und Simon Rolfes (Bayer Leverkusen) im Haupthaus der Rheinischen Post in Düsseldorf-Heerdt zu Gast war, ein grundsätzlicheres Ziel für die kommende Spielzeit zu benennen: „Bei uns in Mönchengladbach war zuletzt viel Unruhe. Deswegen ist es wichtig für uns, eine ruhige Saison zu spielen und keinen Stress in der Liga zu bekommen. Wir müssen ehrlich sein, dass es Konkurrenten gibt, die besser aufgestellt sind. Doch ich bin sicher, dass wir das durch gute und ehrliche Arbeit kompensieren können.“

Zur Wahrheit gehöre auch, dass derzeit noch nicht klar ist, ob der Klub auch über das laufende Transferfenster hinaus alle Leistungsträger halten kann, fügte Virkus hinzu. „Seien sie sicher, dass wir alles dafür tun, dass der Kader, den wir jetzt haben, auch im September Bestand hat. Die Gespräche dazu laufen, die Spieler wissen, was wir wollen, und wir wissen, was die Spieler wollen. Doch die Gefahr besteht, dass uns noch jemand verlässt, so ehrlich muss man sein“, sagte Virkus auf die Frage eines Fans, der die Sorge äußerte, wichtige Spieler wie Jonas Hofmann und Yann Sommer könnten nach drei absolvierten Ligaspielen noch gehen.

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Foto: AFP/VALENTINE CHAPUIS

Ansonsten ist die Stimmung rund um den Borussia-Park aber gut, das zeigte die Saisoneröffnung am vergangenen Sonntag. Ein wichtiger Faktor dabei ist der neue Trainer Daniel Farke. „Daniel bringt etwas mit, das lange unterschätzt wurde. Er steht für einen sehr menschlichen Umgang, interessiert sich auch für das Umfeld der Spieler. Und das ist etwas, dass der Spieler dir dankt. Und ich denke, das ist heute der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Trainer“, sagte Virkus, der Farke zuletzt erstmals im Gladbacher Trainingslager am Tegernsee erlebte.

Dort, in Rottach-Egern, waren nach zwei Jahren Pause auch wieder Tausende Fans zur Unterstützung dabei. „Wir leben von unseren Fans, sie geben uns eine enorme Energie. Und einige Spieler haben jetzt erstmals wirklich sehen können, welche Wucht dieser Klub hat, als beim ersten Training am Tegernsee 2500 Fans zuschauten“, sagte Virkus.

Schlechte Stimmung war unter den Fans allerdings in der vergangenen Saison aufgekommen, als Gladbach in der Schlussphase auch das zweite Derby gegen den 1. FC Köln verlor. Nach dem 1:3 daheim hatte es einigen Unmut gegeben. „Wer wie ich in Mönchengladbach geboren ist, der weiß, welche Bedeutung das Derby in der Stadt hat. Wenn du da beide Spiele verlierst, wird natürlich danach viel gefrotzelt. Das macht keinen Spaß“, sagte Virkus, der die Reaktionen nach der zweiten Derby-Niederlage als „schon heftig“ bezeichnete.

Borussia Mönchengladbach: Roland Virkus über auslaufende Verträge
Foto: dpa/Federico Gambarini

„Wir haben in der Endphase eine richtig gute Serie gestartet und existenziell wichtige Spiele gewonnen. Aber wir haben eben das Derby verloren. Wir hätten wohl alle Spiele am Ende verlieren können, hätten das Derby gewonnen und wären abgestiegen, und alles wäre gut gewesen“, sagte Virkus und erntete dafür viele Lacher. So einfach sei es natürlich nicht, fügte Gladbachs Sportdirektor dazu, gab sechs Derby-Punkte als Ziel für die kommende Saison aus und endete: „Wenn ich die Wahl hätte, im nächsten Jahr wieder international zu spielen oder beide Spiele gegen Köln zu gewinnen – ich würde beides nehmen.“ Es war eine Spitze, die perfekt passte zum freundschaftlichen Miteinander auf der Bühne und dem kurzweiligen Fußballgipfel der Westklubs bei der Rheinischen Post.